Donnerstag, 20. September 2018

Warum Milch jetzt direktvermarktet wird Der neue Clou mit der Kuh

Ruinöse Preise machen den Milchbauern das Leben schwer. Statt ihre Ware zu Dumping-Tarifen an Großmolkereien zu verkaufen, wählen viele den Weg der Direktvermarktung. Vom Milch-Abo bis zur Tankstelle - vier kreative Ideen von der Milchstraße.

Auf Du und Du mit dem Rind: Alm-Milchbauer Johann Reichhold in Oberbayern
Vivi d'Angelo für Der Feinschmecker
Auf Du und Du mit dem Rind: Alm-Milchbauer Johann Reichhold in Oberbayern

Die Milch macht's? Mag sein. Soll heißen: Sie erfrischt und stärkt uns, versorgt uns mit Vitaminen und Kalzium, schützt offenbar vor Diabetes, Bluthochdruck und vielen Krebsarten. Das sagen gestandene Fachwissenschaftler, etwa vom Max-Rubner-Institut für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe.

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Aber: Wer die Milch macht, hat heute ein Problem. Milchbauern leiden seit vielen Jahren unter niedrigen Preisen. Kostet der Liter Vollmilch im Supermarkt 65 Cent, gehen davon nur etwa 25 Cent an den Bauern, der Rest fließt an den Handel und die Molkerei - für Verpackung, Betriebs- und Lagerkosten.

Fällt der Milchpreis noch weiter, können die Bauern ihren Hof nicht mehr am Leben halten. Die Statistik belegt das langsame, kontinuierliche Sterben der Betriebe: Laut dem Milch-Industrieverband MIV gab es im Jahr 2000 noch 135.000 deutsche Milchhöfe, 2016 waren es nur mehr 71.000.

Wer Billigmilch zu 65 Cent pro Liter kaufen will, muss auch die Massenhaltung der Kühe in Riesenbetrieben akzeptieren, wo auf Hochleistung gezüchtete Tiere eng beieinander stehen und selten Tageslicht sehen, geschweige die natürliche Weide. Zu fressen bekommen sie meistens angereichertes Kraftfutter aus Mais, Soja oder Getreide.

Eine Alternative bieten Bioerzeuger, aber auch sie leiden unter niedrigen Milchpreisen, die Markt und Handel diktieren. Um zu überleben, entwickeln immer mehr Milchbauern kreative Vermarktungsideen - sie verkaufen Rohmilch in einer Milch-Tankstelle, bieten "Jahreszeiten-Milch" an, geben ihre wertvolle Almenmilch an Käsehersteller oder liefern selber direkt an die Haustür.

Pfiffige Ideen, die wir hier vorstellen - und die eine traditionelle Agrarkultur retten könnten. "Hast du Milch, dann hast du gewonnen", findet etwa der Bauer Johann Reichhold, "aber sie müsste als Nahrungsmittel viel mehr wertgeschätzt werden."

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