Montag, 20. August 2018

Neues Verfahren gegen Ex-Manager Hat Middelhoff Millionen versteckt?

"Alles ist weg": Der ehemalige Top-Manager Thomas Middelhoff bestreitet entschieden, dass er Teile seines Vermögens vor der Privatinsolvenz beiseite geschafft habe

Er hat seine Gefängnisstrafe abgesessen, gibt sich geläutert. Doch jetzt droht Ex-Manager Thomas Middelhoff neues Ungemach - und im schlimmsten Fall wieder Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hat ein neues Verfahren eröffnet. Sie verdächtig ihn, Millionen vor seiner Privatinsolvenz in Sicherheit gebracht zu haben. Ein prominenter Zeuge belastet den Ex-Manager schwer, Middelhoff dementiert.

Thomas Middelhoff, verurteilter einstiger Top-Manager, gab sich nach der Haftentlassung geläutert. Er habe nicht nur zu einem besseren Leben, sondern auch zu Gott zurückgefunden und aus seinen Fehlern gelernt. Das versicherte Middelhoff schon in seinem Buch, das er bereits im Gefängnis zu schreiben begonnen hatte. Und er gibt es gern auch in Vorträgen in Kirchengemeinden oder an Universitäten zu Gehör. Doch jetzt bekommt das Bild des neuen Gutmenschen Kratzer:

Denn die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat ein neues Ermittlungsverfahren gegen Middelhoff eingeleitet - und gegen seinen Anwalt und Kompagnon Hartmut Fromm. Ermittelt werde wegen des Verdachts einer Bankrott-Straftat, erklärte ein Sprecher der Bielefelder Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Nach Berichten des Westdeutschen Rundfunks und der "Süddeutschen Zeitung" geht es um Millionen, die Middelhoff mit Hilfe seines Anwalts vor seiner Privatinsolvenz verschoben und damit den Gläubigern entzogen haben soll. Beide bestreiten das.

Damit nicht genug: Zudem hat Middelhoffs Insolvenzverwalter Thorsten Fuest dessen Anwalt Fromm und seine Berliner Kanzlei beim Landgericht Bielefeld auf Zahlung von 5,1 Millionen Euro verklagt. Der Inhalt der Klage habe erst die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ausgelöst.

Middelhoff selbst wies die Vorwürfe zurück. "Ich habe keine Millionen zur Seite geschafft. Ich bin heute völlig vermögenslos. Richtig ist: Ich habe versucht Asset Protection, also Vermögensschutz, zu betreiben - innerhalb der rechtlichen Grenzen. Das hat aber zu nichts geführt. Alles ist weg", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Er sei damals von drei Kanzleien beraten worden, und er gehe davon aus, dass alles in Ordnung sei. "Falls da irgendetwas von mir falsch eingeschätzt oder beurteilt worden ist, stehe ich zu meiner Verantwortung."

Beraterlegende Roland Berger belastet Middelhoff schwer

In dem jetzt angestrengten Verfahren dürfte besonders die Aussage eines prominenten Zeugen Middelhoff belasten: Die Beraterlegende Roland Berger gab laut SZ in einer eidesstattlichen Erklärung zu Protokoll, Middelhoff habe ihm im Januar 2014 erklärt, dass und wie er sich auf seine Privatinsolvenz vorbereite: "Auf Nachfrage, was er damit meine, hat Herr Dr. Middelhoff bestätigt, dass er sich zum Schutz seines Vermögens habe beraten lassen und er seine Vermögensverhältnisse so geordnet habe, dass er seinen Gläubigern alles entziehen könne", zitiert die Zeitung aus der Aussage. Middelhoff schuldet Roland Berger sieben Millionen Euro. Laut Insolvenzverwalter belaufen sich die Forderungen gegen den Ex-Manager auf insgesamt 415 Millionen Euro.


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Middelhoff weist den Verdacht einer Bankrott-Straftat wie oben gesagt entschieden zurück und betont zugleich, er sei bisher über die Eröffnung des neuen Ermittlungsverfahrens nicht informiert worden. Zudem sei es ein Unding, dass die Presse hier eher Bescheid wisse, als der Betroffene, kritisierte der Manager.

Der Bankrott-Paragraf 283 im Strafgesetzbuch sieht unter anderem Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren für Schuldner vor, die bei drohender Zahlungsunfähigkeit Bestandteile des Vermögens beiseite schaffen oder verheimlichen. In besonders schweren Fällen kann die Strafe sogar zehn Jahre betragen.

Wie die Sache für Middelhoff ausgeht, dürfte entscheidend auch von der neuen rechtlichen Bewertung abhängen, wann dem Ex-Manager die Privatinsolvenz drohte und wann der davon wusste, schreibt die "Süddeutsche Zeitung. Die Staatsanwaltschaft Bochum war dem Bankrott-Vorwurf bereits 2015 nachgegangen, habe die Ermittlungen jedoch eingestellt. Nun prüfen die Bielefelder Fahnder die Vorgänge erneut.

mit dpa

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