Sonntag, 24. März 2019

Ribérys Aussetzer Das goldene Kalb

Bayern-Goldjunge Franck Ribéry: Straßenköter bellen laut

Die Beschimpfungen des Bayern-Fußballers Franck Ribéry waren daneben, die Kritik an seinem Verzehr eines Gold-Steaks allerdings auch. Schade, denn das dazugehörige Video hat künstlerischen Wert.

Jammerschade: Mit Hunden wäre es ein gelungener Ulk gewesen. Man stelle sich einen Zeichentrickfilm über das Leben ziemlich ruppiger, aber irgendwie auch putziger Straßenköter vor, die sich beim Showdown vor ein paar stinkenden Mülltonnen ein Beleidigungsduell liefern, das in der schlimmsten Beschimpfung gipfelt, die sich ein Ghettobeißer nicht ganz bilderbuchmäßiger Abstammung ausdenken kann: "Fick deinen Stammbaum!" Riesenkalauer!

Leider stammt diese Verunglimpfung aber nicht aus einem Zeichentrickfilm. Sondern aus dem Instagram-Rant des Profifußballers Frank Ribéry, der die Stammbaum-Eskalation (nebst vorangestellten Vulgaritäten gegen Mütter und Großmütter der Adressaten) all jenen entgegenkläffte, die ihn zuvor dafür kritisiert hatten, in einem Dubaier Steakhaus einen gewaltigen, mit Blattgold überzogenen Fleischbatzen verzehrt zu haben - und ein Video davon voller Prollstolz ebenfalls auf seinem Instagram-Account geteilt zu haben.

Natürlich ist Ribérys verbaler Ausfall eine indiskutable Entgleisung, für die man nicht einmal seinen vorgeblichen Vorbildstatus bemühen muss, um sie fraglos verurteilen zu müssen: Niemand sollte so reden oder ins Internet blöken, egal, ob superprominent, gänzlich unbekannt oder anonym.

Das Goldfleisch ging aufs Haus

Das ändert jedoch nichts an dem Umstand, dass der Auslöser des ribéryschen Ausrasters, die öffentliche, vor allem in seiner französischen Heimat überaus heftige Kritik an seinem Protzmahl, ebenso überzogen ist. Und es ist auch rührend naiv, sich darüber zu echauffieren, wenn ein Mensch mit einem Jahreseinkommen von zwölf Millionen Euro sein Geld eben auch für sinnloses Chichi aus dem Fenster wirft. Oder sich zumindest zu plakativen Geldverbrennereien einladen lässt: Laut Pressemitteilung des FC Bayern München ging Ribérys Goldfleisch aufs Haus.

Ärgerlich an seiner Oma-und Stammbaum-Entgleisung ist (nach Abzug aller öffentlichen Blitzdampfwut und berechtigter sprachmoralischer Empörung) vor allem, dass sie einem die reine, unschuldige Freude an der zutiefst komödiantischen Qualität des auslösenden Videos verleidet. Und seinen fast schon künstlerischen Symbolwert: Da liegt es also ganz bildlich und buchstäblich, das goldene Kalb, um das sich der ganze Kickspökes so dreht. Ein noch schöneres Bild für die Absurdität des Business als der vergoldete Lamborghini von Arsenals Pierre-Emerick Aubameyang.

Ribery im überlangen Hemdchen - neuer Teil der Prollposer-Serie

Im Steakvideo sehen wir, das ist der komödiantische Teil, Franck Ribéry in einem überlangen Hemdchen, dessen Saum ihn praktischerweise wie ein Schrittlätzchen bedeckt, und wir sehen vor allem den kurdischtürkischen Fleischer Nusret Gökçe, der wegen seiner exaltierten Würztechnik in der Welt der Memes auch als "Salt Bae" bekannt ist: Wie eine zoolanderhafte Karikatur tranchiert er das güldene Steak in maximal affektierten Posen, schneidet in Spreizhocke, fächert theatralisch die geschnetzelten Partien auf - wer sich schon stille schämt, wenn beim überkandidelten Italiener mit der übergroßen Pfeffermühle mondänes Leben simuliert wird, schwitzt allein beim Betrachten des Videos großflächige Peinflecken in sein Hemd.

Zum Finale muss Ribéry dann sein tranchiertes Fleisch festlich selbst salzen, er macht dabei den obligatorischen Kranich-Arm, den vor ihm auch schon Robert Lewandowski, Diego Maradona, David Beckham und viele andere gemacht haben, wie man auf dem Instagram-Account von "Salt Bae" (18,8 Millionen Follower) sehen kann. Lionel Messi begnügte sich übrigens mit dem deutlich kleineren goldenen Filetsteak. Ribéry ist also kein singulärer Fatzke, sondern Teil einer Prollposerei-Serie.

Und leider, leider eben kein Knallcharge in einer Komödie. Darum wird er leider diese nun auf dem Silbertablett präsentierte Vorlage für eine wunderschöne Schlusspointe nicht verwandeln. Nicht - gekränkt von der "hohen Geldstrafe" seines Vereins - dem Fußball den Rücken kehren und leider auch kein Fleischlokal für die Münchner Schmackoria eröffnen. Schade um den schönen Lokalnamen "Ribeyery".

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