Sonntag, 21. Januar 2018

Krawatten Kollektive Entbindung

Die Krawatte stirbt aus. Diese düstere Prophezeihung macht derzeit wieder mal in den amerikanischen Medien die Runde. manager-magazin.de über die Zukunft des Binders, seine Rolle als Konjunkturindikator und darüber, was Macht, Schlips und Büstenhalter miteinander zu tun haben.

Hamburg - Jetzt geht es ihr also selbst an den Kragen - wenn man amerikanischen Medienberichten Glauben schenkt. Die Krawatte stirbt aus, liegt sozusagen in den letzten Zügen. Anlass für die neuerliche Totsagung des westlichen Modeguts ist die Selbstauflösung des US-Branchenverbands nach einem langwierigen Schrumpfungsprozess.

Von den einst 120 US-Unternehmen in den 80er Jahren ist nur ein kleines Grüppchen übrig geblieben. Produziert wird mittlerweile vor allem in Fernost und in Osteuropa.

Doch es ist eine tiefer greifende Entwicklung, die dem Abgesang zugrunde liegt: Männer tragen weniger Krawatte. Nur 6 Prozent der Amerikaner gehen laut einer aktuellen Gallup-Umfrage noch täglich mit Krawatte zur Arbeit, wie das "Wall Street Journal" berichtet. Vor sechs Jahren waren es noch fast doppelt so viele.

Und auch die Verkaufszahlen stagnieren. Setzte die Branche 1995 in den USA noch 1,3 Milliarden Dollar um, waren es dem Blatt zufolge zuletzt nur noch 677,7 Millionen.

Der Anfang vom Ende?

Die Krawatte hat ihre Rolle als Statussymbol verloren, ist der Chef des US-Herrenbekleiders JA Apparel, Marty Staff, überzeugt. "Früher war der Typ im marineblauen Anzug, dem weißen Hemd und der weinroten Krawatte der Chef - heute ist er der Buchhalter", erklärt er. Und fügt hinzu: "Macht ist, sich so anziehen zu können, wie man will." Schaut man sich Leute wie Steve Jobs, Rupert Murdoch, Warren Buffett oder Larry Ellison an, keine völlig abwegige Überlegung.

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