Sonntag, 16. Dezember 2018

Jeans Die jungen Wilden

Die Jeans ist der Evergreen auf dem Modemarkt. Jetzt sorgen neue Marken aus Skandinavien für Furore - und sagen mit originellen Designs und bezahlbaren Preisen dem Premium-Jeans-Hype der amerikanischen In-Labels den Kampf an.

Halle/Frankfurt am Main - Sie sind noch jung, aber sie haben die Modewelt schon kräftig aufgemischt: Seit einiger Zeit drängen zahlreiche neue Jeanslabel auf den Markt, und sie haben schnell für Furore gesorgt. Denn ihr Programm ist frisch und oft unkonventionell - schnell war bei den Kunden ein cooles Image geprägt. Und die greifen für die jungen Wilden gern tief in die Tasche.

"Pro Jeans sind 140 oder 150 Euro schon eine Normalität - ich halte das für völlig unmöglich", sagt Nils Holger Wien, Modedesigner und Trendberater aus Halle. Nach oben gebe es quasi keine Schmerzgrenze mehr. Trotzdem kaufen die Kunden, weil die neuen Marken als Ausweis von Hipness gelten. Die alteingesessenen Hersteller seien dadurch unter Druck geraten - eine neue Vielfalt für die Käuferinnen und Käufer ist entstanden.

"Viele gängige Marken haben eine gehobene Linie - eine Luxus- oder Designerlinie - eingeführt, um einen anderen Preisbereich anzubieten", erklärt Wien. Zum Kampf um das teure Segment hat aber auch der grundsätzliche Trend beigetragen, dass "die Mode sich sehr erwachsen und angezogen gibt". Vor allem aus den USA und Schweden kommen die Anbieter, die zum Beispiel Levi's und Wrangler die Kunden abspenstig machen.

So haben es zum Beispiel 7 for all Mankind, Citizens of Humanity oder True Religion - allesamt Label aus Los Angeles - geschafft, bei Hollywood-Stars Anklang zu finden. Schnell übertrug sich das Image auf trendbewusste junge Erwachsene. Die aktuellen Kollektionen aus L.A. bieten edle Jeans in allen Spielarten, unverwechselbar gemacht mit Stickereien wie einem Buddha mit Gitarre oder anderen Verzierungen. Preislich liegt bei 7 for all Mankind eine Schlaghose für die Dame bei etwa 140 Euro, bei True Religion kostet die "Disco Candice Jeans" in Grenadine sogar 369 Euro.

Teuer ist nicht alles

Doch teuer ist nicht alles - und als Trend offenbar schon wieder auf dem Rückzug. "Die 'Premium-Jeans' waren eine Riesenwelle aus den USA. Das ist aber schon wieder abgeflaut", sagt Sonja Ragaller von der in Frankfurt erscheinenden Fachzeitschrift "Textilwirtschaft". Im Kommen sind jetzt "sehr authentische und coole Jeans" neuer Label vorwiegend aus Skandinavien. Sie setzen sich zum Teil ganz bewusst von den teuren US-Marken ab und kommen vom Image her kantiger daher. Das ist gut für den Geldbeutel.

Cheap Monday aus Schweden etwa wurde 2004 gegründet, weil Designer Örjan Andersson viele Jeans für zu teuer hielt und einem Bedarf "für preiswertere, aber auch modische Jeans" begegnen wollte. Das Label mit dem Totenkopf-Emblem bietet manches Paar Denims schon für 50 Euro an. Ob bei Cheap Monday oder den ebenfalls schwedischen Marken Acne, Dr. Denim und Double M - die Silhouette bei den Jeans bleibt in der kommenden Saison meist schmal.

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