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10.02.2012
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Sri Sri Ravi Shankar

Guru mit Gespür fürs Geschäft

Von Kristian Klooß, Bangalore

Fotostrecke: Sri Sri Ravi Shankar bei der Arbeit
Fotos
Cirstin Ehlers/ Art of Living

Der indische Gelehrte Sri Sri Ravi Shankar ist nicht nur in seiner Heimat ein spiritueller Star. Als Guru wie als Geschäftsmann exportiert er seine Lehren bis in den Schwarzwald - und zum Weltwirtschaftsforum nach Davos. Eine Audienz beim "Höchsten Lehrer der Erleuchtung".

Bangalore - Die langen schwarzen Haare Sri Sri Ravi Shankars liegen dünn und federleicht auf seinen Schultern. Sein Vollbart hingegen ist groß, kräftig und schwarz. Schultern und Oberkörper hat er eingewickelt in ein weißes Gewand. Dessen Nähte und Ränder sind purpurrot, so wie auch Kissen und Saum des Stuhls, auf dem er sitzt. Eigentlich ist es mehr ein Thron, der in der Mitte des Raumes steht.

Die Audienz, die er der Gruppe aus Deutschland an diesem Tag gewährt, findet in einem Rondell auf einem Hügel seines Meditationszentrums, des Aschrams, statt. In tiefen Sofas auf dicken Teppichen haben es sich die Gäste gemütlich gemacht. Im Rund des Raumes stehen Regale und Vitrinen aus dunklem Holz, gefüllt mit Büchern, Vasen, Blumengirlanden, Bildern und kleinen goldenen Statuen, zwischen denen auch ein blauroter Papa Schlumpf von einem Wandregal auf jene Pfauenfeder hinabblickt, die aus der Rückenlehne des Sessels von "Seiner Heiligkeit" hinausragt.

Der Guru lächelt. Die Fragen, die die Besucher ihm heute stellen werden, sind eher grundlegender Natur. Wie er, Sri Sri Ravi Shankar, die Welt verbessern wolle, möchte einer von ihnen wissen.

Der Guru lacht, atmet einmal tief ein und sagt: "Um die Welt zu verbessern, muss man nicht alles neu erfinden." Dann schließt er die Augen. An einer Wand schlägt leise das Pendel einer Standuhr. "Um die Welt zu verbessern", sagt Shankar, "muss man auch nicht alles anders machen." Während er so spricht, schweben seine Hände und Finger vor ihm in der Luft, schmiegen sich seine Gesten an seine Worte und Sätze.

Mit der Unesco Bäume gepflanzt

Sein Beitrag für ein besseres Leben der Menschen, sagt Shankar, liege vor allem in praktischer Lebenshilfe. "Der Fokus unserer Yoga-Schule liegt darin, den Menschen Atemübungen und Methoden der Stressbewältigung zu lehren." Dies sei der beste Weg, das Leben der Menschen zu verbessern.

Bei der Verbreitung dieser Lehren seien er und seine Mitarbeiter auf einem guten Weg. So sei seine Yoga-Schule, die "Art of Living School", lange nicht in islamischen Ländern akzeptiert worden. Und auch Unternehmen hätten zunächst kein Interesse an seinen Lehren gezeigt. "Heute hat sich das aber ein wenig geändert", sagt Shankar.

Der Grund dieses Erfolgs: Die vom Guru vor drei Jahrzehnten gegründete "Art of Living Foundation", die satzungsgemäß menschliche Werte und interreligiöse Harmonie fördert, hat sich mittlerweile, dank Sri Sri Ravi Shankar, in 151 Ländern der Welt einen Namen gemacht. Im Namen Seiner Heiligkeit und mit einem Beraterstatus der Vereinten Nationen geadelt, hat die Nichtregierungsorganisation beispielsweise gemeinsam mit der Unesco Bäume gepflanzt und gemeinsam mit der indischen Regierung daran gearbeitet, ehemalige Milizen durch Anti-Stress-Training wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

In Sachen Marketing hat sich Sri Sri Ravi Shankar dabei seinen Lehrmeister, den Guru Maharishi, zum Vorbild genommen. Dieser half einst den Beatles zur Erleuchtung - und wurde so nicht nur weltberühmt, sondern auch reich.

Sri Sri Ravi Shankar hingegen hat sich nicht auf Popstars, sondern vor allem auf Politiker und Manager spezialisiert.

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