Sonntag, 24. März 2019

Photokina Spiegellos gegen Smartphones

Messe-Neuheiten: Die neuen Systemkameras
Olympus

Kleiner als Spiegelreflexkameras, professioneller als die Kompaktklasse: Digitale Systemkameras mit wechselbaren Objektiven sind gefragt. Zur Photokina  haben die Hersteller aufgerüstet. Die jüngsten Geräte sind nicht nur kleiner und schneller: Dank W-Lan arbeiten sie nun auch mit Smartphones Hand in Hand.

41 Megapixel. Mit dieser Rekordauflösung hat ein Modell namens PureView808 vor einigen Monaten den Kamera-Markt aufgewühlt. Allein: Das PureView ist kein Fotoapparat, sondern ein Handy. Wie kein anderes Mobiltelefon steht das Nokia-Gerät dafür, dass Smartphones viele Digitalkameras längst überflüssig gemacht haben. Wozu noch ein extra Gerät, wenn schon das Handy passable Bilder macht?

Die harsche Konkurrenz der Smartphones bekommen die Kamerahersteller gerade mit Nachdruck zu spüren. Wurden im vergangenen Jahr noch 7,47 Millionen digitale Kompaktkameras in Deutschland verkauft, erwartet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für dieses Jahr einen Rückgang auf 6,73 Millionen Geräte. Man könnte meinen, dass die Branche zum Start der Foto-Leitmesse Photokina in Köln deswegen in Katerstimmung wäre. Das Gegenteil ist der Fall. Denn obwohl insgesamt weniger Kameras verkauft werden, steigen die Umsätze.

Grund für das Umsatzwachstum ist einerseits die anhaltende Beliebtheit von Spiegelreflexkameras, die eben doch mehr können als das Smartphone. Größter Wachstumsträger sind aber die so genannten Systemkameras. Weil sie ohne Spiegel auskommen, sind ihre Gehäusegrößen mit den meisten Jackentaschen kompatibel.

Mit einer hervorragenden Bildqualität und wechselbaren Objektiven überzeugen sie dennoch professionelle Fotografen und Amateure gleichermaßen. Die ersten Geräte dieser Klasse haben 2008 Olympus Börsen-Chart zeigen und Panasonic Börsen-Chart zeigen vorgestellt. Jetzt, vier Jahre später, sind die Systemkameras noch kleiner und schneller. Günstige Einsteigermodelle sind schon ab 350 Euro zu haben.

Das Smartphone als Fernsteuerung

Panasonic richtet sich mit der auf der Photokina erstmals zu sehenden Lumix GH3 (etwa 2.200 Euro mit Objektiv) klar an Profis, die viele manuell zu drehende Rädchen und Knöpfe lieben. Schon das Vorgängermodell GH2 hatte viel Lob eingefahren. In dem Magnesium-Gehäuse des neuen Modells werkelt nun ein überarbeiteter Bildsensor. Verbessert wurden dank organischen Leuchtdioden (Oled) auch das klappbare Display und der elektronische Sucher, der eine Livevorschau des Motivs zeigt.

Ebenfalls neu ist das W-Lan-Modul. Damit lassen sich nicht nur Bilder kabellos auf den Computer übertragen. Das Funksystem zeigt auch, wie Smartphones eine Systemkamera ergänzen können - sie dienen als Fernsteuerung: Die Lumix-Applikation im Handy zeigt, was die meterweit entfernte Kamera gerade sieht. Über Wisch- und Tippbewegungen lässt sich ein Weißabgleich machen, der Zoom steuern und der Auslöser betätigen. Dank der Elektronik geschieht das vollkommen geräuschlos. Insbesondere für Naturfotografen ist das eine interessante Neuerung. Sie werden sich auch über den Spritzwasser- und Staubschutz freuen.

Die Schutzkappe als Objektiv

Mit der Outdoortauglichkeit zieht Panasonic mit Olympus Optical gleich. Dort ließ Haruo Ogawa, Chef der Kamerasparte, bei der Photokina-Pressekonferenz fröhlich Wasser über das Spitzenmodell OM-D laufen. Wer glaubte, Ogawa würde nun ein neues Profisystem aus der Taufe heben, wurde enttäuscht. Stattdessen zeigte man zwei Einsteiger-Systemkameras, die aber über den gleichen Bildsensor wie das Top-Modell verfügen. Im Set-Preis mit Objektiv, der 699 beziehungsweise 599 Euro beträgt, sind die neue PEN Lite und PEN Mini aber wesentlich günstiger.

Dem Sparkurs zum Opfer gefallen ist ein Sucher. Wie beim Smartphone ist man beim Fotografieren also ganz aufs Display angewiesen. An sonnigen Tagen wird man Probleme haben, hier Details zu erkennen. Schwierig wird dann auch die Bedienung. Denn statt über Einstellrädchen und echte Knöpfe sind die meisten Optionen nur per Touchscreen zugänglich. Der lässt sich für Selbstporträts bei der PEN Lite um 180 Grad hochklappen.

Wie auch Panasonic präsentiert Olympus auf der Photokina außerdem neue Objektive für die von beiden Herstellern verwendeten Micro-Four-Thirds-Sensoren. Ideal für Minimalisten ist die "Body Cap Lens", die mit einer Tiefe von neun Millimetern kaum dicker als ein Objektivdeckel ist. Der Hersteller verspricht, dass sich eine PEN-Kamera mit montiertem Flach-Objektiv problemlos in der Jackentasche transportieren lässt und damit auch für Schnappschüsse schnell zur Hand ist.

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