Samstag, 20. Oktober 2018

Gut für Herz, Kreislauf und Leber Warum Kaffee auch Medizin sein kann

Espresso wird länger geröstet und kürzer gebrüht. Wer einen empfindlichen Magen hat, kann deshalb ausprobieren, ob er den Kurzen besser verträgt.
Christin Klose/dpa-tmn
Espresso wird länger geröstet und kürzer gebrüht. Wer einen empfindlichen Magen hat, kann deshalb ausprobieren, ob er den Kurzen besser verträgt.

Lange Zeit galt Kaffee als Gift: nervenschädlich, herzbelastend, magenreizend. Es ist nicht so, dass die Menschen das interessiert hätte. Ob morgens zum Aufwachen oder am Nachmittag zum Kuchen - Kaffee gehört seit jeher zum Alltag der meisten Deutschen. Zwei große Tassen gönnen sie sich im Schnitt pro Tag. In jüngster Zeit aber mehren sich die Zeichen, dass der Wachmacher womöglich gar nicht so schädlich ist. Im Gegenteil: Geradezu gesund soll er nun sein. Gibt es Kaffee bald auf Rezept?

Forscher aus Southampton und Edinburgh haben mehr als 200 Metaanalysen zusammengefasst, die wiederum ihrerseits auf einer Vielzahl von Studien beruhten. Darunter 17 Analysen von sogenannten Interventionsstudien, die aus wissenschaftlicher Sicht besonders relevant sind - eine beträchtliche Datengrundlage.

Was dabei herauskam, hat selbst Leute verblüfft, die schon lange vermuten, dass Kaffee eine positive Wirkung haben kann. Christian Sina zum Beispiel, der das Institut für Ernährungsmedizin an der Universität zu Lübeck leitet. "Im Ergebnis wurde gezeigt, dass das relative Sterberisiko bei Personen, die drei bis vier Tassen Kaffee am Tag trinken, signifikant geringer war als bei Nicht-Kaffeetrinkern", sagt der Professor. Sie erkrankten auch seltener an Herz-Kreislauf-Leiden, an Lebererkrankungen oder bestimmten Krebsarten. Die Effekte waren deutlich: Unter den Kaffeetrinkern gab es 18 Prozent weniger Krebsfälle.

Aus solchen Studien lassen sich allerdings nur schwer pauschale Empfehlungen ableiten. Zumindest theoretisch könnte es durchaus sein, dass die Kaffeetrinker auch aus anderen Gründen länger lebten oder seltener an Krebs erkrankten. Was man aber sagen kann: Kaffee hat nach derzeitigem Wissensstand wohl mehr positive als negative Effekte. Wer ihn gern trinkt, kann das offenbar ohne schlechtes Gewissen tun. "Drei bis vier Tassen täglich dürften den meisten Menschen nicht schaden", fasst Sina zusammen.

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Für manche Krankheiten benutzen er und sein Team das Getränk sogar als eine Art Medikament. Patienten mit Lebererkrankungen sind in Lübeck angehalten, täglich sechs Tassen Kaffee zu trinken. Tatsächlich Kaffee auf Rezept sozusagen. Der Grund: Bestimmte Inhaltsstoffe - zum Beispiel Chlorogensäure - wirken offenbar entzündungshemmend. Patienten mit nicht-alkoholischer Fettleber zum Beispiel profitieren davon. Bei ihnen ist die Leber nämlich chronisch entzündet.

Nicht jeder verträgt allerdings den schwarzen Wachmacher. Manche Menschen reagieren mit Magenbeschwerden, sagt Birgit Warnecke, Expertin für Kaffee und Gesundheit beim Deutschen Kaffeeverband. Oft liege das am Koffein. Es fördert die Verdauung und führt bei manchen Menschen auch zu Magengrummeln. "Hier bietet es sich an, auf entkoffeinierten Kaffee auszuweichen."

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