Samstag, 16. Dezember 2017

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Geld ausgeben mit Olivier Audemars, Urenkel des Audemars-Piguet-Gründers "Am Limit fühle ich mich lebendig"

In vierter Generation vertritt der Schweizer Olivier Audemars die Gründerfamilien der Uhrenmanufaktur Audemars Piguet. Der 57-Jährige schwärmt für Kosmos und Kunst: "Geschwindigkeit reizt mich, Leben am Limit - da fühle ich mich lebendig."

Gefunden in
Splendid
April 2017

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Es gibt in diesen Zeiten nichts Wertvolleres für mich als Zeit - weil wir so wenig davon haben. Früher habe ich manchmal ein Buch pro Tag verschlungen. Ich lese wahnsinnig gern, vor allem wissenschaftliche Bücher, ich bin ja Ingenieur.

Kosmologie interessiert mich sehr: Physik, die Geschichte des Universums, die Frage, woher wir kommen, die Relativität im Allgemeinen. Wir wissen so wenig, ich finde es spannend, nach Antworten zu suchen. Deshalb beschäftige ich mich viel mit Mathematik, dem Werk des Logikers Kurt Gödel etwa. Ich höre gern Johann Sebastian Bach, seine Musik hat ja etwas Mathematisches. Jazz mag ich auch sehr, jeden Sommer versuche ich, das Montreux Jazz Festival zu besuchen.

Stanley Kubriks "2001: Odyssee im Weltraum" gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Es geht mir ums Entdecken, deshalb habe ich auch angefangen, mich für Kunst zu interessieren.

Für M.C. Eschers unmögliche Figuren etwa, Nachbildungen habe ich zu Hause in Le Brassus. René Magritte mag ich und viele zeitgenössische Künstler, die ich durch das Engagement unserer Firma für die Kunst entdeckt habe. Ihre Fähigkeit, die Dinge anders zu betrachten, begeistert mich. Der Fotograf Dan Holdsworth etwa, der Bilder gemacht hat vom Vallée de Joux, wo wir herkommen. Ich hatte diese Gegend stets wie eine Postkarte gesehen. Seine Fotos haben mich schockiert und bewirkt, dass ich meine Sichtweise überdenke.

Adressen
  • Copyright:
    Bücher: "Gödel, Escher, Bach - ein Endloses Geflochtenes Band" von Douglas R. Hofstadter, etwa über amazon.de
  • Musik: Jazz Festival in Montreux, montreuxjazzfestival.com/de
  • Kunst: Art Basel in Basel, Miami und Hongkong, artbasel.com; Fotografien von Dan Holdsworth, danholdsworth.com; Guggenheim Museum in New York, guggenheim.org; Palazzo Grassi in Venedig, palazzograssi.it
  • Skifahren: chamonix.com, Snowboard von Burton
Auto: Georges-Henri Meylan und Olivier Audemars beim Classic-Rennen von Le Mans 2008 mit einem 35 Porsche 914/6 GT von 1970

Ich habe viele Werke asiatischer Künstler gekauft, zu viele, um sie daheim aufhängen zu können. Aber in ein Lager will ich sie auch nicht schließen, sie haben mich doch berührt, und ich will sie teilen. Auf der Art Basel hatte ich viele Gelegenheiten, mit Künstlern zu diskutieren, um ihre Werke und die Orte, die sie geprägt haben, besser zu verstehen. Andere Realitäten machen mich neugierig, auch beim Reisen. Das ist Luxus.

Ich liebe aber auch Sport, laufe Marathons, fahre Ski und Snowboard, segele Regatten mit meinem Boot und fahre Rennen und Rallyes mit modernen wie klassischen Autos - oft gemeinsam mit dem Uhrmacher Richard Mille. Privat habe ich mir einen 20 Jahre alten Porsche 993 GT2 angeschafft.

Geschwindigkeit reizt mich, auch beim Skifahren. Am Limit fühle ich mich lebendig. Seit ich Kinder habe, bin ich etwas vorsichtiger geworden. Wir mieten mit der Familie gern ein Châlet in Argentière bei Chamonix. Oder gehen ins Museum.

Das Guggenheim in New York liebe ich sehr und den Palazzo Grassi in Venedig. Aber natürlich reicht die Zeit nie für all diese Aktivitäten - meinen Pilotenschein habe ich gerade verloren, weil ich zu wenige Praxisstunden hatte.

Protokoll: Bianca Lang, "Splendid"

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