Donnerstag, 17. Januar 2019

L'Oréal-Erbin Bettencourt Frankreichs reichste Frau wird entmündigt

L'Oréal-Erbin Bettencour: "Wenn sich meine Tochter um mich kümmert, werde ich ersticken. Wenn sie es werden soll, dann gehe ich"
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L'Oréal-Erbin Bettencour: "Wenn sich meine Tochter um mich kümmert, werde ich ersticken. Wenn sie es werden soll, dann gehe ich"

Vorläufiges Ende eines jahrelangen Familienstreits: Fankreichs reichste Frau, die milliardenschwere L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt, wird entmündigt. Das Gericht folgte damit der Auffassung ihrer Tochter, dass der Geisteszustand der 88-Jährigen gestört ist.

Paris - Die fast 89-jährige L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt, die französischen Medienberichten zufolge an Demenz leidet, wird entmündigt. Das teilten die Anwälte Bettencourts und ihrer Tochter Françoise Bettencourt-Meyers nach einer Entscheidung eines französischen Vormundschaftsgerichts mit. Die alte Dame werde unter Vormundschaft ihres ältesten Enkels Jean-Victor Meyers gestellt, die Verwaltung ihres Vermögens werde der Tochter und ihren zwei Enkeln übertragen.

Françoise Bettencourt-Meyers hatte sich monatelang einen erbitterten Familienstreit mit ihrer Mutter geliefert, weil sie die alte Dame von Mitarbeitern und Beratern ausgebeutet sah. Die einzige Tochter der L'Oréal-Milliardärin hatte unter anderem dem Künstler François-Marie Banier vorgeworfen, ihre Mutter um fast eine Milliarde Euro in Form von Gemälden, Immobilien, Lebensversicherungen und Schecks erleichtert zu haben.

Mehrere Versuche der Tochter, ihre Mutter entmündigen zu lassen, waren bisher gescheitert. Ein vergangenes Jahr erzieltes Schlichtungsabkommen wurde kürzlich gebrochen. Im Juni hatten Ärzte in einem Gutachten festgestellt, die Milliardärin leide unter Gedächtnis- und Bewusstseinsstörungen. Zuletzt hieß es laut Medienberichten, die alte Dame leide unter fortschreitender Demenz.

Bettencourt soll ein Vermögen von 16 Milliarden Dollar haben

Liliane Bettencourt verfügt nach Schätzungen des US-Magazins "Forbes" über ein Vermögen von etwa 16 Milliarden Euro und ist damit die reichste Frau Frankreichs. Sie sitzt noch immer im Verwaltungsrat des Kosmetikkonzerns L'Oréal.

Die alte Dame hatte vor der Entscheidung des Gerichts angekündigt, im Falle einer Entmündigung ins Ausland zu gehen."Wenn sich meine Tochter um mich kümmert, werde ich ersticken. Wenn sie es werden soll, dann gehe ich!" Auf die Frage, ob sie dabei an die Schweiz denke, meinte sie: "Nein, ich fahre nicht mehr so oft Ski."

Der Familienstreit hatte eine Reihe von Affären ausgelöst, die im vergangenen Jahr auch die konservative Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy erschütterten. Neben Steuerhinterziehung wurde der L'Oréal-Hauptaktionärin vorgeworfen, illegale Parteispenden an die konservative Regierungspartei UMP übergeben zu haben. So untersuchte die Justiz, ob eine illegale Spende in Höhe von 150.000 Euro für den Präsidentschaftswahlkampf von Sarkozy im Jahr 2007 floss.

mg/afp/dpa-afx

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