Montag, 24. Juli 2017

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Details zum Chaos-Finale der Oscar-Show So crashte der Mann von PwC die Oscar-Show

Bester Laune - vor der Show: Martha Ruiz (l.) und Brian Cullinan (mit Tasche) von PwC bringen die Umschläge mit den Namen der Oscar-Gewinner zur Gala - später löste ein Fehler Cullinans mittleres Chaos auf der Oscar-Bühne aus

Thema Nummer eins nach der 89. Oscar-Verleihung am Sonntagabend in Los Angeles ist die Panne am Ende der Show: Die Präsentatoren Faye Dunaway und Warren Beatty riefen zuerst den Steifen "La La Land" als besten Film des Jahres aus, dann stellte sich heraus: Irrtum, "Moonlight" hat diese wohl wichtigste Trophäe gewonnen.

Jetzt kommt heraus: Der Fehler passierte womöglich, weil Brian Cullinan, einer der beiden Repräsentanten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die für die Bereitstellung der Umschläge mit den Gewinnernamen verantwortlich ist, hinter der Bühne abgelenkt war - und zwar, weil er fleißig Fotos beim Kurznachrichtendienst Twitter postete, obwohl ihm die Oscar-Academy als Veranstalter der Gala das nicht erlaubt hatte.

Cullinan war es, der Präsentator und Hollywood-Star Beatty jenen falschen Briefumschlag in die Hand drückte, in dem nicht der Name des Gewinners in der Kategorie "Bester Film" (also "Moonlight") stand, sondern der Name der besten Hauptdarstellerin, nämlich "Emma Stone" für ihre Rolle in "La La Land". Nach Kurzem zögern hatten Beatty und Dunaway auf der Bühne und vor einem Millionenpublikum im Fernsehen daraufhin "La La Land" irrtümlich als besten Film benannt.

Nur wenige Minuten vor diesem Irrtum, so berichtet das "Wall Street Journal", hatte Cullinan hinter der Bühne ein Foto von Stone nebst Oscar-Trophäe gemacht und bei Twitter gepostet, versehen mit der Notiz: "Best Actress Emma Stone backstage! #PWC!". Das Foto habe der PwC-Manager genau wie verschiedene andere inzwischen wieder von seinem Twitter-Account gelöscht, so das "Wall Street Journal".

Oscar-Academy genehmigte Cullinans Twittern nicht

Pikant: Die Twitter-Aktivitäten von PwC-Mann Cullinan hinter der Bühne waren laut "WSJ" von der Oscar-Academy im Vorfeld nicht genehmigt worden. Im Gegenteil: Eine entsprechende Anfrage Cullinans sei von den Verantwortlichen abgelehnt worden, sagte der Zeitung zufolge eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Die Begründung: Der Job des PwC-Vertreters sei es einzig und alleine, die Umschläge mit den Gewinnernamen zu verteilen und sicherzustellen, dass sich in jedem Umschlag auch der richtige Name befindet.

Laut "Wall Street Journal" äußerte sich Cullinan auf Anfrage nicht zu seinen Tweets aus dem Backstage-Bereich. PwC hatte bereits am Montag eingestanden, für den fehlerhaften Umschlag in den Händen der Präsentatoren verantwortlich zu sein. Tim Ryan, US-Chef des Unternehmens, sagte zudem: "Das war unser Ding. PwC machte einen Fehler und wir sind dafür verantwortlich." Cullinan, so der PwC-US-Chef weiter, glaube nicht, dass sein Twittern die Ursache für das Versehen sei.

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Erst zwei Minuten nachdem Dunaway und Beatty den falschen Film gekürt hatten, hatten Cullinan und Martha Ruiz, die zweite PwC-Repräsentantin bei den "Oscars", den Irrtum aufgeklärt. Zu dem Zeitpunkt hatten die Produzenten von "La La Land" bereits begonnen, ihre Dankesreden zu halten. Laut "Wall Street Journal" hat es aus Sicht von PwC damit zu lange gedauert, bis die beiden Mitarbeiter des Unternehmens einschritten. Welche Konsequenzen dies für Cullinan oder Ruiz sowie für das Verhältnis zwischen PwC und der Oscar-Academy haben werde, sei jedoch bislang offen, so das WSJ".

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