Von Jochen A. Siegle
Wegwerf- versus Schnäppchen-Kameras
Laut Fleming ist die Pure-Digital-Kamera für Hobbyfotografen konzipiert, die technisch wenig versiert sind und nicht mit Kabeln und PCs hantieren wollen, sich aber dennoch für Digital-Fotografie interessieren. Da haben wir's also: Diese Cam ist eine Digitalkamera, die eigentlich nicht wie eine Digitalkamera funktioniert, wesentlich schlechtere Bilder als billigere Analog-Einweg-Pendants schießt, für Leute, die eigentlich gar keine Digi-Cam wollen.
Pure Digital hat sich einer Art Hightech-Mission verschrieben: "Wir führen die Verbraucher an die Digital-Fotografie heran", erklärt Fleming-Wood. Damit könnte er unter anderem die räumliche Nähe meinen: Bei Ritz Camera liegen vollwertige 2-Megapixel-Kameras zum Mini-Preis von 79 US-Dollar - inklusive LCD, Speicherweiterung, Macro und Video-Funktion versteht sich - direkt neben den Möchtegerns von Pure Digital in der Auslage. Angesichts der immer weiter fallenden Preise von Digi-Cams zweifeln auch Analysten wie Tim Bajarin von Creative Strategies daran, dass digitale "Disposables" jemals eine bedeutende Rolle spielen werden.
Pure Digital will nichtsdestotrotz bereits im November mit einem Nachfolgemodell nachlegen. Das soll nicht nur über eine deutlich bessere Bildqualität, sondern auch über einen Farb-Bildschirm in Handy-Displaygröße verfügen und zwischen 15 und 20 US-Dollar kosten.
Damit kann man vielleicht auch eine weitere Zielgruppe erschließen: den Tech-Untergrund. Der besser ausgestattete Digi-Einweg-Fotoapparat könnte es Hackern wert sein, Tüftler-Hand anzulegen und die von Fleming-Wood gepriesenen "mehrstufigen Sicherheitsvorkehrungen" zu knacken, die das eigenhändige Entladen des Kameraspeichers unterbinden sollen. Das befürchtet auch Pure Digital: "Das wird sicher lustig zu beobachten, was sich die Hacker alles einfallen lassen, die Kameras selbst zu entleeren oder anderweitig einzusetzen", sagt Fleming-Wood.
P.S. Europa wird noch eine Weile auf die Einmal-Digi-Fotoapparate, die die Welt nicht braucht, warten müssen. Man habe eine Übersee-Expansion allerdings schon auf dem "Radar", heißt es bei Pure Digital.
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