Mittwoch, 27. Juli 2016

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Zehn besondere Weine für die Festtage Naked Wines - die neuen Puristen

Weintipp: Zehn feine Naturweine zum Fest
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DPA

Naturweine, naked wines, Weine ohne Schwefelzusatz, Amphorenweine - was ist dran an der "neuen" alten Art der Weinbereitung? Ein Blick auf die wichtigsten Winzer - und zehn besondere Verkostungstipps für die Feiertage.

Die Weinszene ist im Natural-Wine-Fieber. Sommeliers und Weinfreaks scheinen von nichts anderem mehr zu sprechen. Aber ist denn nicht jeder Wein ein Naturwein - ein Naturprodukt? Der "normale" Weinkonsument stellt sich den Winzer vor, der über das Jahr seine Weinberge hegt und pflegt, um dann im Herbst zur Lesezeit die Früchte seiner Arbeit einzubringen und daraus Wein zu bereiten.

Eine nachvollziehbare Vorstellung. Dem ist aber schon lange nicht mehr so. Nach wie vor kosten die meisten Weine, die in Deutschland verkauft werden, weniger als 2,50 Euro pro Flasche. Da kann man eher von einem getunten Industrieprodukt sprechen als von einem natürlichen Wein. Die Weinindustrie weiß genau, was dem durchschnittlichen Weinkonsumenten mundet und je nach Zielgruppe sowie angepeilter Preisebene wird der Wein daraufhin produziert.

Natural Wine is not new; it is what wine always was, and yet, somehow today it has become a rarity. It is a tiny drop in a big ocean, but, oh my, what a drop."

Isabelle Legeron, Master of Wine

Da es um Masse geht, wird aus dem Weinberg, der in der Regel kein Berg, sondern eine flache, einfach mit Maschinen zu bearbeitende Lage ist, herausgeholt, was geht. Damit die Rebe wie eine Mastsau das bringt, was von ihr erwartet wird, werden alle zulässigen Hilfsmittel wie chemisch-synthetische Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und Insektizide eingesetzt. Das Lesegut ist von vornherein fragil.

Ina Finn
  • Copyright: Joern Pollex
    Joern Pollex
    Ina Finn ist gelernte Sommelière und Autorin des Buchs "Weinwissen". In Hamburg betreibt sie mit ihrer Firma Weinkonzepte die Villa Verde, eine Altbauvilla. Dort gibt sie Weinseminare und schult Sommeliers.
Da die Weine ohnehin auf den sofortigen Konsum ausgelegt sind, werden weitere Stellschrauben gedreht, um am Ende ein Produkt zu erhalten, das die gesetzlichen Vorschriften erfüllt. Eine zu dramatische Darstellung? Leider nein.

Die Qualität eines Weines kommt vom Berg, nicht aus dem Keller

So verwundert es nicht, dass eine Gegenbewegung auf den Plan rückt, die all das ablehnt und natürliche Weine auf die Flasche bringen möchte. Dabei ist das, was diese Winzer leben, gar nicht wirklich neu - es ist an sich die älteste Form der Weinbereitung. Eins ist grundlegend wichtig zu verstehen: Die Qualität eines Weines wird nicht im Keller erzeugt, sondern im Weinberg. Je älter die Reben, desto konzentrierter die Frucht, die gelesen wird.

Da Reben locker 50, 60 Jahre und älter werden, hat man es im Grunde mit einer Monokultur zu tun. Das kann ein Ökosystem schon etwas belasten. Somit muss ein Ausgleich geschaffen werden, um Flora und Fauna in Einklang zu bringen. Nicht umsonst dauert es wenigstens sechs Jahre, bis ein Weinberg von konventionell auf ökologisch oder sogar auf biodynamische Bewirtschaftung umgestellt ist.

Durch ein intaktes Ökosystem hilft sich die Rebe selbst und wird nicht durch Schädlinge, Rebkrankheiten oder andere Mangelerscheinungen umgepustet oder muss mit zahlreichen chemisch-synthetischen Mitteln verarztet werden. Die von Hand gelesenen Trauben eines "Naturwinzers" sind gesund, selektiert und ausgewogen in Bezug auf Zucker, Säure und ph-Wert.

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