Mittwoch, 1. Juni 2016

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Lagrein-Wein aus Südtirol Der große rote Unbekannte

Wein aus Südtirol: So fein ist Lagrein
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Bernhard Huber für Manager Magazin

Lagrein: Noch ist der Südtiroler Rotwein ein Geheimtipp. Doch bald soll er in der Bordeaux-Liga mitspielen.

Allein schon der Name: Lagrein. Man weiß gar nicht so recht, wie man ihn aussprechen soll: La-grein, mit Betonung auf der zweiten Silbe. Und schon vor dem ersten Schluck ist klar, dass der Lagrein, in diesem Fall der Riserva der Benediktinerabtei Muri-Gries in Bozen, ein ganz und gar außergewöhnlicher Wein ist.

Wie Tinte fließt er aus der Flasche, tiefdunkel, violett, fast schwarz, undurchschaubar. Kaum im Glas, füllt sein Duft schon den ganzen Raum, reife Brombeeren sind in jedem Fall dabei, Schattenmorellen vielleicht, auch Bitterschokolade und Lakritze.

Winzer Peter Egger-Ramer redet gern vom "schwarzen Bozener Gold". Christian Werth (54), Chef des Weinguts Muri-Gries, spricht etwas kryptisch davon, dass man sowohl die Früchte als auch den Wein "zähmen muss. Man muss mit Lagrein umzugehen wissen." Und Christine Mayr, Präsidentin der Südtiroler Sommelier-Vereinigung, sagt: "Der erste Schluck ist manchmal etwas befremdlich, aber am Ende ist die Flasche leer."

Früher als Bauernwein verschrien, heute ein Spitzengewächs

Noch vor 15 bis 20 Jahren als Bauernwein verschrien, beobachtet heute die gesamte internationale Weinszene mit großem Interesse, dass aus der Sorte im kleinen, eher für seine Weißweine bekannten Südtirol Jahr für Jahr immer mehr Spitzenweine gekeltert werden. Kenner schwärmen, die Weine entwickelten im Laufe mehrerer Stunden immer neue Aromafacetten und passten zu einem Winterabend mindestens genauso gut wie ein Bordeaux.

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Das Besondere: Die Traube stammt aus Südtirol und gedeiht am besten mitten in der 100.000-Einwohner-Stadt Bozen, im Talkessel des Stadtteils Gries mit seinen Schwemmböden (Sand, Kies und dem Vulkangestein Porphyr) und seinen vielen heißen Tagen.

Ein Wein, der schwierig zu machen ist, bei dem man wie kaum sonst sein Können unter Beweis stellen kann; ein Wein, den kaum jemand kennt und der trotzdem Jahr für Jahr ausverkauft ist - das reizt immer mehr Winzer. Selbst in Australien und den USA wird nun mit dem Anbau experimentiert.

Einer, der sich schon seit gut 30 Jahren jeden Tag mit Lagrein beschäftigt, ist Kloster-Kellermeister Christian Werth. Sein erklärtes Ziel: "Die Eigenständigkeit des Lagreins bewahren und ihn doch Jahr für Jahr in der Qualität noch steigern. Dafür muss man immer am Ball bleiben."

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