Donnerstag, 30. Juni 2016

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Gesundheits-Apps im Test Helferlein mit Tücken

Apps zum Abnehmen: Die Kalorienwächter auf dem Handy
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Abnehmen, Nichtraucher werden oder Blutzucker messen - dabei können Apps helfen, das Handy hat man schließlich meist dabei. Aber wie gut sind die kleinen Hilfsprogramme wirklich? Stiftung Warentest hat sie unter die Lupe genommen.

Hamburg - Rund 97.000 Apps mit Gesundheitsbezug wurden im März 2013 auf den führenden Downloadportalen angeboten. Etwa 1000 kommen jeden Monat hinzu. Jeder fünfte Bundesbürger nutzt sie bereits. Die hilfreichen unter den Handy-Programmen zählen Kalorien, erinnern an fällige Medikamente oder helfen den Blutzuckerspiegel zu überwachen. Stiftung Warentest hat 24 Apps auf Herz und Nieren geprüft - jeweils 12 für die Betriebssysteme Android und iOS.

Dabei geht es um Gewichtskontrolle, Diabetes, Rauchen-Aufgeben und Medikamentenverwaltung. Kein Programm schneidet sehr gut ab. Sechs sind gut, sie überzeugen mit Benutzerfreundlichkeit und vielen Funktionen. Von den Apps zum Thema "Rauchen aufgeben" kommt keine über ein Befriedigend hinaus. Als Defizit fast aller getesteten Handy-Helferlein erwies sich die Transparenz - oft fehlte etwa ein Impressum.

Auch beim Thema Datenschutz fielen einige der Test-Kandidaten negativ auf: Vier Apps sind sehr kritisch, zwei kritisch. Die App "QuitNow Pro - Rauchen aufgeben" beispielsweise verschlüsselt das Nutzerpasswort unzureichend und den Nutzernamen gar nicht. Die Abnehm-App "FatSecret" sendet beide Angaben ungeschützt. Fremde könnten sich so selbst mit den abgefangenen Daten einloggen und das Nutzerkonto übernehmen.

Wer die Kundendaten einsehen kann und was mit ihnen geschieht, ist auch bei den als unkritisch bewerteten Gesundheits-Apps oft nicht ersichtlich. Details zum Umgang mit den sensiblen Angaben sollten in der Beschreibung der App, schon vor dem Download, zu finden sein. Fehlen diese Angaben, ist der Download entsprechend riskant.

Jeder fünfte Deutsche nutzt bereits Gesundheits-Apps

Nur vier der 24 geprüften Apps enthielten ein Impressum, zwei weitere verlinken auf die Anbieter-Homepage, auf der ein Impressum zu finden ist. Die übrigen verstecken vereinzelte Angaben im Kleingedruckten oder geben gar keine Auskunft. Ebenso gravierend: Nur vier Apps informieren über genutzte Quellen oder die Qualifikation des Autors. Der Nutzer kann nicht nachvollziehen, auf welchem Fachwissen beispielsweise die Ernährungstipps beruhen, für ihre Richtigkeit gibt es keine Garantie.

Bringen Gesundheits-Apps also überhaupt etwas? Die Perspektiven sind da: Jeder fünfte Deutsche nutzt Gesundheits-Apps. 42 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen verhalten sich dank solcher Anwendungen nach eigenen Angaben gesundheitsbewusster. Weiterer Vorteil: Rund 75 Prozent der deutschen Handybesitzer haben ihr Smartphone immer dabei. Die Kalorien des Snacks unterwegs können sie so schneller eintragen als in eine auf Papier geführte Tabelle, die womöglich zuhause auf dem Nachttisch liegt.

In den kleinen Hilfsprogrammen stecken auch politisch große Hoffnungen. Sie sollen langfristig den Kostenanstieg im Gesundheitssektor senken, die Kommunikation zwischen Arzt und Patient erleichtern. Weil eine Standardisierung fehlt, ist es für deutsche Ärzte bislang kaum möglich, von einer App erzeugte Daten, beispielsweise Blutzuckertabellen, im eigenen Praxissystem auszuwerten. Aber immer mehr Ärzte beschäftigen sich mit der Thematik.

Das ist ein wichtiger Faktor für unerfahrene Nutzer, denn fehlerhafte Apps zur Blutzucker- oder Medikamenten-Überwachung können für Patienten gefährlich sein. Die US-Zulassungsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte (FDA) hat jetzt beschlossen, medizinische Apps aus dieser Risikogruppe grundsätzlich prüfen zu lassen. In der EU gibt es solch ein Verfahren bislang nicht.

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