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16.07.2004
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Pinke Zeiten

Die Farbe Rosa

Die rosa Welle ist auf Deutschlands Straßen und in den Medien nicht zu übersehen. Ob sie allerdings Ausdruck eines neuen Harmoniebedürfnisses, nur eine Laune der Textilindustrie oder ein Kontrapunkt zur Wirtschaftslage ist - daran scheiden sich die Geister.

Hamburg - Caprihosen in Rosa oder T-Shirts in Pink: der Barbie-Farbton ist in der Mode in diesem Sommer weit verbreitet. Und das nicht nur für Damen, auch bei den Herren sind rosa Hemden oder Krawatten angesagt.

  Ob "Pink Paradiso" oder "Pink Devil":  Die Sängerin liegt mit ihrem Namen voll im Trend
AP

Ob "Pink Paradiso" oder "Pink Devil": Die Sängerin liegt mit ihrem Namen voll im Trend

Ob mit den rosaroten Kleidern auch ein besonderes Gefühl verbunden ist, darüber streiten Experten: Für die einen zeigt sich an der rosa Mode die Sehnsucht nach einer heilen Kinderwelt und nach positiven Signalen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Die anderen sehen in der Farbe schlicht einen von der Modeindustrie geschaffenen Trend.

Seit zwei oder drei Jahren gebe es den Trend "Pink Paradiso", jetzt habe er endgültig den Massenmarkt erreicht, sagt der Gründer des Hamburger Trendbüros, Peter Wippermann. Die Vorliebe für die Farbe habe verschiedene Gründe: "Pink ist eine Kinderfarbe wie hellblau und hellgelb." Sie drücke Verniedlichung aus, aber auch "sanften Optimismus".

Die Pastellfarbe habe eine Verankerung in den fünfziger Jahren: "Die Aufbaujahre mit harter Arbeit aber auch mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft." Zur Zeit - da Themen wie die Verlängerung der Arbeitszeit und Kürzungen bei Löhnen und Gehältern die öffentliche Diskussion dominieren - lasse sich durchaus eine Werteveränderung in diese Richtung feststellen.

Modefarben eine derart weit reichende Bedeutung beizumessen, hält die Sozialpsychologin Gisla Gniech für überzogen: "Die Trends sind nicht Ausdruck des Geschmacks eines Volkes, sondern werden von der Modeindustrie gesetzt", sagt die Professorin im Ruhestand, die sich an der Bremer Universität mit der psychologischen "Temperatur" von Farben beschäftigt hat. Generell werde Rosa als kindlich und "süßlich" wahrgenommen, es komme aber auch auf die Schattierung an: "Je mehr Blau der Farbe beigemischt ist, desto härter wird sie."

Ein Model führt einen weißen Hosenanzug mit Hut und Seidenblume am Revers in Pink des italienischen Modeschöpfers Francesco Scognamiglio bei den Alta Moda-Schauen in Rom vor. Die Farben Rosa und Pink haben sich längst in der Damen- und Männermode durchgesetzt. Und nicht nur da: Auch in der harten Männerwelt des Rock'n'Roll regiert die rosarote Brille: "Pink is my newest obesession" singt Steve Tyler von der Band "Aerosmith" Thai-Prinzessin Ubol Ratana trägt eine Kette mit dem 59.60 Karat-Diamanten "Steinmetz Pink", einem pinken Edelstein im Besitz der Steinmetz-Gruppe. Der Diamant wurde in Südafrika entdeckt, seine Bearbeitung nahm 20 Monate in Anspruch. Er gilt als der größte pinke Diamant der Welt. Tanita in rosa-weißer Jeans-Schlaghose mit rosafarbenem Rollkragenpollunder fährt das Zwillingspärchen Sophie und Julie im hochmodernen Kinderwagen mit dem klangvollen Namen Jogger Leisure Air Plus aus. Die Babylimousine für das neue Jahrtausend ist mit Flaschenhalterung und Monitor mit digitaler Anzeige für Temperatur, Uhrzeit, Geschwindigkeit, Entfernung und Kalorienzähler ausgestattet, für gesundheitsbewusste Eltern, die ihre Sprösslinge schon ganz früh an Fitness gewöhnen wollen. Supermodel Ana Claudia Michels trägt einen der neuen Entwürfe des Designer Amir Slama auf einer Modenschau in Brasilien. Wenig Stoff, und der hat die Farbe Rosa.

Pinke Parade
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Für die Trendexpertin des Deutschen Mode-Instituts, Elke Giese, ist Rosa vor allem der Ausdruck einer besonders femininen Mode: "Dabei gibt es alle möglichen Varianten von scharfem Pink bis zu sanftem Rosé." Die Karriere der Modefarbe ist laut Giese noch lange nicht beendet. "Der Trend zieht sich noch über den Winter bis in den nächsten Sommer." Grundsätzlich hielten sich Modefarben heute wesentlich länger als noch vor 20 Jahren. "Dafür gibt es nicht mehr die eine Farbe der Saison."

Trendforscher Wippermann hat sogar einen genauen Zeitplan der pinken Periode: "Noch etwa sieben Jahre wird es dauern, bis alle Spielarten der Verniedlichungsformen und der positiven Rückbesinnung auf die 50er durchgespielt sind", sagt der Experte. Was danach komme, werde sich in fünf Jahren zunächst in besonders modischen Gruppen abzeichnen. Silber - Symbol für die Aufgeschlossenheit gegenüber der Technologie die Trendfarbe der New Economy - sei zum Beispiel zunächst verstärkt von Sprayern benutzt worden.

Katharina Klink, dpa

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