Von Marc Pitzke, New York
New York - Laute Disco-Musik dröhnt bis auf den Gehweg, umflort von eindringlichem Parfümgeruch. Den Eingang flankieren zwei perfekt proportionierte, männliche Models, zugleich einladend und einschüchternd. "Hey there", gurren sie, ohne ihr makelloses Lächeln zu verziehen, das den Blick auf perfekt weiße Zahnreihen freigibt. Sie sehen kaum älter aus als Teenager, doch ihre Stimmen sind sonor.
Drinnen ist es so dunkel, dass das Auge ein paar Minuten braucht, um sich daran zu gewöhnen. Kein Sonnenstrahl dringt durch die dichten Holz-Jalousien, so dass schnell jedes Gefühl für Zeit verloren geht - ein Trick, den auch die Casinos in Las Vegas kennen, um Zocker zu locken.
Punktstrahler erhellen ausgesuchte Ecken des Shopping-Labyrinths, das sich über vier Etagen zieht: ein enormer, ausgestopfer Elchskopf an der Wand, schwarze Ledersessel zwischen Palmen, eine Glasvitrine mit antiken Holzskiern, Schneeschuhen und Gewehren.
Willkommen im New Yorker "Flagship Store" von Abercrombie & Fitch (A&F), einer der erfolgreichsten wie umstrittensten US-Modeketten. Der mehr als 3000 Quadratmeter große Megastore an der Fifth Avenue, in bester Lage gleich gegenüber von Trump Tower, Tiffany und dem neuen Gucci-Laden, wirkt wie ein Nachtclub. Mit Absicht: Denn A&F ist die US-Kultmarke der iPod-Generation - sie verkauft nicht nur Shorts und Polo-Shirts, sondern vor allem ein Lebensgefühl von ewiger Jugend, Schönheit und makelloser Ästhetik.
Oliver Kahn trägt A&F
Und das demnächst auch in Deutschland - wo solch offen hedonistische Werte eher misstrauisch beäugt werden. Mit einem Laden in der Münchner Maximilianstraße will A&F den deutschen Markt antesten. Und nicht nur den. Nach der erfolgreich absolvierten Übersee-Premiere vom März mit einer Dependance in Londons feiner Savile Row plant der Ausstatter mit dem ungenierten Softsex-Image jetzt einen Feldzug durch ganz Europa. Außer Deutschland stehen Italien, Frankreich, Spanien, Dänemark und Schweden auf der Expansionsliste des Hauses aus Ohio.
Der Grund ist, dass A&F bei allem Erfolg sein Potential in den USA langsam ausgereizt hat. "Wir haben die europäischen Märkte seit einiger Zeit im Auge", sagt Mike Jeffries, der 62-jährige CEO des Milliardenkonzerns, der aussieht wie ein 26-Jähriger und auch so spricht (sein Lieblingswort ist "cool"). "Es ist klar, dass die Nachfrage nach der Abercrombie-&-Fitch-Marke sehr stark ist."
In der Tat: In Deutschland ist A&F durch polyglotte Promis wie Stefan Raab, Kai Pflaume oder Oliver Kahn längst bekannt und erfreut sich eines regen Schwarzmarkts im Internet. Offenbar zum Missfallen der Konzernspitze: Ein deutscher Hobbyhändler, der A&F-Ware via Ebay gleich im Dutzend verkaufte, handelte sich eine Unterlassungserklärung ein.
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