Samstag, 10. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Street View im Hamburger Miniaturwunderland Google denkt im ganz kleinen Maßstab

Street View: Googles Aufnahmen aus dem Miniaturwunderland
Fotos
Börner/ Google

Mit Google kann man nicht nur die große, sondern auch die kleine Welt entdecken: Über Street View kann man jetzt auch das das Hamburger Miniaturwunderland anschauen.

Er sei nervös gewesen, ehrfürchtig, erzählt Frederik Braun von den ersten Besuchen der Google-Mitarbeiter. "Nach jedem Termin hatte ich das Gefühl, das war's", sagt der Mitbegründer des Miniaturwunderlandes, das als weltgrößte Modelleisenbahn zu Hamburgs beliebtesten Touristenattraktionen zählt. Zu kompliziert schien es zu werden, die rund 1300 Quadratmeter große Miniaturwelt für Street View zu digitalisieren, was sich Google vor gut einem Jahr vorgenommen hatte.

Die Welt des Wunderlandes hat einen Maßstab von 1:87, die Anlage ist mittlerweile so komplex geworden, dass dort kein Platz für die üblichen Street-View-Kameras ist. Besonders die Tunnel machen es schwer, den Verlauf und die Umgebung der Straßen und Eisenbahnschienen zu dokumentieren.

Google hat das Projekt trotzdem erfolgreich umgesetzt. Über g.co/miniaturwunderland kann man sich seit Mittwoch durch die Nachbauten unter anderem von Hamburg, Bayern und Amerika klicken, alternativ geht das auch über die Street-View-App.

Es wurde nachts gefilmt

Google hat seine Aufnahmen nachts gemacht, tagsüber sind schließlich Tausende Besucher im Miniaturwunderland unterwegs. Auf technischer Seite kamen ein kleiner Kamerabus und ein kleiner Kamerazug zum Einsatz, außerdem eine 360-Grad-Spiegelreflexkamera, die dort an die Decke gehängt wurde, wo es keine Straßen oder Schienen gibt. Anschließend wurden alle Aufnahmen händisch miteinander verknüpft.

"Unser Kamerazug hatte zwei kleine Kameras an Bord, die jeweils etwas mehr als 180 Grad aufnehmen", erklärt Sven Tresp aus Googles Street-View-Team. Nach jeder Aufnahme sei der Zug ein Stück weitergefahren, dann wurde die nächste gemacht. Dabei war Präzision wichtig, damit sogenannte Stitching Errors vermieden werden, das sind Bildübergänge, bei denen der Nutzer später merkt, dass die Aufnahmen nicht zusammenpassen.

Das war eine Riesenherausforderung", sagt Tresp, "wir reden hier von Millimetern." Die Kameras auf dem Zug seien herkömmliche Digitalkameras gewesen, denen das Gehäuse abgenommen wurde, um sie so klein wie möglich zu machen. Gesteuert wurde der Street-View-Zug über die Anlage des Miniaturwunderlandes.

Neue Ecken zu entdecken

Auch wenn Google gefühlt im Monatstakt eindrucksvolle Street-View-Aufnahmen veröffentlicht - sogar ein Kamel transportierte dafür eine Kamera -, bieten die neuen Bilder über ihren optischen Charme hinaus einen Mehrwert: Sie zeigen Orte des Miniaturwunderlandes, die zahlende Besucher sonst nicht zu Gesicht bekommen, zum Beispiel das Innere eines Flughafenterminals.

Wunderland-Gründer Frederik Braun sagt, durch Google habe sein Team Ecken entdeckt, an die es sich gar nicht mehr erinnerte. Manche davon wolle man nun lieber mal aufhübschen.

Sorgen, dass durch das Google-Projekt künftig Touristen ausbleiben, weil sie vieles schon digital sehen können, macht sich Braun nicht. Er freue sich, dass die Bilder des Miniaturwunderlandes jetzt um die Welt gehen, sagt er. "Wer sich das anschaut, wird kommen."

Lesen Sie auch:

Tipps für Stadtplaner: Was Modellbahn-Anlagen über die Wohnträume der Deutschen verraten

 

Nachrichtenticker

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH