Mittwoch, 14. November 2018

Sicherheit Stichfeste Unterhosen, kugelsichere Krawatten

Wer echte Feinde hat, braucht teure Garderobe. Um die 1000 Dollar kostet ein Oberhemd aus der schusssicheren Kollektion von Miguel Caballero. Kugeln von einem Kaliber bis zu zwölf Millimetern soll die Kleidung des Kolumbianers standhalten. Zweifelnde Kunden überzeugt der Schneider gerne mit gezielten Schüssen auf seinen Anwalt.

Bogotá/Mexiko-Stadt - Die schicke braune Lederjacke hat ein Einschussloch. Stolz präsentiert Miguel Caballero das Modell aus seiner Kollektion, denn innen ist es unversehrt. Der Kolumbianer hat mit einer Pistole aus nächster Nähe auf einen seiner Angestellten geschossen - zu Demonstrationszwecken.

Gut gepanzert: Ein Kolumbianer trägt eine Lederhose, Hosenträger, einen Hut ... und dazu ein schusssicheres Hemd, das einem Kaliber bis zu zwölf Millimetern standhalten soll
"Der Mann hatte nicht mal einen blauen Fleck", erzählt Caballero in seiner ersten Boutique in Mexiko-Stadt. Zu Hause in Bogotá tüfteln derweil Schneiderinnen und Techniker an der weltweit wohl ersten schusssicheren bayerischen Tracht. Damit will Caballero auch in Deutschland für seine außergewöhnlichen Jacken und Hemden werben. Es handelt sich um normale Kleidung, in deren Innentaschen schussabweisende Einlagen getragen werden.

Wer in Caballeros Boutiquen in Bogotá oder Mexiko-Stadt einkaufen will, muss einen Termin vereinbaren. Die Preise sind ebenso wie die Kleidung selbst nichts für Normalsterbliche: 1000 Dollar (etwa 690 Euro) kostet eines der roten Hemden, die Venezuelas Präsident Hugo Chávez gern ordert. Doppelt so viel muss für die Lederjacke hingeblättert werden.

Kunden sind Politiker, Unternehmer und Künstler. So ließ sich der Schauspieler Steven Seagal einen kugelabweisenden Kimono anfertigen. Auch schussfeste Krawatten für die "Sicherheitslücke" zwischen linker und rechter Brust sind im Angebot.

"Schieß mir lieber gleich in den Kopf"

"Kugelsichere Westen gibt es schon lange. Das Besondere an unseren Produkten ist die Leichtigkeit und die Unauffälligkeit", sagt Andrés Aljure, der in Bogotá Besucher durch die kleine Fabrik führt. Während herkömmliche Sicherheitswesten, die über der Kleidung getragen werden, leicht vier Kilogramm auf die Waage bringen, wiegen Caballeros Hemden und Jacken weniger als die Hälfte. Aber fast noch wichtiger sei, dass sie auch aus der Nähe kaum als schusssicher auszumachen sind. "Kugelsichere Kleidung offen erkennbar zu tragen, ist wie eine Aufforderung an die Angreifer: Schieß mir lieber gleich in den Kopf", sagt Aljure.

Die Geschäftsidee kam Caballero während des Studiums: Damals ließen die Leibwächter einer Kommilitonin ihre kugelsicheren Westen immer im Auto, weil sie zu schwer und unbequem waren. Caballero tüftelte lange mit verschiedenen Materialien, sie sind mehrschichtig und ansonsten streng geheim. Zunächst wollte kein Kolumbianer in dem Land mit einer der höchsten Mordraten der Welt den Westen aus heimischer Produktion trauen. Dann schoss Caballero bei einer öffentlichen Vorführung auf seinen Rechtsanwalt. Als der unversehrt blieb, stellte sich auch der kommerzielle Erfolg ein.

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