Donnerstag, 19. Juli 2018

Neue Fahrradrahmen Cooles Carbon, Bambus-Bike oder Allround-Alu?

Fahrradrahmen: Welches Material das beste ist
Fotos
TMN / Dan Milner/pd-f.de/www.vannicholas.com

Die Wahl des Rahmenmaterials ist beim Fahrradkauf eine Grundsatzentscheidung. Denn das Grundgerüst eines Fahrrades kann in seiner Beschaffenheit so vielfältig sein wie die Radtypen selbst.

Stahl, Aluminium, Titan oder Carbonfaser - was nehmen? Oder doch gleich ein nachhaltiges Bambus-Fahrrad? Einer wächst natürlich nach, der andere ist härter als Stahl und doch ein Kunststoff, der nächste ist auch in der Raumfahrt gefragt - Fahrradrahmen-Werkstoffe sind vielseitig.

Das klassische Rahmenmaterial war lange Zeit Stahl. "Weil es das am besten zu verarbeitende und auch haltbares Material war", sagt Andreas Götz vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR), dem Dachverband für den organisierten Radsport in Deutschland. Stahl ist sehr stabil und erträgt auch hohe Beanspruchungen. Doch er rostet. Das macht Aluminium nicht und ist obendrein leichter.

In den 1980er Jahren zog Alu als Rahmenwerkstoff in den Massenmarkt ein. "Da hat man die Dauerhaltbarkeit so langsam in den Griff bekommen", sagt Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). "Das war ein Lernprozess, aber das Rezept funktioniert jetzt." Und zwar so gut, dass Alurahmen heute einen Marktanteil von rund 80 Prozent haben. Bei normalen Alltagsrädern mit Licht und Schutzblech dürfte die Quote sogar bei 90 Prozent liegen. Stahl hat aber in der Nische überlebt.

In der Vintage- und Nostalgie-Szene orientiert sich der Geschmack vielmehr an klassischen Rennrädern der 1930er bis 1980er mit ihren dünnen und eleganten Stahlrohren. Originale sind begehrt: "Wie bei einem alten Ferrari oder Porsche werden für einige Modelle Preise weit über dem Neupreis gezahlt", sagt Götz. Einige Firmen bauen diesen Look in Stahl heute nach. Zum anderen greifen Rahmenbauer, die Fahrräder nach Maß anfertigen, gern auf Stahl zurück, weil sie ihn vergleichsweise einfach und unkompliziert verarbeiten können.

Lesen Sie auch: E-Mountainbike-Test: Wie ein SUV auf zwei Rädern

Über alle Eigenschaften hinweg dürfte aber ein Alufahrrad für 80 Prozent der Leute eine gute Wahl sein, meint Fehlau. Alu sei leicht, bezahlbar und langlebig. Aber weil es relativ weich ist, müssen die zusammengeschweißten Rohre größer sein oder dickere Wandstärken haben. Das lässt sich durch eine intelligente Konstruktion steuern. "Aluminium lässt viel mehr Rohr- und Rahmengeometrien zu", erklärt Siegfried Neuberger vom Zweirad-Industrieverband (ZIV). "Schön designte Rahmenformen, die ganzen Oversize-Rahmen wären mit Stahl so nicht möglich, wo ja meist runde Rohre verwendet werden."

Das Spektrum reicht von billigen Baumarkträdern für 250 Euro bis hin zur Oberklasse, wo allein der Rahmen 2000 Euro kostet. Ab etwa 400 Euro sei die Qualität brauchbar, sagt Fehlau. Im ganz günstigen Segment rät er jedoch lieber zu einem schwereren Stahlrad. Das sei meist stabiler als ein billig produziertes aus Alu, "und hat bei einem Unfall ein sympathischeres Bruchverhalten". Alu bricht unvermittelter, Stahl ist zäher.

Seite 1 von 3

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH