Dienstag, 23. Oktober 2018

Luxusbunker "Können Sie die Sonne sehen? Dann sind Sie verwundbar"

Luxusbunker: Dem Weltuntergang komfortabel trotzen
2012 Terravivos.com

Robert Vicino baut unterirdische Schutzräume. In die Luxusbunker soll man sich zurückziehen können, wenn Katastrophen nahen. Bisher ist das Unternehmen allerdings noch, nun ja: in den Startlöchern. Aber der Countdown zum Weltende nach Maya-Kalender läuft bereits.

Hamburg - Killerkometen, Atomkriege, Sonnenstürme, Biowaffen, Supervulkane und Megatsunamis. Was es sein wird, das uns alle angeblich umbringen wird (oder vielmehr diejenigen, die nicht vorgesorgt haben), weiß auch Robert Vicono nicht. Aber auf der Internetseite seiner kalifornischen Firma Terra Vivos werden alle diese Horrorszenarien detailliert geschildert - und ein Countdown zählt die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden bis zum 21. Dezember 2012 herunter.

Denn zu diesem Termin soll sich angeblich nach den Berechnungen des alten Maya-Volks eine globale Katastrophe ereignen. Im Gespräch wiegelt Firmenchef Robert Vicino allerdings ab: Das konkrete Datum will er lediglich als mahnende Metapher verstanden wissen. "Es hat auch nicht geregnet, als Noah die Arche baute" steht als Motto unter dem Countdown auf der Internetseite.

Vicino plant eine Reihe von luxuriös ausgestatteten Gemeinschaftsbunkern, die im Katastrophenfall nur zahlenden Eignern offen stehen sollen. Ein Jahr lang soll man darin globale Verwerfungen jeder Art rundumversorgt aussitzen können. Das Geschäft mit der Angst läuft gut an, es gibt ein reges Interesse an den großen unterirdischen Anlagen. Zum Teil baut Vivos bestehende ältere Anlagen um, wie etwa den Barstow-Bunker in der kalifornischen Mojave-Wüste, mit dem eine Telekommunikationsgesellschaft ihr Rechenzentrum schützen wollte. Andere Anlagen will er komplett neu errichten - bisher existieren sie nur als Computeranimation. Auch in Europa plant er einen Standort.

mm: Wie viele unterirdische Schutzräume haben Sie bisher gebaut?

Vicino: Wir bauen sechs in den USA, von denen einer komplett fertig ist, und einen in Zentraleuropa.

mm: Wo?

Vicino: Das werde ich Ihnen nicht sagen. Wir versuchen, die Orte geheim zu halten. Im Moment der Wahrheit wollen wir nicht Tausende von Leuten davon abhalten müssen, dort Einlass zu verlangen. Deshalb erfahren nur unsere Mitglieder, wo die Bunker sind.

mm: Wieviele Mitglieder haben Sie denn?

Vicino: Weltweit sind es etwa 25.000. Die Mitgliedschaft ist kostenlos, damit wir Sie informieren können, welche Bedrohungen es aktuell gibt und was sich bei Vivos tut. Um die 1000 sind Miteigner und haben Anteile an einem bestimmten Bunker gekauft. Wenn Sie Miteigner werden wollen, machen wir eine Telefonkonferenz mit Ihnen, um herauszufinden, wer Sie sind und ob Sie ein guter Kandidat für unser Programm sind.

mm: Was zeichnet einen guten Kandidaten aus?

Vicino: Sie sind eine angenehme Person und können etwas Nützliches zur Gemeinschaft beitragen.

mm: Ärzte haben vermutlich gute Chancen.

Vicino: Ungefähr 30 Prozent unserer Miteigner kommen aus dem medizinischen Sektor. Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern, Psychiater. Weitere 30 Prozent kommen aus dem Bereich Militär und Polizei. Und die restlichen 40 Prozent sind ein guter Querschnitt der Gesellschaft. Mechaniker, Schreiner, Köche, Entertainer, Künstler. Quer durch die Bank. Wir disqualifizieren niemanden. Das machen die Leute höchstens selbst. Wer sich etwa im Gespräch als Rassist oder als extrem intolerant herausstellt, den wollen wir nicht. Wir wollen die Netten. Wir haben ein Komitee, das darüber befindet.

mm: Haben Sie schon Leute abgelehnt?

Vicino: Ja. Ungefähr 40 Prozent der Bewerber.

mm: Das klingt viel.

Vicino: Ja. Und der andere limitierende Faktor ist natürlich, dass Sie sich den Anteil leisten können müssen. Wir haben immer wieder Leute, die umsonst reinkommen wollen, weil sie meinen, etwas Besonderes zu sein. Aber so funktioniert das nicht. Wir können es uns nicht leisten, die Plätze zu verschenken. Wer soll den Bau sonst bezahlen?

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