Samstag, 2. Juli 2016

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Niki Lauda spricht über Geld "Ich könnte genauso gut Straßenbahn fahren"

NIki Lauda (66) war in seiner ersten Karriere als Rennfahrer drei Mal Weltmeister in der Formel 1. 1976 wurde er bei einem Unfall auf dem Nürburgring schwer verletzt, stieg aber bereits einen guten Monat später erneut ins Cockpit. 1979 gründete Lauda seine erste Fluglinie Lauda Air, die er 2002 an die Austrian Airlines verkaufte. Auch seine zweite Airline Niki machte der Unternehmer wenige Jahre später zu Geld. Seit 2012 ist Lauda Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Teams der Formel 1, an dem er mit 10 Prozent beteiligt ist.

manager magazin online: Herr Lauda, wieviel Geld haben Sie jetzt gerade in Ihrer Tasche?

Lauda: Etwa 300 oder 400 Euro.

mm: Und wieviel wird heute Abend davon übrig sein?

Lauda: Genau die gleiche Summe, weil ich heute kein Geld mehr ausgeben werde. Ich bin geschäftlich unterwegs, gehe aber nicht ins Restaurant, also muss ich auch nichts ausgeben.

mm: Was war ihr letzter spontaner Lustkauf?

Lauda: Vor ein paar Tagen musste ich mir ein paar neue Timberland-Schuhe kaufen, weil der Winter kommt. Die für den Sommer haben nicht diese dicken Gummisohlen, die braucht man aber im Winter, weil sonst der Regen hineinkommt.

mm: Das hört sich aber eher nach einer vernünftigen Anschaffung an als nach einem richtigen Lustkauf.

Lauda: Ja, mag sein. Aber das brauche ich auch nicht.

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Reden wir über Geld


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mm: In Österreich haben Sie das Image eines Geizkragens, für eine Bank machen Sie Werbung mit dem Slogan "Ich habe nichts zu verschenken". Warum gefällt Ihnen das Image?

Lauda: Ich kultiviere das nicht. Das ist irgendwie entstanden, ohne dass ich das wollte, natürlich hat diese Werbung daran ihren Anteil. Es hieß: Wenn der Lauda das Portemonnaie in die Hand nimmt, dann kommen die Motten heraus. Ich lebe ganz normal und bin auch großzügig. Das Geizhals-Image ist eines, das die Medien erschaffen haben und aufrechterhalten.

Hier geht es zu Niki Laudas sieben Verhandlungs-Regeln

mm: Wie sah Ihr Start ins Erwachsenenleben aus, finanziell betrachtet? Sie waren ja als Spross einer Industriellendynastie einigen Luxus gewohnt.

Lauda: Es ist alles vorhanden gewesen. Wir hatten eine Köchin, mein Vater hatte einen Chauffeur, alles war da - aber Taschengeld haben wir nur wenig bekommen. In unserer Familie wurde über Geld nicht gesprochen. Wir lebten zwar gut, aber das hat uns nicht beeinflusst. Als ich mit 18 von zu Hause auszog, hatte ich sowieso kein Geld. Ich hatte eine Zweizimmerwohnung, und das war auch in Ordnung.

mm: Ihren Großvater beschreiben Sie als millionenschweren Despoten. Wie sehr hat er Ihr Leben geprägt?

Lauda: Es wurde nie etwas Wichtiges aus Geld gemacht. Der Großvater hat mich behindert in meinem Weiterkommen als Rennfahrer. Genau das hat mich aber angespornt.

mm: Jahrzehntelang haben Sie Fragen nach Geld immer eher abgebügelt, jetzt haben Sie gemeinsam mit der Journalistin Conny Bischofberger ein ganzes Buch darüber veröffentlicht. Warum? Wen wollen Sie damit erreichen?

Lauda: Ich wollte gar nichts erreichen, aber die Frau Bischofberger hat mich angerufen und gefragt, ob ich das mit ihr machen würde. Ich habe geantwortet: Wenn das schmerzfrei für mich geht, mache ich das gerne. Die hat mich regelrecht überlistet.

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