Samstag, 21. April 2018

Spitzenküche im Kaufhaus Wo man beim Shoppen am besten tafelt

Kaufhaus-Küche: Wo man beim Shoppen am feinsten speist
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Sören Gammelmark für Der Feinschmecker

Erst in die Kurzwarenabteilung, dann ins Spitzenlokal - immer mehr Kaufhäuser zeigen Ehrgeiz bei der Gastronomie, um Kunden anzulocken.

Zuerst Hosen anprobieren, dann Knöpfe kaufen, bei den Kochtöpfen stöbern - und wenn der Magen knurrt, geht's mit der Rolltreppe ins Restaurant. Dass man im klassischen Warenhaus auch eine Mahlzeit bekommt, ist nicht neu. Allerdings heißt es jetzt nicht mehr: Tablett schnappen, Selbstbedienung und ab zur Kasse.

Immer mehr Kaufhäuser zeigen kulinarisch Ehrgeiz, richten unter ihrem Dach Spitzenrestaurants ein, in denen echte Könner kreativ kochen. Schließlich muss man sich als Warenhausbetreiber heute etwas einfallen lassen, denn zum bloßen Einkaufen müsste eigentlich niemand mehr vor die Tür gehen. Alles, was ein Kaufhaus bietet - ob Küchenutensilien, Geschenkpapier oder Kleidung -, ist bequem im Internet erhältlich. Was das Netz aber nicht bietet, sind Erlebnisse und Atmosphäre.

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Um weiter zu bestehen und erfolgreich zu sein, müssen Kaufhäuser also auch sinnliche und soziale Bedürfnisse stillen. "Retailtainment" heißt das Phänomen im Marketing-Jargon. Will sagen: Handel und Unterhaltung werden bewusst vermischt. Vor allem die jüngere Generation empfinde den Einkauf von Alltagsprodukten als Pflichtprogramm, das am liebsten online erledigt werde, heißt es auch in der "Zukunftsstudie Handel 2036" des Teleshopping- Unternehmens QVC, "Shopping hingegen berührt die Seele". Man gehe nicht einkaufen, weil man etwas Bestimmtes brauche, sondern, um Gleichgesinnte zu treffen. Und das geht auch beim gemeinsamen Essen im Restaurant.

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So bietet das vor allem bei Designfans angesagte Kaufhaus "Illum" in Kopenhagen eine ganze Schlemmerwelt auf, um Kunden in die fünfte Etage zu locken: Pizzeria, Steak- und Fischrestaurant, Paleo-Café, Cocktail- und Champagnerbar sowie den Italiener "Maio", der Linguine mit Hummer oder Steinbutt mit fregola-Pasta und Seespargel auftischt. Viele Besucher fühlen sich auf den Lederbänken und Samtsesseln so wohl, dass sie gar nicht mehr zum Einkaufen, sondern nur noch zum Genießen kommen, der Ort ist ein echter Hotspot geworden.

Auch das Kaufhaus "Jelmoli" in Zürich wartet mit einem gehobenen Angebot von Sushi bis Afternoon Tea auf, und in der "Tagesbar" im Kaufhaus "Juhasz" in Bad Reichenhall gefällt den Gästen nicht nur der moderne Mix aus Caesar Salad, Burger und Sandwiches, sondern auch der imposante Alpenblick. Zudem trägt das Ambiente mit Werkbänken, Eisenhockern und Panton-Stühlen dem jungen, coolen Zeitgeist Rechnung.

Auch hier wird klar: Essen ist längst zum Lifestyle geworden, ist ein gesellschaftliches Distinktionsmerkmal. Essen, meint die Trendforscherin Hanni Rützler, ist der neue Pop. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Mahlzeit hochwertig und das Design chic ist, viele Kaufhäuser gehen noch weiter und schmücken sich mit prominenten Köchen.

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