Sonntag, 22. April 2018

Was Finanzminister, Nobelpreisträger und CEOs lesen Die Lieblingsbücher der Erfolgreichen

Zwischen den Jahren kommt man endlich einmal zum Lesen - aber zu welchem Buch soll man nur greifen? Hier verraten prominente Politiker, Wirtschaftsgrößen, Wissenschaftler und andere interessante Persönlichkeiten, welche Lektüre für sie prägend war - und welche Bücher Sie weiterbringen können.

Und wenn Sie dann noch mehr Lesehunger haben: Hier geht es zur ausführlichen Leseliste der Führungskräfte von Goldman Sachs und hier zur exklusiv für manager magazin ermittelten Bestsellerliste der Wirtschaftsbücher.

Wolfgang Schäuble: Historische Ursachen unserer Gegenwartsprobleme

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble empfiehlt das Buch des britischen Historikers Ian Kershaw über die Zeit zwischen 1914 und 1949
Buchtipp

Ian Kershaw
Höllensturz: Europa 1914 bis 1949

Deutsche Verlags-Anstalt, 768 Seiten, gebunden, September 2016, 34,99 Euro

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"Das neue Buch des britischen Historikers Ian Kershaw über die katastrophalen europäischen Jahrzehnte zwischen 1914 und 1949 - "Höllensturz" heißt es - ist deswegen faszinierend, weil es uns auf sehr sorgfältige und lesbare Weise tatsächlich unsere Gegenwart erhellt.

Das Buch ist ein europäisches Lehrbuch. Es zeigt die verschiedenen und doch ähnlichen, die je eigenen und doch gemeinsamen Erfahrungen der europäischen Nationen in dieser Europa bis heute prägenden Zeit. Und wir lernen aus dem Buch, dass wir in einer Welt leben, die noch immer von den Folgen missglückter Ordnungsversuche der Vergangenheit geprägt ist.

Es ist nach dem Ersten Weltkrieg, wie Kershaw uns mit dem Blick des Historikers auf die Krisenherde unserer Zeit im Osten und im Nahen Osten zeigt, nicht gelungen, eine Staatenordnung zu schaffen, die die Chance auf friedliche Entwicklungen eröffnet hätte. Die Friedensverträge seit 1917/18 haben stattdessen eine Welt oft instabiler Nationalstaaten heraufgeführt und neue belastende Grenzkonflikte provoziert.

Das gilt für den Osten, für Russland, wo Kershaw mit Blick auf den Entzug des Baltikums, der Ukraine oder des Kaukasus in und nach dem Ersten Weltkrieg von einer "brutalen Zergliederung" spricht. Das gilt auch für den Nahen Osten, wo Staaten geschaffen wurden, die die Siegermächte Großbritannien und Frankreich wiederum unter sich aufteilten: Syrien und Libanon an Frankreich, Palästina und Irak an Großbritannien. Alles nicht nachhaltig: Verhandlungen und Friedensverträge ohne befriedende Wirkung.

Das Buch ist ein Lehrstück über die Wirkmacht der Geschichte, über die unbeabsichtigten Folgen und Nebenwirkungen der notwendig unvollkommenen menschlichen Bemühungen - bemühen müssen wir uns trotzdem. Historische Erfahrung macht nicht klug für ein anderes Mal, hat der Schweizer Historiker Jacob Burckhard im vorletzten Jahrhundert gesagt, aber weise für immer. Und vielleicht demütig, das wäre nicht das Schlechteste."

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