Montag, 25. Juli 2016

Barklassiker Gin ist in

Gin-Vielfalt: Beefeater, Bombay, Broker's, Botanist
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Black Forest Distillers

Gin ist ein Trendgetränk - und der Barklassiker Gin and Tonic geht immer noch. Aber was genau soll ins Glas? mmo-Autor Christian Wenger hat sich durch 50 Gins und sieben Tonics probiert.

Hamburg - Welcher Gin wem und wann schmeckt, ist ähnlich wie beim Wein: Beginner fangen mit fruchtigen Weißwein an, bekommen irgendwann Geschmack an den trockenen; machen dann ihre Erfahrungen mit unkomplizierten Roten und bleiben entweder bei den eingängigen Blockbustern hängen oder finden zu Subtilerem wie Bordeaux, Rhône oder zum Barolo.

Beim Gin ist es ganz ähnlich. Gelegentliche Gintrinker und junge Leute unter 25 bevorzugen Wodka oder Gins mit Frucht- und Kräuteraromen, sogenannten Botanicals, die einfach oder komplex sein können. Dagegen tendieren erfahrene Gintrinker und -liebhaber zu trockenen Gins mit mehr oder weniger markantem Wacholdergeschmack.

Die Aromatik eines Gins ist richtungweisend für das ideale Tonic. Verfügt der Gin bereits über ein sehr intensives oder komplexes Aromenspektrum, kann das Tonic eher zurückhaltend sein - oder, wenn es denn besonders aromatisch sein soll, weiteres Aroma mitbringen.

Bei der Herstellung von Gin werden bis 120 Ausgangsstoffe (Botanicals) verwendet. Die wichtigsten und am meisten verwendeten sind Wacholderbeeren und Koriandersamen, gefolgt von Ingwer, Angelika-Wurzel, Zitronenschalen, Anis und Lakritze.

Seine Herkunft verdankt der Gin Benediktinermönchen in Salerno, die 1055 beschrieben, wie sie Wein mit Wacholderbeeren versetzten. 1575 soll ein Professor an der Universität in Leiden Wacholderöl mit Alkohol versetzt haben. Holländische Apotheker brachten das Wacholderdestillat (Genièvre, franz. = Wacholder) gegen Fiebererkrankungen unter die Leute.

Das Heilmittel überzeugte auch als Getränk

Weil dieses Heilmittel auch als Getränk interessant schmeckte, dürfte sich auch Lucas Bols damit beschäftigt haben, nachdem er 1575 eine Brennerei in Amsterdam gegründet hatte. Schnell verbreitete sich der Genever im nördlichen Europa. Vor allem in England fand das Destillat als Schnaps begeisterte Abnehmer, die Genever zu Gin anglisierten. Sowohl der klassische wacholderbetonte Gin wie auch die modernen, aromenvielfältigen Gins harmonieren mit unzähligen andern Spirituosen und Mixzutaten.

Mittlerweile ist Gin eine der erfolgreichsten Spirituosen weltweit und erlebt seit etwa zehn Jahren eine geradezu stürmische Renaissance, nachdem ihm der Wodka spätestens 1982, als James Bond im Film Dr. No mit Wodka-Martini (gerührt, nicht geschüttelt) den Rang abgelaufen hatte. Noch beträgt die Anzahl der in Deutschland abgesetzten Flaschen erst knapp 8 Prozent des Wodkakonsums: Wodka 65 Millionen Flaschen, Gin 5 Millionen. Jörg Meyer, Barchef im Le Lion in Hamburg, sagt: "Wodka ist für den Wirkungstrinker, Gin für den Bildungstrinker. Wenn man schon Rauschmittel konsumiert, sollte man es stilvoll tun".

Längst wird Gin nicht nur in England, sondern in vielen Ländern hergestellt. Selbst klassische Whisky-Produzenten haben neue Gins entwickelt, in Spanien (wo Gin and Tonic sehr beliebt ist), in der Schweiz, in München und Hamburg und sogar im Schwarzwald wird destilliert.

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