Freitag, 1. Juli 2016

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Theranos in der Kritik Die schwere Krise der jüngsten Selfmade-Milliardärin der Welt

Hat Theranos gegründet, weil sie wahnsinnige Angst vor Spritzen hat: Blut-Milliardärin Elizabeth Holmes

Wenige Wochen, bevor das US-Start-up Theranos in die wohl schwerste Krise seiner zwölfjährigen Geschichte schlittert, lächelt Gründerin Elizabeth Holmes vom Cover des amerikanischen Wirtschaftsmagazins "Inc.". In einem schwarzen Rollkragenpullover stehe die 31-Jährige stellvertretend für "acht Frauen, denen die Zukunft gehören könnte", heißt es dort. Überschrift: "Der nächste Steve Jobs".

Wäre das Heft nicht Anfang, sondern Ende Oktober erschienen, die "Inc."-Redaktion hätte sich wohl zweimal überlegt, ob sie Holmes auf den Titel hebt. Denn Theranos, das Unternehmen, das die Amerikanerin zur laut "Forbes" jüngsten Selfmade-Milliardärin der Welt gemacht hat, ist heftig unter Feuer geraten: zunächst durch einen Artikel des "Wall Street Journal", wenig später durch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA.

Es geht um den Kern des zuletzt mit neun Milliarden Dollar bewerteten Start-ups, um seine selbst entwickelten medizinischen Testverfahren.

Mit Analysegeräten, die mit einer kleinen Menge Blut dutzende verschiedene Tests durchführen, will Holmes die Gesundheitsbranche revolutionieren. Ihr Unternehmen Theranos hat bislang etwa 45 Labore eingerichtet und bietet dort Blut-, Speichel- und Urintests an. Durch Eigenentwicklungen sei man kostengünstiger als die Konkurrenz und schlage diese auch beim Schmerz: Der Theranos-Blutentnahmestift verursache bloß einen winzigen, kaum spürbaren Pieks.

Henry Kissinger ist Holmes-Fan

Wie ihr Analyserechner genau funktioniert, verriet Holmes allerdings nie. Er basiere auf denselben chemischen Prozessen, die auch in herkömmlichen Laboren zum Einsatz kämen - nur habe man diese noch einmal verbessert. Ihre Investoren, darunter Oracle-Gründer Larry Ellison, waren damit zufrieden - und hoben das Unternehmen mit insgesamt 400 Millionen Dollar auf eine Bewertung von neun Milliarden Dollar.

Holmes hält nach wie vor 50 Prozent - und wurde zu einem Liebling der Presse. Nicht nur "Inc." hob sie auf ein Podest. Ein "Fortune"-Redakteur schreibt 2014 spürbar beeindruckt, Holmes vertraue statt Kaffee auf Gemüsesäfte, um ihre 16-Stunden-Tage durchzustehen. Vor Restaurantbesuchen schicke sie dem Koch vegane Vollkornnudeln, nach dem Essen analysiere sie gern ihr eigenes Blut.

Zusätzliches Gewicht gewinnt ihr Unternehmen durch zwei ganz große Namen der US-Politik. Die ehemaligen Außenminister George Shultz und Henry Kissinger sitzen im Board, gegenüber "Fortune" lobte Nobelpreisträger Kissinger Holmes´ "eisernen Willen" und gab an, ihre speziellen Fähigkeiten machten sie geradezu unvergleichlich.

Derzeit scheint allerdings fraglich, ob Holmes und Theranos dem Hype gerecht werden können.

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