Von Jochen A. Siegle
Sommerzeit, Urlaubszeit. Alles war wohlgeplant, das Ticket schon seit Monaten gebucht, Hund und Katze sind bei Oma - und dann vergisst wieder wer die Kamera auf dem Küchentisch.
Abhilfe schafft da die Einweg-Kamera von der Tanke oder aus dem Drogeriemarkt. Auch wenn die Bildqualität mager und die Nutzung umweltpolitisch nicht sonderlich korrekt ist, werden die Einfachst-Apparate immer beliebter: In den letzten fünf Jahren haben die Absatzzahlen gemäß der amerikanischen Photo Marketing Association jährlich um 15 Prozent zugelegt; in diesem Jahr sollen weltweit 400 Millionen Einweg-Knipser unter die Leute gebracht werden.
Über die Hälfte davon geht alleine in den USA über die Ladentheken, wo bereits fast jede fünfte entwickelte Filmrolle aus einer "Single-use"-Kamera stammt. Tendenz rasant steigend - während der Absatz von tradionellem 35-mm-Film vor allem auch angesichts der zunehmenden Beliebtheit von Digitalkameras immer weiter schrumpft.
Warum also nicht eine digitale Einweg-Kamera erfinden, dachte sich das San Franciscoer Start-up Pure Digital Technologies. Seit Anfang des Monats ist deren erstes Produkt in den USA auf dem Markt.
Zwei Megapixel Auflösung, CMOS-Chip, automatischer Blitz, 25 Bilder Kapazität und Selbstauslöser sind die wichtigsten technischen Koordinaten der Pure Digital-Digi-Cam, die mit elf US-Dollar zu Buche schlägt.
Wenig Kamera für gar nicht so wenig Geld
Noch mal so viel zu berappen ist für die "Entwicklung" - inklusive Abzüge und E-Bilder auf CD-Rom -, die man nicht zu Hause am heimischen Rechner, sondern die nur der Fachhändler erledigen kann.
Mangels LCD-Display können gemachte Bilder auch nicht betrachtet werden, und löschen lässt sich nur das jeweils zuletzt geschossene Foto. Verwackler und sonstige Foto-Pannen können daher nur auf Verdacht eliminiert werden.
Technischen Restriktionen, bescheidener Bildqualität und sattem Preis zum Trotz hat die größte US-Fotohandelskette Ritz Camera die Pure-Digital-E-Knipser ins Sortiment genommen und einen Testlauf in 100 Filialen gestartet. Walt Disney wird den Apparat ab Herbst in seinen Ressorts und Freizeitparks anbieten; der Drogerie-Gigant Walgreens testet sie in Wisconsin.
Bislang ist man Pure-Digital-Marketingchef Simon Fleming-Wood zufolge mit den Verkaufszahlen derart zufrieden, dass im September die Zahl der Verkaufsstellen deutlich erhöht sowie neue Partner bekannt gegeben werden können.
Und das ist in der Tat eine handfeste Überraschung. Denn wer bitte kauft dieses - immerhin bis zu fünfmal recyclebare - Einweg-Digi-Ding, das die US-Presse gar als "wichtigen Meilenstein für die Fotoindustrie" ("San Francisco Chronicle") preist?
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