Mittwoch, 14. November 2018

Deutscher Starkoch in Israel Tom Franz kocht alles ganz koscher

Tom Franz: Koscher kochen auf Gourmet-Niveau
Fotografie Dan Peretz

Vermutlich ist Tom Franz im Moment der bekannteste Hobbykoch der Welt: Der gebürtige Rheinländer gewann eine israelische Kochshow. Als "Masterchef" fungiert er jetzt als kulinarischer Botschafter zwischen Israel und Deutschland.

Berlin - Tom Franz ist ein wenig erkältet an diesem Novembermorgen in Berlin. In Tel Aviv sei es um diese Jahreszeit jetzt nicht mehr "besonders heiß, nur noch 27 bis 28 Grad", erzählt er grinsend. Nachmittags wird er mit einer Rede das "culture lab" des 3. Deutschen Israelkongress eröffnen. Zwei Wochen später wird er wieder nach Berlin reisen, diesmal zum Jüdischen Gemeindetag.

Er wird Reden halten, an Podiumsdiskussionen teilnehmen und immer wieder seine Lebensgeschichte erzählen. "Ich war ein Darsteller in einer Reality-TV-Show und jetzt bin ich kulinarischer Botschafter", so fasst Tom Franz das, was ihm in vergangenen Jahr passiert ist, zusammen. Er selbst scheint über die Richtung, die sein Leben im letzten Jahr eingeschlagen hat, noch immer ein wenig erstaunt zu sein.

Der 40jährige kann in seiner Wahlheimat Tel Aviv nicht mehr das Haus verlassen, ohne auf der Straße erkannt zu werden. Seine Fernsehauftritte lassen sich nicht mehr zählen, Interviewanfragen und Einladungen kommen mittlerweile aus der ganzen Welt. Seinen ursprünglichen Beruf als Anwalt hat er im Januar aufgegeben. "Ich hätte überhaupt nicht mehr die Zeit dazu." Gemeinsam mit seiner Frau sei er rund um die Uhr beschäftigt, die Nachfragen zu beantworten.

Im Januar gewann Tom Franz die dritte Staffel der israelischen Kochshow "Masterchef". Ursprünglich stammt das Format aus Australien. Die Idee dahinter ist simpel: Ein Dutzend Hobbyköchinnen und Hobbyköche treten im Wettbewerb um die aromastärksten Gerichte gegeneinander an und stellen sich einer Jury. Wer Gemüse verkocht, Fleisch anbrennen lässt oder fade Süppchen auftischt, fliegt raus. Am Ende der Staffel wird ein Sieger gekürt, der außer dem Titel auch eine größere Geldsumme gewinnt. 200.000 Schekel waren es bei Tom Franz, umgerechnet etwa 40.000 Euro.

Der jüdische Konvertit begeistert Israels Fernsehpublikum

In Deutschland lief die Show auf Sat1 2010 unter dem Namen "Deutschlands Meisterkoch". Die Inszenierung war so uninspiriert wie der Titel, das Format wurde nach der ersten Staffel eingestellt. In Israel aber ist "Masterchef" ein echter Straßenfeger. Die Einschaltquoten des jüngsten Finales lagen bei 52,5 Prozent. Solche Zuschauerzahlen erreichen hierzulande noch nicht einmal Fußball-WM-Spiele.

Der Erfolg der Sendung erklärt sich in Israel auch aus der politischen Dimension der Sendung. Das Land hat keine homogene Nation. Jeder bringt seine eigene Geschichte, seine Traditionen, seine Religionen mit. "Es geht bei der Sendung längst nicht nur ums Kochen, da spielen auch viele Emotionen mit rein", sagt Tom Franz. Er, ein deutscher Konvertit, der seit Jahren koscher kocht, trat beim Finale gegen eine marokkanische Jüdin und eine arabische Muslima an.

"Das gemeinsame Essen und Feiern war schon immer ein wichtiger Teil der Kultur Israels. In den letzten Jahren ist außerdem das Interesse an Produkten und ihrer Zubereitung stark gewachsen." Der gebürtige Rheinländer lernte Israel im Alter von 15 Jahren während eines Schüleraustauschs kennen. Erst haben ihn die Menschen begeistert, dann das Land und schließlich das Judentum, berichtet er.

Mit Mitte Zwanzig, nach einer Banklehre und einem Jurastudium, zog der Katholik nach Israel und beschloss, hebräisch zu lernen und zum jüdischen Glauben überzutreten. Es dauerte einige Jahre, bis er sich mit dem komplizierten Regelwerk des Talmud auskannte und sein Bekenntnis zum Judentum durch ein Rabbinat anerkannt wurde.

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