Mittwoch, 28. September 2016

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Das Comeback des Abendbrots Stressfreie Gourmet-Freuden

Abendbrot: Einfach köstlich statt kompliziert kochen
Fotos
Mike Hofstätter

Stullen zum Abschluss des Tages? Das geht gar nicht, fand Nataly Bleuel immer. Doch der Trend zu Brot am Abend leuchtet nun auch ihr ein - die hippen Gastro-Schuppen in Berlin, München und Freiburg befördern den Trend

Das Gefühl kann ich sofort wieder hochholen, es sitzt tief. Den ganzen Tag habe ich mich auf diesen Augenblick am Abend gefreut. Zum Frühstück bekam ich noch nie was runter, Mittagessen war in meiner Familie verpönt, Kaffee und Kuchen was für Omas - wir haben auf diese Mahlzeit hingelebt: Stundenlang kochte mein Vater, meine Mutter kam von der Arbeit heim, endlich würden wir gemeinsam essen, üppig, warm, feierlich. Täglich Schlemmerei, täglich Abendmahl - als wär's das letzte.

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Heft 9/2016

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Aber niemals nur Brot! Mit Aufschnitt! Schon das Wort: Auf-Schnitt. Und: Graubrot. Lieblose Begriffe für labbrige Wurstscheiben mit komischen Paprikastückchen drin und dazu Gummibrot, passgenau vorgeschnitten. Mit Teewurst. Fahlen Tomatenvierteln. Und Käsescheiben, die für nichts gut waren, außer um mit dem Finger in Löcher zu pieken.

Es wurde ein Tag ohne Krönung

Und dann kam manchmal dieses Gefühl, wenn ich zu Freunden musste, in die Fremde: Den ganzen Tag hast du dich gefreut, du reißt die Tür auf, stürmst zum Tisch - und es gibt … Abendbrot. Ich musste das ein paar Mal erleben. Es wurde ein Tag ohne Krönung, spießig und karg.

Dieses Gefühl seh ich noch heute in den Augen südländischer Freunde. Wenn sie in unsere protestantischen Gefilde kommen - ich selbst migrierte von Süd- nach Norddeutschland - und man ihnen die verkehrte Welt zu erklären versucht: "Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein Fürst, Abendessen wie ein Bettelmann." Tock, tock, tock - die spinnen wohl, die Germanen?

Und dann hatte ich zwei Aha-Erlebnisse. Man kann es auch intellektueller formulieren, es ist der Sache angemessen: Es waren Evidenz-Momente. Vor ein paar Jahren, meine Kinder waren noch klein, sagte im Interview eine junge Frau und Mutter, es war Anke Domscheit-Berg, die Politaktivistin, und die war in der DDR aufgewachsen: Wenn die Eltern unter der Woche von der Arbeit heimkamen, habe man nicht mehr groß gekocht, da gab es Abendbrot.

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