Dienstag, 14. August 2018

Oettinger Davidoff-CEO über den Zigarren-Markt "Wir spüren keinen Gegenwind in der Gesellschaft"

Hans-Kristian Hoejsgaard. CEO Davidoff: "Wir erleben eine wachsende soziale Akzeptanz"
Oettinger Davidoff
Hans-Kristian Hoejsgaard. CEO Davidoff: "Wir erleben eine wachsende soziale Akzeptanz"

Hans-Kristian Hoejsgaard, CEO des Schweizer Zigarrenproduzenten Oettinger Davidoff AG, über aktuelle Entwicklungen der Branche.

mm: Ist Rauchen noch zeitgemäß, Herr Hoejsgaard?

Hoejsgaard: Rauchen von Zigaretten vielleicht nicht, aber der Genuss einer Zigarre ist etwas anderes. Wir spüren keinen Gegenwind in der Gesellschaft, wenn es um Zigarren geht. Im Gegenteil, wir erleben sogar eine wachsende soziale Akzeptanz.

mm: Worin bestehen denn die Unterschiede zwischen Zigarette und Zigarre?

Hoejsgaard: Zunächst einmal ist die Zigarre ein absolutes Naturprodukt. Und dann gibt es bei Zigarren nicht die Abhängigkeit wie bei den Rauchern von Zigaretten. Die meisten Zigarrenraucher konsumieren lediglich eine bis drei Zigarren in der Woche. Man braucht eigentlich immer einen Anlass und 45 Minuten bis eine Stunde Zeit, um eine Zigarre zu genießen. Hinzu kommt, dass Zigarren ihren Preis haben und wenn wir das Thema Jugendschutz ansprechen, ist es ja so, dass es kaum Teenager gibt, die sich teure Zigarren auch leisten können. Außerdem inhalieren Zigarrenraucher nicht.

mm: Wie hat sich der Absatz für Zigarren in den letzten Jahren entwickelt?

Hoejsgaard: Während der Zigarettenkonsum in Deutschland nach wie vor rückläufig ist, verzeichnen wir bei Zigarren einen stabilen Absatz. Global gesehen gilt das auch für Europa. Zuwächse im Zigarrengeschäft verzeichnen wir dagegen in Asien, dem Nahen Osten, in Russland und auch in den USA.

mm: Und wie behauptet sich das Unternehmen Oettinger Davidoff?

Hoejsgaard: Wir hatten ein gutes Jahr und haben 2014 rund 44 Millionen Zigarren allein aus unserer eigenen Produktion verkauft, was einem Zuwachs von 13 Prozent zum Vorjahr gleichkommt. Beim Umsatz - er lag bei 1,2 Milliarden Schweizer Franken - konnten wir ebenfalls etwas zulegen.

mm: Auch beim Gewinn?

Hoejsgaard: Wir haben in den letzten Jahren viel investiert, und diese Investitionen zahlen sich jetzt aus. Unser Unternehmen war aber immer profitabel, konkrete Zahlen geben wir jedoch nicht bekannt.

mm: Woraus resultieren die Zuwächse?

Hoejsgaard: Wir haben in den neuen Märkten zugelegt und wir können uns auch über eine deutliche Steigerung der Marktanteile in Europa freuen. Wir verfügen derzeit über 70 eigene Läden und 540 ausgewählte Depositäre in aller Welt und bauen das Vertriebsnetz weiter aus. Gerade haben wir in Genf unseren Davidoff Flagship Store wiedereröffnet. Bei der Gelegenheit haben wir auch die neue Zigarrenlinie "Davidoff Winston Churchill" in Europa lanciert.

mm: Wie versuchen Sie neue Zielgruppen anzusprechen?

Hoejsgaard: Als ich 2011 zum Unternehmen kam, haben wir umfassende Marktanalysen durchgeführt. Dabei haben wir festgestellt, dass der Branche insgesamt ein etwas verstaubtes Image anhaftet und vom Klischee eines Zigarrenrauchers von über 45 Jahren Alter geprägt wird. Wir haben deshalb gezielt die "Generation Millenium" ins Visier genommen, also die etwas jüngere Generation. Untersuchungen belegen, dass gerade diese Generation offen ist für die Themen Genuss und Luxus. Das zeigt sich deutlich bei den Themen Wein und gutes Essen in der gehobenen Gastronomie. Für unser Produkt müssen wir aber Hemmschwellen abbauen. Wir tun das zum Beispiel durch intensive Beratung in unseren Läden. Es geht darum, Vertrauen zum Kunden aufzubauen, nicht nur um den Verkauf. So werden Schulungen zum Thema Zigarrenrauchen angeboten und in Zürich haben wir sogar ein Davidoff-Schiff, wo Kunden viel mehr über den Zigarrengenuss lernen können als nur wie man eine Zigarre richtig anschneidet. Ganz wichtig ist zum Beispiel auch die Auswahl der passenden Zigarre - die Palette reicht ja von sehr mild bis kräftig.

mm: Aber Rauchen bleibt gesundheitsschädigend.

Hoejsgaard: Richtig bleibt, dass Rauchen ein Risiko darstellt, doch das ist bei Alkohol nicht anders. Es kommt immer auf das richtige Maß an.

Hans-Kristian Hoejsgaard
Der gebürtige Däne Hans-Kristian Hoejsgaard, geboren 1958, ist CEO der Oettinger Davidoff AG, eines seit 140 Jahren bestehenden Schweizer Tabakwarenkonzerns. Das Unternehmen befindet sich noch immer in Familienbesitz und hat rund 3800 Mitarbeiter. Hoejsgaard kommt selbst aus einer Familie, die sich seit Generationen mit dem Tabakgeschäft befasst. Nach seiner Ausbildung (Executive Education an der Harvard Business School, INSEAD und Wharton, Politologiestudium an der Uni Kopenhagen) brachte er es bereits in der Timex Group (USA) zum CEO. Bei Oettinger Davidoff ist er seit 2011.
mm: Rauchen Sie selbst Zigarren?

Hoejsgaard: Ja, ungefähr eine Zigarre pro Tag. Am liebsten genieße ich sie am Ende eines Tages zur Reflexion im Büro, beim Diskutieren mit Freunden und beim Feiern und beim Essen.

mm: Was ist für Sie ein Luxusprodukt?

Hoejsgaard: Zu diesem Stichwort fallen mir Authentizität, Geschichte, Qualität und Handwerk ein. Früher hat man damit zumeist ein physisches Produkt verbunden, heute kommen Aspekte von Zeit dazu und verbinden sich zu einem Erlebnis. Wir sagen dazu "time beautifully filled".

mm: Sie sind 2011 von New York nach Basel zum Stammsitz des Unternehmens gewechselt. Vermissen Sie New York?

Hoejsgaard: New York und die Schweiz sind natürlich nicht vergleichbar. Jeder Standort hat Vor- und Nachteile und ich habe mich gern für diese Herausforderung entschieden. Die Schweiz ist ein sehr schönes Land, es liegt zentral und alles funktioniert. Was will ich mehr? Ich fühle mich sehr wohl.

Versteuerte Verkaufswerte für Tabakwaren in Deutschland in Millionen Euro (drittes Quartal 2014)
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