Mittwoch, 27. Juli 2016

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Neuer Michelin-Führer "Die deutschen Köche werden einfach immer besser"

Zander-Gericht im Berliner Lorenz-Adlon-Esszimmer-Restaurant: Der Hauptstadt fehlt nach wie vor eine Drei-Sterne-Küche

Gute Nachrichten für Genießer - Deutschlands Köche haben im neuen Michelin-Restaurantführer erneut für einen Sterne-Rekord gesorgt. Die meisten prämierten Küchen stehen in Baden-Württemberg, die drei großen Metropolen warten weiter auf drei Sterne.

Karlsruhe/Berlin - Deutschlands Spitzengastronomie erklimmt neue Höhen: Der "Michelin"-Restaurantführer 2015 zeichnet bundesweit 282 Häuser mit einem Stern, zwei oder drei Sternen aus - so viele wie nie zuvor. Ein neues Drei-Sterne-Haus machten die Tester jedoch nicht aus. Die Metropolen Berlin, München und Hamburg bleiben damit weiter ohne Lokal in der Top-Liga. Mit elf Drei-Sterne-Restaurants behauptet Deutschland aber seinen zweiten Platz hinter Frankreich als europäisches Land mit den meisten Adressen in der Königsklasse.

"Die deutschen Köche werden einfach immer besser", sagte der Chefredakteur der Deutschland-Ausgabe des "Michelin"-Führers, Ralf Flinkenflügel, der Nachrichtenagentur dpa.

Drei Restaurants - zwei in Baden-Württemberg und eines in Bayern - rücken neu in die Zwei-Sterne-Kategorie auf; es handelt sich um "Brenners Park-Restaurant" in Baden-Baden (Koch: Paul Stradner), das "Ammolite - The Lighthouse Restaurant" im Europa-Park in Rust (Peter Hagen) sowie das "EssZimmer" in München (Bobby Bräuer). Insgesamt gibt es nun 38 Zwei-Sterne-Lokale, auch dies ist Rekord.

Harald Wohlfahrt - der Vater der deutschen Sterneköche

Bei den Ein-Sterne-Lokalen kommen 31 neue hinzu. Ihre Zahl erhöht sich damit auf 233. Die Ergebnisse der Tester spiegelten die dynamische und kreative Entwicklung der deutschen Küche wider, sagte Flinkenflügel. "So langsam erfährt sie die Beachtung, die sie verdient." Deutschland entwickele sich zu einem kulinarischen Hotspot.

Bemerkenswert ist dabei nach Worten des "Michelin"-Chefredakteurs der Einfluss von Meisterkoch Harald Wohlfahrt. Der Küchenchef der "Schwarzwaldstube" im Hotel Traube im badischen Baiersbronn verteidigte seinen dritten Stern, mit dem er nun schon zum 23. Mal und damit öfter als jeder andere deutsche Spitzenkoch ausgezeichnet wurde.

Außerdem kochen in sechs der neu mit einem Stern oder zwei Sternen gewürdigten Restaurants seine Schüler: darunter Paul Stradner, der in Baden-Baden den zweiten Stern erkochte, sowie Peter Hagen im Europa-Park (Rust), der sich nur ein Jahr nach dem ersten Stern nun mit einem zweiten schmücken darf. Fünf der elf deutschen Drei-Sterne-Häuser werden ebenfalls von Wohlfahrt-Schülern geleitet, wie Flinkenflügel erklärte.

Viele preiswerte Restaurants neu ausgezeichnet

In der Rangliste der Bundesländer steht, wie auch im vergangenen Jahr, Baden-Württemberg mit weitem Abstand an der Spitze. Genau 77 Restaurants sind dort sterne-gekrönt. Bayern landet auf dem zweiten Platz mit 47, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 44 Sterne-Lokalen.

Die neuen Bundesländer blieben kulinarisch gesehen ein "zartes Pflänzchen", sagte Flinkenflügel. Lediglich in Sachsen ("Elements", Dresden) und in Mecklenburg-Vorpommern ("Scheel's", Stralsund) wurde jeweils ein Ein-Sterne-Lokal neu gekürt. In Berlin kamen zwei dieser Häuser hinzu ("A.Choice" und "Frühsammers Restaurant").

In insgesamt 24 Restaurants verlosch ein Stern - meist, weil sie geschlossen wurden, mit geändertem Konzept weitermachten oder der Küchenchef umzog. Aus Qualitätsgründen wurde unter anderem dem Lokal "niXe" in Binz auf Rügen und dem Restaurant "Hohenhaus" im hessischen Herleshausen der Stern aberkannt.

In der Kategorie Bib Gourmand, die gut zubereitetes und preiswertes Essen würdigt, landeten 474 Restaurants. Im Vorjahr waren es 452

luk/dpa-afx

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