Samstag, 27. August 2016

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Streetfood, Craft Beer, Currywurst So schmeckt Berlin

Berliner Esskultur: Hier riskiert man eine dicke Schrippe
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DPA

Die Küche der Hauptstadt erfindet sich ständig neu. Nicht alle Erfindungen sind toll, aber brutal lokale Entdeckungen wecken Hoffnung.

Die Küche der Hauptstadt erfindet sich ständig neu. Inspiriert und vitalisiert von seinen internationalen Bewohnern, duftet es in Berlin schon lange nicht mehr ausschließlich nach Erbsensuppe. Mit großer Selbstverständlichkeit wird mit den Schätzen der ganzen Welt gekocht. Dabei sind Berlins Gastronomen, Köche und Produzenten derzeit kreativ wie nie zuvor, die großen kulinarischen Trends und Themen der vergangenen Jahre nahmen dort ihren Anfang und werden kontinuierlich weiterentwickelt.

Die Streetfood-Bewegung in Deutschland startete 2013 in der Markthalle Neun in Kreuzberg mit dem Streetfood Thursday. Bis heute strömen jeden Donnerstagabend 4000 Menschen in die Markthalle Neun, sie ist auch Heimat der Cheese-Berlin- Messe. Der Foodaktivist Hendrik Haase eröffnete im November 2015 ebendort mit Fleischermeister Jörg Förstera eine Metzgerei - dem gesamtdeutschen Metzgereisterben zum Trotz: Bei "Kumpel & Keule" macht man alles ein bisschen anders und besser als anderswo. Stolz ist man auch auf die Berlin Food Week, auf innovative und experimentelle Restaurantkonzepte, wie die von Sternekoch Tim Raue.

Das "Nobelhart & Schmutzig" von Sommelier Billy Wagner serviert hier mit seinem Team kompromisslos "brutal lokal", also saisonalregionale Hochküche, und beschäftigt sich mit Techniken der Fermentation und Konservierung wie Säuern und Salzen. Und natürlich ist Berlin auch die Hauptstadt der handgemachten Biere und des Craft-Beer-Booms. Nirgendwo in Deutschland gibt es auf derart engem Raum so viele Kleinstbrauereien, Brauhäuser und Bierbars; da werden sogar die Franken blass. Den Innovationsgeist pflegte man in Berlin schon früh.

Sehnsucht Deutschland
Heft 4/2016

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Bereits 1972 erfand der Türke Kadir Nurman das inoffizielle Traditionsessen der Berliner, das sich später auch in ganz Deutschland größter Beliebtheit erfreuen sollte: den Döner Kebab. Die Neuheit verkaufte der heute über 80-jährige Nurman damals für 1,50 DM in seinem Büdchen am Bahnhof Zoo. Dass er sich seinen kulinarischen Einfall damals nicht hat schützen lassen, sieht er mit leichtem Bedauern, freut sich aber darüber, dass seine Landsleute heute so gute Geschäfte machen können und Millionen von Menschen "seinen" Döner lieben. Früher dran war nur Herta Heuwer!

Stevan Paul
  • Copyright: René Supper
    René Supper
    Stevan Paul ist Foodblogger und Buchautor. Für "Sehnsucht Deutschland" portraitiert er die Küche aller Bundesländer - bis 2017 hat der Wahl-Hamburger noch neun vor sich. Sein Blog ist der Rolls-Royce unter den Foodblogs im Lande. nutriculinary.com
Die 1913 im ehemaligen Königsberg geborene Ostpreußin gilt als Erfinderin der Currywurst: Am 4. September 1949 will sie in ihrer Imbissbude an der Ecke Kant-/Kaiser-Friedrich-Straße in Berlin aus Langeweile sowie Tomatenmark, Wasser und exotischen Gewürzen erstmals jene scharfe Sauce zusammengerührt haben, die sie sich dann zehn Jahre später unter dem Namen Chillup (abgeleitet von Chili und Ketchup) beim Münchner Patentamt als Markennamen schützen ließ. Der Hamburger Schriftsteller Uwe Timm ("Die Entdeckung der Currywurst") will sogar schon vor 1949 Currywurst gegessen haben, im Hamburg seiner Jugend. Die Gelehrten streiten sich.

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