Samstag, 20. Oktober 2018

Weinhändler in Deutschland Fünf passionierte Pioniere

Sie verkaufen ein Genussgut, aber die Biografien von leidenschaftlichen Weinhändlern spiegeln auch die deutsche Gourmetgeschichte. Das Magazin "Der Feinschmecker" hat fünf von ihnen besucht.

Der Burgunder-Spezialist: Gerhard Neumann

Gerhard Neumann: Für Winzer ist es wie ein Ritterschlag, in sein elitäres Sortiment aufgenommen zu werden
Markus Bassker für DER FEINSCHMECKER
Gerhard Neumann: Für Winzer ist es wie ein Ritterschlag, in sein elitäres Sortiment aufgenommen zu werden

Was trinkt ein Weinhändler, der sich auf edelste Burgunder spezialisiert hat? Nur Pinot noir, nur noch Flaschen oberhalb von 50 Euro? Gerhard Neumann wählt zum Gespräch einen 2015er Tonschiefer Riesling trocken von Dönnhoff - gute Einstiegsklasse, preislich überschaubar. Überraschend? Eigentlich nicht. Es muss nicht immer das Allerfeinste sein, aber: "Ich bin sehr wählerisch geworden", sagt er.

Privat öffnet er neben Pinot noir und Chardonnay ausschließlich Riesling. In seinem Versandhandelsprogramm sieht es noch ein wenig anders aus. 100 Winzer sind dort aufgeführt; die Hälfte macht Burgund aus, der Rest verteilt sich aufs übrige Frankreich, auf Deutschland, Italien und Spanien sowie wenig USA, Portugal, Österreich. Man kann es als Ritterschlag verstehen, wenn Neumann einen vertreibt. Schließlich sagt er, eine "elitäre Auswahl" sei von Anfang an sein Ziel gewesen.

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Heft 11/2018

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Auch wenn Neumann aussieht, als hätte er nie etwas anderes betrieben als Burgunder-Handel - feine Gesichtszüge, markante Brille, Kaschmirpullover -, zum Wein ist er relativ spät gekommen. Ungefähr Mitte der 80er-Jahre, er ging da auf die 40 zu. Im Sommer fuhr er nach Frankreich in den Urlaub, lag am Strand, erholte sich von der Arbeit im Marketing. Bevor er wieder nach Mönchengladbach zurückkehrte, lud er ein paar Weinkartons in sein Auto. Als Chardonnay, Chablis und Pinot noir für die meisten Deutschen noch Fremdwörter waren, begann er, von seiner heimischen Garage aus Wein zu versenden, erst allein, dann mit einem Partner; sie hatten da ein Geschäftsmodell gesehen. Am Wochenende konnte man auch zum Probieren vorbeikommen. So fing es an.

Seit den Siebzigern wohnt Neumann im Rheinland, geboren ist er aber in der Pfalz. Mit den Eltern fuhr er schon als Zehnjähriger ins Elsass und klapperte die besten Restaurants ab. In der verstaubten, an Hausmannskost gewöhnten westdeutschen Republik war das so ungewöhnlich wie ein Japaner als Nachbar. Doch diese frühe Bekanntschaft mit Genuss, die Begeisterung für gutes Essen und Trinken, die hat ihn geprägt.

Er schwärmt vom burgundischen Weingut Lucien Le Moine - "weil niemand dir zeigen kann, was Terroir bedeutet, außer diesem Gut. Das ist es, was ich unter Burgunder- Kultur verstehe." Gehören dazu auch die eleganten Pinots von der Domaine de la Romanée-Conti? Sicher, die hatte Neumann auch mal im Programm. Aber die übersteigerten Preise widern ihn an, "mit den inneren Werten haben sie nichts mehr zu tun".

Natürlich wollte der studierte Betriebswirt auch immer Geld verdienen mit "N+M Weine" und dem kürzlich erworbenen Internetversender "Noble Wine". Doch Wachstum als Selbstzweck? "Mir war von Anfang an klar, dass es mit diesem Programm nicht gelingen kann, richtig groß zu werden." Neumann beschäftigt drei Leute, verkauft 75.000 Flaschen im Jahr. Reicht doch völlig aus, oder?

"N+M Weine", Tel. 02161-18 13 16

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