Sonntag, 19. August 2018

Garmin-Gerät macht Bürostühle smart Wie mein neuer Sitz-Coach mein Arbeitsleben geändert hat

Sitzsensor von Garmin: So funktioniert der smarte Bürostuhl
Fotos
Interstuhl

Frühstück: Im Sitzen. Pendeln zur Arbeit: Sitzen in der U-Bahn. Am Schreibtisch: Sitzen. Im Meeting: Sitzen. In der Kantine: Sitzen. Auf dem Heimweg: Sitzen. Und abends sitzt man mit Freunden zusammen. Studien belegen: Im Schnitt sitzen wir zwischen sieben und neun Stunden am Tag. Das ist nicht gesund. Das Bonmot vom Sitzen als dem neuen Rauchen ist mittlerweile schon so abgegriffen wie die Stuhllehnen in einem Großraumbüro. Aber was kann man tun?

Viele Menschen sind ja schon Selbstoptimierer, tragen ihre Fitness-Tracker den ganzen Tag, zählen Schritte und lassen sich zu Bewegung auffordern. Ich will ausprobieren, wie man gesünder sitzen kann - und ob ein smarter Bürostuhl dabei hilft. Im Test: Der 69 Euro teure Sitzsensor S 4.0, ein gut männerdaumennagelgroßes Gerät, das der Bürostuhlhersteller Interstuhl in Kooperation mit dem Technologieanbieter Garmin entwickelt hat.

Man klebt das winzige Gadget unter seinen Schreibtischstuhl, vernetzt es via USB mit einem kleinen Ant+Stick mit dem eigenen Rechner und lässt sich fortan permanent beim Sitzen coachen. Es fühlt sich ein wenig seltsam an, etwas zu optimieren, das per se als so ungesund gilt wie das Sitzen - und auch die Bezeichnung "Active Sitting Solution" kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Active Life besser wäre als ein Active Sitting, aber die Idee ist trotzdem schon richtig: Viele Büroarbeiter frieren beim Arbeiten in immer denselben Positionen ein, und das ist noch ungesünder, als Sitzen eh schon ist.

Das Gerät (das auch mit Garmin-Smartwatches kompatibel ist, sie aber nicht zwingend braucht) muss man zunächst kalibrieren, indem man das eigene Gewicht auf dem Stuhl in alle möglichen Richtungen verlagert. "Herzlich willkommen in Ihrer Welt von Interstuhl" heißt es dann, und es ist tatsächlich eine eigene Welt, die sich nun eröffnet. "My Interstuhl" will von mir wissen: Wie viele Stunden sitze ich täglich, habe ich ein Einzelbüro oder sitze ich im "open space"? Dann soll ich angeben, was mir "beim Sitzen und Arbeiten" wichtig ist: Ergonomie? Wohlfühlen? Individualität, Funktionalität, konzentriertes Arbeiten, Kommunikation?

Lesen Sie auch:Gehpult statt Stehpult

Hm. Wollte ich immer schon individuell sitzen? Vielleicht mal mit dem Kopf nach unten, so als Statement? Wohlfühlen ist natürlich für Weicheier, das Bild dazu zeigt eine Frau, die mit ihrem Wohlfühl-Teebecher in sanftes Wohlfühl-Licht getaucht vor ihrem Wohlfühl-Holztisch sitzt. Neinnein, so bin ich nicht. Ich möchte konzentriert arbeiten und kommunizieren. Und klar, ergonomisch soll es auch sein. So.

Aber damit ist es immer noch nicht genug: Interessiere ich mich für Lifestyle, New Work, Health oder Sitting Performance? Bis vor einer Minute kannte ich das Wort noch nicht, aber ab jetzt interessiere ich mich brennend für Sitting Performance. Mir werden passende Artikel angezeigt (leider in weiß auf rotem Hintergrund - das Lesen ist ziemlich anstrengend), auch ein "Workout des Tages" gibt es. Die Artikel sind gut geschrieben und bieten etliche Anregungen. Aber dass wir uns im Bewegungsalltag falsch verhalten, liegt meist nicht an einem Mangel an Information, sondern eher an Motivation - und dabei helfen dann doch eher die Echtzeit-Rückmeldung und die Tagesauswertung sowie die (ja, das gibt es) persönliche Sitzhistorie.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH