Karlsruhe - Ein eigener Koch statt Kantinenessen, Teppiche statt Plastikboden, Holzmöbel statt Blechwagen: Seit Ende vergangenen Jahres können sich betuchte Patienten im Städtischen Klinikum Karlsruhe wie zu Hause fühlen.
Auf einer speziellen Privatstation steht ihnen eine Suite zur Verfügung, die eher an ein Wohnzimmer als an ein Krankenhaus erinnert. Und das ist erst der Anfang. Im kommenden Jahr soll aus der Suite mit drei Zimmern ein ganzes Haus werden - mit eigenen Räumen für die Angehörigen der Patienten.
"Es wird wie eine Art Hotel", sagt der Karlsruher Gesundheitsdezernent Ullrich Eidenmüller. Kassenpatienten werden dort wohl kaum nächtigen. Schon auf der bestehenden Luxusstation gibt es keine festen Preise. "Wir haben dort Patienten, mit denen wir die Preise frei aushandeln können", sagt Eidenmüller. Wer das ist, darüber bewahrt er Stillschweigen. Er räumt aber ein, dass die Station, die einen sechsstelligen Betrag gekostet hat, von einem Patienten selbst bezahlt wurde.
Auch die normalen Betten müssen Gewinn abwerfen
Die Kliniken müssten sich nach neuen Einnahmemöglichkeiten umsehen, sagt Dieter Daub, einer der beiden Geschäftsführer. Mit der Gesundheitsreform wurde am 1. November ein neues Abrechnungssystem eingeführt: "Wir erhalten jetzt nicht mehr für jeden Tag, den ein Patient bei uns liegt, Geld, sondern eine Pauschale für die Maßnahme, die bei ihm durchgeführt wird." Die Kliniken schickten Patienten daher schneller als bisher nach Hause. Dadurch werden auch die Bettenplätze frei, die jetzt zur Luxusklinik umgebaut werden sollen.
"Ganz klar: Die Privatklinik muss auch für die übrigen 1500 normalen Betten Gewinne abwerfen", sagt Eidenmüller. Zur geplanten Ausstattung gehörten "auf jeden Fall Notebook, Konferenzraum und Sekretariat". Der Wettbewerb um die Patienten fange bei den Hausärzten an, die entscheiden, in welche Klinik ein Patient kommt, und gehe bis zu den Krankenkassen, die wegen des neuen Abrechnungssystems nun verstärkt günstige Kliniken suchten.
Die Karlsruher Luxusklinik wird voraussichtlich erst im kommenden Jahr fertig gestellt. Ende März sollen die Pläne dem Aufsichtsrat vorgelegt werden. Am Städtischen Klinikum Nürnberg, mit 2500 Betten das größte kommunale Krankenhaus in Europa, gibt es bereits eine solche Privatstation. "Medizinplus" heißt die Klinik und auf ihrer Internetseite, die in Deutsch, Englisch und Russisch abrufbar ist, wird bis zur "Freizeit- und Eventberatung von Angehörigen" alles geboten, was zu einem Hotel gehört.
Die Nürnberger Klinikleitung wehrt sich gegen den Verdacht, nur für Scheichs und russische Millionäre da zu sein. "80 Prozent unserer Kundschaft sind Beamte, zum Beispiel Lehrer, bei denen die private Krankenversicherung die Kosten übernimmt. 110 Euro Zuzahlung pro Tag fallen dann noch an", sagt Peter Petrich, Pressesprecher des Klinikums. Nach seiner Einschätzung werden Krankenhäuser in Zukunft bis zu einem Drittel über solche Zusatzeinnahmen finanziert.
Markus Vollstedt, DPA
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