Krawatten
Vorsicht vor versteckten Botschaften
2. Teil:
Feminine Nuancen sind salonfähig
Feminine Nuancen sind salonfähig
Dort sind dezente Farben und unauffällige Muster angesagt. "Gerade auf der Management-Ebene kommt es darauf an, möglichst kompetent zu wirken. Das Gegenüber soll sich darauf konzentrieren, was der Herr spricht, und darf nicht von einer auffälligen Krawatte abgelenkt werden", warnt Imme Vogelsang, Etikette-Trainerin in Hamburg. Sie empfiehlt als Grundfarben gedeckte Töne wie Weinrot, Dunkelgrün oder Dunkelblau.
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Rosé, Hellblau oder lichtes Grün: Die zarten Töne gewinnen an Bedeutung
Doch auch feminine Nuancen sind inzwischen salonfähig geworden. "Lichtes Grün oder zartes Rosé spielen eine zunehmende Rolle. Solche Farben drücken Innovativität und hohe Empfindungsqualitäten aus", sagt Farbexperte Venn.
Während im privaten Umfeld auffällige Muster und großflächige Motive zum spannenden Blickfang werden können, wirken sie im geschäftlich-gesellschaftlichen Umfeld unpassend. "Gefragt sind hier möglichst feine Krawatten-Muster wie das klassische Hermès-Design
oder auch Streifen", rät Etikette-Trainerin Vogelsang.
Streifen müssen steigen
Doch sogar beim zurückhaltenden Design kann Mann Fehler machen. "Streifen dürfen nie quer oder längs verlaufen", sagt Venn. Bei diagonalen Streifen gelte es, auf die Richtung zu achten: Sie müssen von links unten nach rechts oben gehen. "Dann symbolisieren sie Dynamik. In umgekehrter Richtung zeigen sie Ängstlichkeit und Fluchtgedanken.
Streifen sind seit Jahren das dominierende Krawatten-Motiv.
"Anfänglich sehr breite Streifen sind inzwischen feiner geworden. Außerdem werden mehr Kontrastfarben verwendet", erläutert Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln. "Im klassisch-konservativen Geschäftsleben spielen neben Streifen vor allem kleine, geometrische Muster eine Rolle: Karos oder
Rauten setzen dezente Akzente". Es sei aber möglich, dass wieder eine Phase der organischen oder figürlichen Motive kommen könnte.
So eingeschränkt bei vielen beruflichen Anlässen die Wahl der Krawatte insgesamt ist - die Bedeutung des möglichst korrekt geknoteten Stoffstückes darf nicht unterschätzt werden. "Das Hemd und der Anzug oder das Jackett sind eher neutrale Ausdrucksmittel", sagt Müller-Thomkins. Nur mit der Krawatte sei individueller Ausdruck möglich.
Die Qual der Wahl nimmt der deutsche Mann aber nicht allzu häufig auf sich: "Nur etwa jeder vierte Mann ist durch sein Alter oder seine Funktion ein potenzieller Krawattenträger", sagt Friedrich Peschen, Geschäftsführer der Fachvereinigung Krawatten- und Schalindustrie in
Krefeld. Statistisch gesehen kaufe sich jeder aus dieser Gruppe einmal im Jahr einen neuen Schlips, während sechs bis acht Modelle bereits im Schrank hängen. "Von diesen trägt er nur zwei oder drei wirklich regelmäßig."
Eva Neumann, DPA