Sonntag, 21. Oktober 2018

Designerin und Stilikone Olivia Putman Die große Kleine

Stilikone Olivia Putman: Die große Kleine
Studio Putman

Seit neun Jahren führt sie das Studio ihrer Mutter Andrée, der Grande Dame des französischen Interieurs - und gilt bereits selbst als Stilikone.

Gefunden in
Splendid
November 2016

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Durch die großen Fenster der Altbauwohnung von Olivia Putman blickt der Besucher über die Pfarrkirche auf der Place de la Madeleine - wenn er dazu kommt. Gerade flitzen Putmans dreijährige Zwillinge kreischend durch den Salon. Vorbei am Couchtisch und den Bronze-Windhunden vor dem Kamin. Ein Kindermädchen versucht die blonden Jungs aufzuhalten, die nun in den Flur stürmen. Nicht ohne unterwegs sämtliche Schubladen eines Sideboards aufzuziehen und zuzuknallen. "Maman muss jetzt arbeiten", sagt Putman lächelnd. Den Protest dämpft die Tür, die sie mit einem Seufzer hinter den beiden schließt.

Olivia Putman streicht ihr marineblaues Wollkleid glatt. Sie arbeite sich gerade von Schwarz zu "helleren Farben" vor, sagt die 52-Jährige und nimmt auf einem halbrunden Sofa Platz. "Crescent Moon" heißt es, entworfen hat es einst ihre Mutter für Ralph Pucci. Andrée Putman gilt als Legende, sie gestaltete 1984 das Interieur des "Morgans" in New York mit schwarz-weißem Schachbrettboden und großen Bädern - und prägte damit das Bild von Design- und Boutique-Hotels. 1994 entwarf sie im Auftrag von Air France Geschirr und Sitze für den Überschalljet Concorde. Es folgten das Setdesign für Peter Greenaways Film "Die Bettlektüre", Möbel für Poltrona Frau und die Schmuckkollektion "Vertigo" für Christofle.

Olivia Putman trägt auch einen Ring der Traditionsmarke, den sie selbst entworfen hat. So wie die grauen Sessel "Velvet Monsieur" und "Velvet Madame" im Salon, deren sonnengelber Kontrastbezug die beiden Geschlechter symbolisieren soll.

Die Tochter steht ihrer berühmten Maman, die 2013 mit 87 Jahren starb und deren gestalterisches Werk regelmäßig in Schauen gewürdigt wird, in nichts nach. Das asiatische Luxusmagazin "The Peak" nennt Putman die "First Daughter of Design".

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"Meine Mutter hat mir ein Alphabet hinterlassen, mit dem ich eigene Wörter bilde", sagt Olivia, die heute das Studio Putman führt. Mit einem sechsköpfigen Team entwickelt sie unterschiedlichste Dinge: einen Flakon für Nina Ricci, eine Cognacflasche für Hine, Glasobjekte für Lalique und Stoffe für Pierre Frey. Dazu die VIP-Lounges der Fluglinie Lantam in Südamerika, das "Sofitel Arc de Triomphe" und zwei weitere Hotels auf Menorca. Daneben immer wieder private Residenzen: eine Hochhausetage in Dubai, das Haus des Slim-Fast-Gründers S. Daniel Abraham in Palm Beach, die teuerste Eigentumswohnung in Paris. Auch Büros reizen Putman: "Am liebsten würde ich den Schreibtisch für Hillary Clinton entwerfen - mit integriertem Spiegel."

Für die Armaturenmarke THG Paris entwarf sie unter anderem die Serie "Metamorphose". "Sie verkörpert den Stil einer neuen französischen Klassik", sagt Sophie Durand, bei THG für Designprojekte zuständig. "Olivia bleibt einfachen Formen treu, hat ein untrügliches Gespür für Proportionen und wagt originelle Materialmischungen." Zuletzt kombinierte sie Karbon mit Chrom. Putmans Designs, und auch das ist für ein Unternehmen wie THG nicht ganz unwichtig, sind Bestseller.

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