Sonntag, 23. April 2017

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Großer Schaumwein-Test Champagner für alle!

Zum Jahresende knallen die Korken. manager magazin online hat die besten Schaumweine für die Feiertage gefunden: Champagner, Crémants, Winzersekte, Cavas und prickelnde Weine aus Franciacorta und Trentodoc, die ihren Preis wert sind.

Hamburg - Schaumweine sind beliebt. Die Bläschen sind lebhaft und erfrischend - besonders zu den Festtagen und vor allem Sylvester. Es ist die Kohlensäure, die das Prizzeln macht. Die aufsteigenden Bläschen transportieren Geruchs- und Geschmacksaromen, erfrischen den Gaumen, sind angenehm in der Nase und beflügeln Gedanken und Worte.

Schaumweine können staubtrocken sein und leicht, mit prickelnder Säure, stahlig-herb mit markantem Körper, auch luftig, hellgelb, von feiner Süße mit cremig-sanften, kleinen Bläschen oder mit einer schon zum dunkelgelb tendierenden Farbe und einer leichten Altersnote, die als sogenannter Firn durchaus ihre Liebhaber hat.

In den Nachbarländern werden flaschenvergorene, hochwertige Schaumweine und Champagner viel häufiger getrunken. In Italien bietet eine gute Bar neben allen Arten von Kaffee und appetitlichen Häppchen zur Apéro-Stunde auch ein umfangreiches Angebot an Schaumweinen: Champagner von kleinen, ausgesuchten Produzenten und einheimischen Spumante aus dem Piemont und der Franciacorta. Stets auch glasweise ab fünf Euro.

Ein guter Schaumwein präsentiert sich im Glas leuchtend und funkelnd, weil durchsetzt von vielen feinen, zarten Bläschen. In der Nase vermittelt er viel Frische und lebendige Aromen nach Zitrusfrüchten, Apfel, Aprikosen, weißen Blüten und, je nach Typ und Alter, Anklänge an rote Beeren, Blutorangen, Trockenfrüchte, Röstaromen, Brioche, Honig und exotische Früchte. Eine straffe Mineralität kann er haben, im Gaumen soll er elegant zwischen Säure und Süße balancieren, cremig, finessenreich und unaufdringlich sein, ein klares, intensives Mundgefühl vermitteln, Tiefe und Länge haben und insgesamt Lust auf ein nächstes Glas machen.

Die Deutschen trinken gerne Schaumwein

Die Zahl der jährlich in der Bundesrepublik verkauften Schaumweine ist imposant. 34 Herkunftsländer verzeichnet die Schaumwein-Einfuhrstatistik. Rund 430 Millionen Flaschen wurden 2013 in der Bundesrepublik getrunken. Die Deutschen neigen dabei zu den günstigen Produkten. Im Ranking der meistgekauften Getränke in der Bevölkerung im Jahr 2014 rangieren Sekt und Prosecco mit 23,7 Prozent vor Weiß- und Roséwein und sehr deutlich vor Champagner, der mit 2,5 Prozent das Schlusslicht in der Statistik bildet.

Dafür führen die Deutschen die Rangliste im Billigtrinken an: Der durchschnittliche Wert pro Flasche ausländischem Schaumwein liegt mit 2,31 Euro beziehungsweise 1,36 Euro für einfache Qualitäten (jeweils ohne Handelsspannen, Sektsteuer von 1,02 Euro und Mehrwertsteuer) bei den nicht steuerpflichtigen Perlweinen wie Prosecco Frizzante bei knapp 1,15 Euro pro Flasche - bei Champagner sind es 14,83 Euro. Der durchschnittliche Wert von exportiertem Deutschen Schaumwein liegt seit Jahren pro Flasche bei 2.58 Euro - die Vermutung liegt nahe, dass die Inlandswerte nicht darüber liegen.

Trotz dieser Discount-Preise süffeln die Deutschen immer weniger Schäumendes: Waren es in den Jahren vor dem Millenium noch deutlich mehr als sieben Liter, so sind es derzeit nur noch 4 Liter Schaumwein und schäumende Weine pro Kopf und Jahr. Davon stammen 78 Prozent aus Deutschland, der Rest aus Frankreich, Italien und Spanien.

Welche Schaumweine aus diesem riesigen Angebot bieten Genuss, sind ihren Preis wert und versprechen nicht nur etwas prizzelnde Verruchtheit bei Bürofeten? Unsere Probe auf Qualität beschränkt sich auf flaschenvergorene Schaumweine. Das sind: In der Kategorie Champagner: Rosé, Champagner mit Jahrgang, Champagner; Crémants, Franciacorta, Altalanga, Trentodoc, flaschenvergorene Proseccho, Winzersekt/Sekt, Cava, andere Spumante. Nicht probiert wurden Sekte der einfachen Art, Prosecco frizzante und Perlwein. Die Champagner wurden unterteilt in Champagner rosé und mit und ohne Jahrgang.

Schaumwein
Schaumwein ist der Oberbegriff für alle Weine, die gelöstes Kohlenmdioxyd, CO2, enthalten, in der Umgangssprache Kohlensäure. Schaumwein heißt auf französisch Vin mousseux, was die Sache besser trifft (mousse = Moos), denn es geht nicht um groben Schaum, sondern um feine, dichte Bläschen oder Perlen. Je kleiner und langanhaltender, umso besser. Vini Spumante oder Bollicine werden diese Weine in Italien genannt, Vino espumoso in Spanien, englisch Sparkling Wines. Der bekannteste Schaumwein ist der Champagner aus Frankreich. Nur dieser Schaumwein aus dem exakt definierten Gebiet um die Städte Reims und Epernay darf sich Champagner nennen. Weil nur Trauben aus einer oder aller drei Sorten aus diesem Gebiet verwendet werden dürfen, die zweite Gärung auf der Flasche erfolgen muss und die Reife- und Lagerzeit auf der Flasche verbindlich festgelegt ist, hat er seinen Preis. Auch Cava aus Spanien, Spumante classico aus der Franciacorta, Altalanga aus dem Piemont und Trentodoc dem Trentino, Winzersekte in Deutschland, die Cap Classique in Südafrika ebenso wie Crémant (de Loire, de Bourgogne, de Limoux, d'Alsace) entstehen durch Flaschengärung, was immer durch entsprechenden Zusatz deutlich gemacht wird: Flaschengärung, Méthode classique, metodo classico, fermented in this bottle. Obwohl - zumindest in der EU - seit 1995 verboten, verwenden Schaumweinproduzenten in andern Ländern gerne die Bezeichnung Méthode champenoise, weil sie sich davon etwas verkaufsfördernden Glanz erhoffen. Normaler (Marken)-Sekt, Vins mousseux, Prosecco, Lambrusco oder schlichter Spumante entstehen im einfacheren Verfahren der Tankgärung. Von der Schaumweinsteuer befreit sind alle schäumenden Weine unter 3 bar Überdruck, die nur in einfacher Gärung enstehen oder durch eingepresste Kohlensäure.

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