Dienstag, 17. Juli 2018

Buchauszug "Finding my Virginity" Wie Richard Branson über Donald Trump denkt

Richard Branson: Bilder seines Lebens
Fotos
privat

Buchtipp

Richard Branson
Finding My Virginity: Die neue Autobiografie

FinanzBuch, 544 Seiten, Juni 2018, 24,99 Euro

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Ich begegnete Ivana Trump in den frühen 1990er-Jahren, ein Jahr bevor ich Donald Trump traf. Sie überreichte die Auszeichnungen bei den Business Traveller Awards in London. Nachdem ich von ihr die Auszeichnung für die beste Fluglinie entgegengenommen hatte, hob ich sie im Überschwang der Gefühle hoch und wirbelte sie kopfüber herum - ein etwas ungewöhnliches Fotomotiv, das meine Freude voll ausdrückte. Sie nahm es ganz gelassen, aß später mit uns zu Abend, stornierte ihr British-Airways-Ticket und kehrte mit Virgin Atlantic in die Staaten zurück. Am folgenden Tag hieß es in Anspielung auf die Trumps in den Zeitungen: "Virgin spielt bei den Business Traveller Awards wieder alle Trümpfe aus". Eine Weile später lud mich Donald zum Mittagessen in seine Wohnung in Manhattan ein.

Ich war neugierig. Die Einladung kam für mich völlig unerwartet. Die Wohnung, die ich dann betrat, war zweifellos opulent eingerichtet, aber nicht so prahlerisch, wie ich es erwartet hatte. Das war nicht der einzige Teil des Mittagessens, der nicht so ausfiel, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Noch bevor die Vorspeisen angekommen waren, erwärmte sich Donald für das, worüber er mit mir sprechen wollte: die verschiedenen Menschen, an denen er sich rächen wollte, weil sie es abgelehnt hatten, ihm zu helfen, als er sie darum gebeten hatte.

"Ich habe zehn Leute angerufen und um finanzielle Unterstützung gebeten, als ich in Schwierigkeiten steckte", sagte er. "Fünf von diesen Leuten sagten mir, dass sie mir nicht helfen würden." Diese Ablehnung war nicht gut angekommen: Donald verbrachte den Rest dieses bizarren Mittagessens damit, mir zu erzählen, wie er sein Leben der Zerstörung dieser fünf Menschen widmen würde.

"Ich glaube nicht, dass das der beste Weg ist, seine Zeit zu verbringen", sagte ich zu ihm, als sich die Gelegenheit ergab, auch mal etwas zu sagen.

"Das wird Sie auffressen und Ihnen mehr Schaden zufügen als denen. Ist das nicht reine Zeit- und Arbeitsverschwendung? Sie sollten ihnen besser verzeihen." Donald schüttelte nur den Kopf und erklärte in aller Ausführlichkeit, wie und warum er jeden von ihnen der Reihe nach zerstören würde. "Diese Leute haben mir nicht geholfen, als ich sie brauchte. Sie haben mir einfach den Rücken gekehrt", ließ er weiter Dampf ab.

"Das ist eine Schande", räumte ich ein. "Aber ist das Leben nicht zu kurz, um es mit kleinlichen Streitereien zu vergeuden?" Während ich versuchte, meine Hühnersuppe zu essen, konnte ich nicht umhin, mich zu fragen, warum er mir das erzählte. Als er weiter seine Liste der Haupttäter im Detail durchlief, wunderte ich mich, ob er vorhatte, mich ebenfalls um Hilfe zu bitten. Wenn er es getan hätte, wäre ich die sechste Person auf seiner Liste geworden.

"Ich glaube wirklich, dass diese Leute nichts getan haben, dass sie solche Rache verdienen", sagte ich. "Gibt es keinen besseren Weg, sich mit etwas in seinem Leben zu beschäftigen?" Ich sollte diese Worte später noch bereuen, als er verkündete, dass er für das Amt des Präsidenten kandidieren wolle! Als ich mit dem Aufzug hinunterfuhr, hatte ich die Idee, einen Film über einen Geschäftsmann zu drehen, der fünf Menschen zerstören will, und über die Methoden, die er anwendet. Aber ich sah ein, dass dies zu weit hergeholt und völlig unglaubwürdig klingen würde - niemand würde akzeptieren, dass irgendjemand so krass sein könnte.

Das Treffen stand in großem Kontrast zu einem späteren Mittagessen mit Hillary Clinton, bei dem wir über Bildungsreform, Drogenpolitik, Frauenrechte, Konflikte auf der ganzen Welt und Strafrechtsreform sprachen. Sie war eine großartige Zuhörerin und eine sehr eloquente Rednerin. Was Donald Trump betraf, war das Treffen eine vollkommene Zeitverschwendung.

Als ich seine Wohnung verließ, tat er mir sogar leid.

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