Düsseldorf - Fetisch, Objekt oder Kunstwerk: Schuhe erfüllen viele Funktionen. Zurzeit stehen sie im Mittelpunkt einer Ausstellung mit Werken berühmter Schuhmacher und Künstler im Düsseldorfer NRW-Forum. Die 40 präsentierten Modelle und 50 Grafiken und Fotografien stammen unter anderem vom Pop Art-Künstler Andy Warhol, vom Modefotografen Guy Bourdin und von den Schuhdesignern Charles Jourdan, Israel Miller und Manolo Blahnik.
"Manolos" nennen prätentiös die Trägerinnen der glamourösen Schuhmodelle von Manolo Blahnik ihre Stilettos, High-Heels oder Stiefel. Nicht benutzt wird das profane Wort "Schuh". Denn - von Paloma Picasso bis zu Bianca Jagger - wecken die vom Kult-Schuhmacher Blahnik (62) entworfenen Pretiosen für den Frauenfuß die größt mögliche Emotion: Reine Begierde. Popstar Madonna soll gar der Auffassung sein, "Manolos" seien besser als Sex - und hielten auch länger.
Das 20. Jahrhundert sei "ein Jahrhundert des Schuhs" gewesen, sagte Werner Lippert vom NRW-Forum am Mittwoch in Düsseldorf. Zum einen habe es nach 1945 mit den ständig Modezyklen folgenden Schuhkreationen einen Wandel vom reinen Schusterhandwerk hin zur Schuhmode gegeben.
Zum anderen hätten Künstler begonnen, sich intensiv mit dem Thema Schuh auseinander zu setzen, meinte Lippert. Künstler wie Andy Warhol, an dessen Anfang als Werbegrafiker in den 50er Jahren wöchentliche Schuhanzeigen in der New York Times für den Schuhdesigner und -händler Israel Miller standen.
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Zu sehen sind stilisierte Werbezeichnungen Warhols etwa für den "French Look", ein Schuh, der einem weit ausgeschnittenen Dekolleté mit Schleifchen im Ausschnitt nachempfunden ist. Vom Schuhfetischisten Warhol, der in den 70er Jahren ganze Siebdruckserien zum Thema schuf, stammen auch frühe Skizzen zur erotischen Seite des Schuhs: dem Fuß. So zeigt ein Warhol-Blatt die gegenseitige Liebkosung haariger Männer- und rasierter Frauenfüße.
Als Pretiosen gelten die Schuhe des in Spanien geborenen Blahnik, der durch Zufall zum Schuhhandwerk kam. Weltweite Bekanntheit als teure Lifestyle-Accessoires errangen sie durch ihre Platzierung in der US-Seifenoper "Sex an the City". Die Single-Darstellerinnen wurden zu solchen "Manolo"-Fans, dass sie sich bei einem Raubüberfall alles abnehmen lassen, aber darum flehen, ihre Schuhe behalten zu dürfen.
Was in der Düsseldorfer Ausstellung untragbar aussieht, ist optisch ein Schmuckstück. Blahniks Schuhe wie die Kirschen-Schnür-Pumps, die Erdbeer-Stilettos, die Leoparden-Sandalen im Geisha-Look oder die Stiefel mit dem durchbrochenen Käfiggitter sind aufwendige Kostbarkeiten auf unglaublich hohen Absätzen. Fans behaupten sogar, man könne gemütlich darin laufen.
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