Von Maren Hoffmann
mm.de: In diesem Jahr wird es beim Frankfurt-Marathon im Oktober erstmals eine Sonderwertung geben: den Marathon Manager 2008. Gerade für Führungskräfte ist diese Disziplin offenbar zum Breitensport geworden. Kann wirklich jeder einen Marathon laufen? Ist das eine breitensporttaugliche Disziplin?
Steffny: Laufen ist ein Naturheilmittel, eine natürliche Droge und der gesündeste Weg der Stresskompensation. Aber es kommt auf die Dosis an; die muss man langsam erhöhen. Es gibt in der Tat einen Trend, den Marathon oder auch noch verrücktere Herausforderungen wie den Sahara-Lauf oder den verhängnisvollen Zugspitz-Lauf, bei dem ja zwei Teilnehmer ums Leben kamen, ein bisschen auf die leichte Schulter zu nehmen. Einmal im Leben einen Marathon geschafft zu haben, ist für viele beinahe wie einen Sohn zu zeugen, ein Haus zu bauen und einen Baum zu pflanzen. In Managementkreisen ist das unter Umständen schon fast ein Einstellungskriterium.
Keep on running: Der Biologe Herbert Steffny gewann etliche deutsche Meisterschaften, darunter auch im Marathon. Heute leitet er Laufseminare, schreibt Laufbücher und kommentiert Sportereignisse im Fernsehen. Als Personal Trainer arbeitete er unter anderem für den grünen Ex-Minister Joschka Fischer.
mm.de: Wie erkenne ich denn, ob ich zu denen gehöre, die es können?
Steffny: Das ist immer auch Versuch und Irrtum. Wenn ich jetzt eine Couch-Potato bin, lerne ich überhaupt erst einmal laufen. Nach ein, zwei Monaten kann ich vielleicht eine halbe Stunde am Stück laufen. Dann mache ich weiter, habe Spaß, werde orthopädisch stabiler und bekomme Appetit auf einen Volkslauf über zehn Kilometer - die erste Wettkampfteilnahme.
Das hat mir vielleicht auch Spaß gemacht. Nichts tut weh, ich bin gut rübergekommen. Dann geht ja vielleicht auch mal ein Halbmarathon? Der Flaschenhals sind notwendige Trainingsläufe über 25 Kilometer. Da wird neu überprüft, was die Knochen so aushalten. Dabei wird man auch merken, ob einem das liegt oder nicht. Aber wenn ich heute beschließe: Ich bin 120 Kilo schwer und will in einem Jahr New York laufen, dann halte ich das für ziemlichen Unfug.
Man kann sich im Marathon irgendwie durchwürgen, aber ich würde eher zu zwei bis drei Jahren Vorbereitung raten. Sehr viele Anpassungen im Körper, sei es die Durchblutung, sei es die orthopädische Stabilität, auch Anpassungen im Bereich des Fettstoffwechsels brauchen oft länger als ein Jahr - und selbst wenn man dasselbe Training noch ein, zwei Jahre kontinuierlich weitermacht, ist man sowieso noch viel, viel fitter.
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