Montag, 19. November 2018

"Es ist Realität, dass ich Diplomat von Zentralafrika bin" Boris Becker kämpft erneut um Titel

Boris Becker: Kampf um den Diplomaten-Titel - auch wenn ihm dieser "nicht vordergründig wichtig" ist

Ex-Tennisstar Boris Becker hat seinen Status als Diplomat der Zentralafrikanischen Republik verteidigt. "Es ist eine Realität, ist ein Fakt, dass ich heute Diplomat von Zentralafrika bin", sagte Becker in einem Video-Interview mit dem "Top Magazin Frankfurt", das am Dienstag veröffentlicht wurde.

"In der Tat wurde ich im April dieses Jahres von seiner Exzellenz, Präsident (Faustin Archange) Touadéra zum Attaché für Sport, Kultur und humanitäre Angelegenheiten ernannt", fügte Becker hinzu. Er fühle sich "sehr geehrt für diese verantwortungsvolle Aufgabe". Es sei "richtig, dass mein Diplomatenstatus einige Privilegien beinhaltet, zum Beispiel Immunität bei besonderen Fällen". Allerdings sei ihm dies "nicht vordergründig wichtig".

Becker kündigte in dem Interview vom Dienstag an, er wolle bald nach Bangui fliegen "und dort mit den Herrschaften sprechen".

Der ehemalige Weltklasse-Tennisspieler hatte zuletzt versucht, in einem in Großbritannien laufenden Insolvenzverfahren diplomatische Immunität geltend zu machen. Aus dem Außenministerium in Zentralafrikas Hauptstadt Bangui hieß es am Dienstag indes, Beckers Diplomatenpass sei eine womöglich mit Hilfe von einem gestohlenen Blankopass erstellte "Fälschung".

Außenminister bestreitet Beckers angeblichen Diplomatenstatus

Zuvor hatte bereits der Außenminister der Zentralafrikanischen Republik, Charles Armel Doubane, bestritten, dass Becker Diplomatenstatus habe. "Boris Becker ist kein offizieller Diplomat der Zentralafrikanischen Republik. Um als Diplomat ernannt zu werden, ist neben der Ernennung des Präsidenten auch meine Unterschrift als Außenminister nötig", hatte Doubane in einem Zeitungsinterview gesagt. Er habe entsprechende Dokumente aber nie unterzeichnet. Der Präsident habe ihn "nie darum gebeten, die entsprechenden Schritte im Falle von Boris Becker einzuleiten".

"Wir wollen nicht, dass Boris Beckers inoffizielle Position für unser Land mit seinen finanziellen Problemen assoziiert wird", sagte der Minister, der seit Beginn der Amtszeit von Touadéra im Jahr 2016 im Amt ist. "Wir sagen klar, dass unser Land bei jeglichen rechtlichen Verfahren gegen Boris Becker die Justiz in keinerlei Weise behindern wird." Die Zentralafrikanische Republik trete "für Rechtsstaatlichkeit ein".

Zentralafrikanische Republik wird in Verfahren nicht eingreifen

Der Botschafter der Zentralafrikanischen Republik in Brüssel, Daniel Emery Dede, hatte dagegen am Sonntag erklärt, Becker sei "ein aufrichtiger Unterstützer unseres Landes und wurde vom Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik in den diplomatischen Dienst berufen".

Dazu sagte Außenminister Doubane der "Welt", die Pressemitteilung sei ohne Absprache mit ihm verschickt worden. Er habe seine Position am Sonntag bereits dem Berater von Präsident Touadéra mitgeteilt, im Laufe des Montags werde es voraussichtlich ein Treffen zwischen ihm und dem Staatschef in der Angelegenheit geben.

Beckers deutscher Anwalt Oliver Moser hatte Ende vergangener Woche dem Sport-Informations-Dienst SID gesagt, sein Mandant mache im Zuge eines Insolvenzverfahrens in Großbritannien diplomatische Immunität geltend: Er berufe sich dabei auf seine Funktion als Sportsonderattaché für die Zentralafrikanische Republik.

Attaché in Zentralafrika: Das ärmste Land der Welt soll Boris Becker vor der Pleite retten

Die britische Press Association (PA) zitierte die deutsche Tennislegende mit den Worten, dass die Entscheidung, ein Insolvenzverfahren gegen ihn einzuleiten, "sowohl ungerechtfertigt als auch ungerecht" sei. Deshalb mache er nun diplomatische Immunität geltend, um "diese Farce zu einem Ende zu bringen" und damit er anfangen könne, sein "Leben wieder aufzubauen". Beckers Insolvenzverwalter erklärten dagegen, diesen Schachzug nicht zu akzeptieren.

Der dreimalige Wimbledonsieger war im Juni 2017 von einem Konkursgericht in London wegen unbeglichener Schulden für zahlungsunfähig erklärt worden.

Der Krisenstaat Zentralafrikanische Republik gilt einem umfassenden UN-Index zufolge als das ärmste Land der Welt. In dem Land war 2013 ein Bürgerkrieg ausgebrochen, in dem sich Milizen der christlichen Mehrheit und der muslimischen Minderheit gegenüberstanden.

In Folge einer französischen Militärintervention und später einer UN-Friedensmission stabilisierte sich die Lage etwas. Trotz der Präsenz von mehr als 12 000 Blauhelmsoldaten kommt es jedoch immer wieder zu neuen Kämpfen. Nach UN-Angaben sind rund 1,1 Millionen Menschen auf der Flucht - fast ein Viertel der Bevölkerung. Jeder zweite Zentralafrikaner ist UN-Angaben zufolge auf humanitäre Hilfe angewiesen.

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