Freitag, 15. Dezember 2017

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Edle Weine im Test Die zehn besten Chianti Classico

Bis zum Sommerurlaub dauert es noch ein wenig, deswegen hat "Der Feinschmecker" Italien zu uns geholt: 41 Flaschen Chianti Classico von 2012 standen zur Verkostung - hier sind die Sieger.

Michael Bernhardi

Für deutsche Weintrinker tönt ein Wort noch immer wie Musik: Chianti. Nichts fasst die Sehnsucht nach Italien besser zusammen, es weckt Erinnerungen an warme Urlaubsnächte mit einem Glas Rotwein - oft allerdings romantisch verklärt. Denn was Weintrinker in diesem Fall von Weinkennern unterscheidet, ist, dass jene nachfragen: Chianti oder Chianti Classico? Das ist nicht so spitzfindig, wie es klingen mag, es handelt sich nämlich um zwei ganz verschiedene Weine.

Um das zu verstehen, muss man in die Geschichte des Landes blicken. Das Chianti Classico, das nur einen kleinen Teil der gesamten Anbauregion Chianti ausmacht, ist so etwas wie das Herzstück der Toskana. Seine Grenzen gehen zurück auf eine Verordnung aus dem Jahr 1716, wir feiern also gerade das 300. Jubiläum. Mit der Zeit erarbeiteten sich die Winzer dort einen guten Ruf, von dem die Nachbarn aus den angrenzenden Gebieten profitieren wollten. Sie verkauften ihre abweichenden Erzeugnisse als "Wein nach Chianti-Art" und bedrohten damit das Renommee des Originals. 1932 wurde darum der Zusatz "Classico" für die Weine aus dem historischen Kern - gebiet eingeführt.

Die Regeln für Chianti Classico sind strenger, so ist etwa der Höchstertrag geringer als im übrigen Chianti-Gebiet. Sowohl die Chianti-Großregion als auch das Chianti Classico haben DOCG-Status, stehen also auf der höchsten Stufe des italienischen Qualitätssystems. Aber nur Chianti Classico darf den schwarzen Hahn, den gallo nero, auf dem Etikett tragen, das Markenzeichen der Region. Wer sich nach konstanter Qualität umschauen möchte, sollte also darauf achten.

Der Feinschmecker
Heft 12/2017

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Mit unseren Empfehlungen liegen Sie ohnehin richtig. "Der Feinschmecker" hat mit einer Jury aus Experten ausschließlich Chianti-Classico-Weine verkostet. Insgesamt 41 Flaschen hatten es nach Vorproben in die Endrunde geschafft, alle stammten aus dem Jahrgang 2012 - es gibt auf dem deutschen Markt zwar noch Bestände von 2011, doch ist der 2012er gängiger.

Probiert haben wir die beiden höchsten Qualitätsstufen Riserva und Gran Selezione. Bis vor drei Jahren war Riserva offiziell noch das höchste Prädikat; 2013 führte das Konsortium eine neue Klassifikation ein, an deren Spitze nun die Gran Selezione steht, während die Riserva nominell nur noch Platz zwei bezeichnet. In der Praxis führt das aber nur zu einer zusätzlichen Verwirrung in der nicht gerade einfachen Geschichte des Chianti.

Bedeutung hat diese neue Stufe nämlich kaum erlangt, sind doch die Unterschiede zwischen "Riserva" und "Gran Selezione" marginal. Riserva-Weine müssen mindestens 24 Monate gereift sein, Gran Selezione 30 Monate - das war's dann schon im Wesentlichen; beide müssen zu 80 Prozent aus Sangiovese- Trauben gemacht sein, der traditionellen Hauptsorte des Chianti Classico. Viele alteingesessene Güter bieten darum auch weiterhin nur eine Riserva an und verzichten auf die Gran Selezione.

Unser Test gibt ihnen recht: Die Qualität der Riserva-Weine ist generell nicht geringer. Von den 13 Gran Selezione in der Endrunde schafften es nur zwei unter die Top 10 - eine davon muss sich Platz eins mit einer punktgleichen Riserva teilen. Platz acht ist gleich dreifach besetzt.

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