Dienstag, 6. Dezember 2016

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Das neue Apple TV im Test Die "Zukunft des TV" muss noch etwas warten

Das neue Apple TV im Test: "Zukunft des TV" muss noch etwas warten
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TMN; Apple

Apple-Fans warteten bisher vergeblich auf einen Fernseher mit dem Apfel-Logo, stattdessen versucht sich der Konzern in einer Settop-Box, genannt Apple TV, die die Zukunftsvisionen auf den Bildschirm bringen soll. Doch der Praxistest zeigt neben einigen Verbesserungen auch Schwächen.

Es muss im Leben des Apple-Mitbegründers Steve Jobs kurz vor seinem Tod noch einmal diesen "Heureka"-Moment gegeben haben. Er erzählte zumindest seinem Biografen Walter Isaacson, er habe jetzt eine Idee, wie man die Bedienung von Fernsehgeräten neu gestalten könnte. Doch inzwischen ist klar, dass Jobs damit nicht den großen Fernseher selbst meinte, sondern das Nutzungskonzept.

Gut vier Jahre nach dem Tod von Steve Jobs bringt Apple nun eine komplett neu entwickelte Version seiner Settop-Box auf den Markt, mit der diese Vision zumindest teilweise umgesetzt werden soll. Die vierte Generation des Apple TV wurde mit einem komplett neuen Betriebssystem ("tvOS") und erstmals mit einem App Store ausgestattet, über den Anwendungen und andere Videodienste auf den Schirm kommen.

Die zierliche Fernbedienung bietet einen Siri-Knopf für den Sprachassistenten.
TMN; Andrea Warnecke
Die zierliche Fernbedienung bietet einen Siri-Knopf für den Sprachassistenten.
Beim Auspacken des neuen Apple TV fällt sofort auf, dass die kleine schwarze Box etwas dicker und schwerer geworden ist. Die Besitzer eines iPhones haben bei der Einrichtung einen Startvorteil. Sie brauchen ihr Smartphone mit eingeschalteter Bluetooth-Verbindung nur in die Nähe des Geräts zu halten, schon übernimmt das Gerät die notwendigen Einstellungen, etwa das Passwort für das WLAN oder die Angaben zur Apple-ID. Aus rechtlichen Gründen muss zumindest ein Mal auch das Apple-Passwort etwas fummelig eingegeben werden. Dabei bietet Apple aber die Option, das Passwort auf dem Gerät zu speichern, damit die Prozedur nicht ständig wiederholt werden muss.

Die zierliche Fernbedienung sieht komplett anders aus als bei den vorherigen Apple-TV-Generationen. Am oberen Ende befindet sich eine etwa drei mal drei Zentimeter große Touch-Oberfläche, mit der man auf dem Bildschirm navigieren kann. Ein Mikrofonknopf aktiviert auf Wunsch Siri. Die Sprachassistentin antwortet allerdings nicht wie beim iPhone oder iPad mit gesprochenen Sätzen, sondern zeigt die gesuchten Informationen auf dem Bildschirm an oder setzt einfach die gesprochenen Befehle um.

Die Suche klappt erstaunlich gut

Die Suche nach Filmen oder TV-Serien funktioniert nicht nur in Apples iTunes Store, sondern über verschiedene Anbieter hinweg. In Deutschland steht etwa der Videoservice Netflix als App zu Verfügung, in den USA kann auch Hulu als Service aktiviert werden. Nach dem Befehl "Zeige mir alle James-Bond-Filme" erscheinen tatsächlich alle 007-Filme, die man bei iTunes leihen und kaufen oder als Netflix-Abonnent anschauen kann. Man kann dann die Suchergebnisse eingrenzen, etwa mit den Worten "Nur die mit Sean Connery". Die Suche klappt erstaunlich gut, da Siri auf alle Metadaten wie die beteiligten Schauspieler, Regisseure, Genre, Entstehungszeit oder Bewertungen der Kritiker zugreifen kann.

Neue Fernbedienung, neues Betriebssystem: In der vierten Generation des Apple TV steckt auch ein eigener App Store.
Mit einem Mix aus Deutsch und Englisch hat Siri allerdings noch ihre Probleme. So wird die Suche nach der populären US-Sitcom "Friends" als "Franz" interpretiert, so dass man über eine virtuelle Tastatur den richtigen Suchbegriff eingeben muss. Bei der aktuellen Netflix-Serie "Narcos" verstand Siri immer nur "Markus". Das klappt beim Konkurrenz-Gerät Fire TV von Amazon besser. Beim Navigieren innerhalb eines Films hat dagegen Apple die Nase vorn. Genial ist beispielsweise die Option, einen Film mit der Frage "Was er gesagt?" um einige Sekunden zurückspulen zu lassen. Danach wird die fragliche Szene mit Untertiteln wiederholt.

Neben iTunes und Netflix kann man in Deutschland auch auf Mediatheken von ZDF und Arte sowie Dienste wie YouTube, Vimeo oder Periscope zugreifen. Andere deutschsprachige Sender und Dienste wie Watchever werden bald folgen. Englischsprachige News-Interessierte können Bloomberg.tv und den US-Nachrichtensender ABCnews anschauen. Wer in seinem Heimnetzwerk einen Plex Media Server betreibt, kann mit der entsprechenden App sein eigenes Streamingprogramm auf den Bildschirm bringen. Auch der Apple-Konkurrent Amazon wäre in der Lage, sein Prime-Video-Programm auf dem Apple TV anzubieten - Apple hätte zumindest nichts dagegen.

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