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07.12.2017  Spitzenköche testen neue Küchengeräte

Der Steakreaktor im Härtetest

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Was taugen der neue Airfryer XXL, die Kochmaschine von Aldi und der Steakreaktor? Spitzenkoch Cornelius Speinle vom Hamburger Nobelhotel "The Fontenay" hat die Geräte exklusiv für manager-magazin.de getestet.

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Feines aus dem Steakreaktor: Souschef John Ho, Chefkoch Cornelius Speinle und Küchendirektor Stefan Wilke (von links) vom Hamburger "The Fontenay" begutachten die Ergebnisse des Küchentests

Cornelius Speinle ist mit hohen Erwartungen konfrontiert: Der 31-Jährige ist Chefkoch im Gourmetrestaurant "Lakeside" des brandneuen Hamburger Luxushotels "The Fontenay", das Anfang kommenden Jahres eröffnen soll. Hotelbesitzer Klaus-Michael Kühne hat ihn persönlich in der Schweiz rekrutiert, wo Speinle sich mit seinem Restaurant "dreizehn sinne" bereits als 27-Jähriger einen Michelin-Stern erkocht hatte. "The Fontenay" soll in der obersten Liga der Luxushotellerie mitspielen. Da muss natürlich auch die Küche liefern.

Speinle stellt sich diesen Herausforderung gerne. Er liebt es, mit neuen Produkten und Geräten zu experimentieren. Für den jährlichen Küchengadget-Test von manager-magazin.de hat er einige neue Innovationen einem Praxistest unterzogen - bevor man dem oder der Liebsten eine riesige Heißluftfritteuse, eine Kochmaschine oder gar einen rund 700 Euro teuren Steakreaktor unter den Tannenbaum legt, möchte man schließlich wissen, was die Sachen taugen.

Da die Küche des "Lakeside" noch nicht ganz fertig ist, fand der Test in einer externen Profiküche statt. Speinle hat für den Gerätetest seinen Souschef John Ho mitgebracht - und Stefan Wilke, den Küchendirektor des The Fontenay, das als großes Haus natürlich mehr als nur eine Küche hat. In der ersten Folge unseres Tests geht es um drei teure Großgeräte: Den Airfryer XXL von Philips, die Küchenmaschine mit Kochfunktion und WLan-Anschluss von Aldi Nord und den Steakreaktor. In Teil zwei geht es dann weiter mit vier kleineren Gadgets.

In seiner Küche arbeitet Speinle (wie viele Sterneköche) mit dem Thermomix - temperaturkritische Saucen etwa kann das rund 1200 Euro teure Gerät exakter rühren und temperieren als ein menschlicher Helfer. Wir wollen wissen: Geht das auch billiger? Discounter Aldi Nord hat seine Kochmaschine einem technischen Relaunch unterzogen, im September kam das 1200 Watt starke neue Gerät in die Märkte (und wird dort auch in den kommenden Monaten immer mal wieder in Sonderaktionen verfügbar sein). Die "Küchenmaschine mit Kochfunktion" von Quigg kostet 229 Euro und kann in ihrem 2,2 Liter fassenden Mixbehälter rühren, dampfgaren, häckseln - und lässt sich sogar vom Smartphone aus bequem über eine eigene App mit vorinstallierten Rezepten bedienen.

Speinle und Ho allerdings entscheiden sich, das Gerät offline zu benutzen ("WLan-Anschluss? Braucht man nicht!"): Eine Crème anglaise soll es sein, eine klassische Dessertcreme aus Eigelb, Zucker und Milch. Die ist für einen Test prädestiniert: Zum einen müsste man ohne Maschine ständig rühren, zum anderen besteht die Hauptherausforderung bei der Zubereitung in der Temperaturkontrolle - wenn es zu heiß wird, verklumpt das Eigelb unrettbar. "Zuhause muss man immer daneben stehen", sagt Ho, "mit einer solchen Maschine: Set it and forget it."

"Scheint okay zu sein", ist auch Speinles erster Eindruck von dem solide wirkenden Gerät, das sich mit kleinen Saugnäpfen auf der Arbeitsplatte Tresen festhält. Heiterkeit ruft allerdings der mitgelieferte Spatel hervor, ein eher gebrechlich anmutendes Plastikteil von geringem haptischen Reiz. Die Crème anglaise wird gut, nichts brennt an, die Handhabung der Maschine ist intuitiv - ein Knopf für die Temperatur, einer für die Rührstufe, einer für die Zeiteinstellung, dann noch ein Startknopf. Da kann wenig schief gehen.

Ein wenig Kritik hat Speinle trotzdem: Bei geschlossenem Deckel (und nur so läuft die Maschine) tropft das Kondenswasser zurück ins Dessert. "Bei meinem Thermomix hab ich den Deckel deshalb abgeschnitten", sagt Speinle. Nun gut, das ist also kein Aldi-spezifisches Problem, und die Lösung auch eher unkonventionell (und nicht für Leute geeignet, die Wert auf Garantieleistungen bei Geräteherstellern legen). Sowohl Temperatureinstellung als auch die integrierte Waage weichen um mehrere Grad respektive Gramm vom angezeigten Wert ab, wie eine Kontrolle mit Thermometer und Waage zeigt. Für den normalen Hausgebrauch dürfte das aber nicht entscheidend sein - "für den Preis ein gutes Gerät", ist auch Hos Fazit.

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Feine Creme Anglaise: Die drei Köche bei der Begutachtung des mit der Quigg-Maschine hergestellten Desserts

Auf den rund 700 Euro teuren Steakreaktor, der mit satten 1600 Watt bis zu 850 Grad Grillhitze erzeugen soll, kommt eine echte Herausforderung zu: Für den Test hat Cornelius Speinle ein 1,1 Kilogramm schweres Stück Hochrippe besorgt. "Wir sind schwer gespannt, was das gute Gerät alles kann", meint Speinle. Danach soll es zarter werden: Weil jedes Fleisch eine Garnitur brauche, schält Ho ein paar Stänglein grünen Spargel, die ebenfalls ins Inferno sollen.

"Qualität und Verarbeitung wirken sehr gut", meint Speinle beim Aufbau des Geräts, "das ist schwer - ein gutes Zeichen." Die Bedienung ist leicht, man muss sich nicht einlesen: ein Drehknopf, eine Temperaturanzeige, eine Zeitanzeige, fertig. "She is on", meldet John Ho. "Es ist eine Sie?", fragt Speinle interessiert bei seinem Souschef nach. Der lässt sich nicht erschüttern: "Es ist immer eine Sie." Darauf wäre wohl nicht jeder bei dem martialisch schwarzen Klotz mit dem Stierkopf-Logo gekommen, aber ob sie oder er: Jetzt kommt die Bewährungsprobe. Der kiloschwere Rindfleisch-Kaventsmann ist schon mal im 54 Grad heißen Wasserbad auf die richtige Kerntemperatur gebracht worden, jetzt geht es in die Hitze - rund vier Minuten auf jeder Seite, kleine Flammen züngeln aus dem Geräteschlund, Gäste in der heimischen Küche wären spätestens jetzt schwer beeindruckt.

Das Ergebnis kann sich allerdings sehen lassen: Außen krosse Röstaromen, innen butterzartes Fleisch. Auch der Spargel wird äußerst delikat. Schwächen zeigt das Gerät allenfalls beim Grillen zweier Entrecote-Stücke, die außen nicht ganz so kross werden - und von denen eines beim Wenden nach hinten vom Rost rutscht. Das ist aber vielleicht auch eine Frage der Feinabstimmung. Den Härtetest mit der Hochrippe hat der Steakreaktor jedenfalls mit Bravour bestanden. "Tolles Gerät, aber recht teuer", ist Speinles Fazit. Pluspunkte gibt es dafür, dass der martialische Reaktor auch den zarten Spargel in Rekordzeit fein gegart hat.

Auch das letzte der drei getesteten Großgeräte darf sich mit einem großen Stück Fleisch bewähren: Der Airfryer von Philips setzt eine schon seit Jahren bewährte Technologie zum Heißluft-Frittieren ein - allerdings in neuer Dimension. In den Airfryer XXL soll ein ganzes Hühnchen passen, und Cornelius Speinle hat auch eines dabei. Der Spitzenkoch gibt auch gleich eine Lektion in Sachen Furchtlosigkeit in der Küche: Um zu prüfen, ob das Gerät schon soweit ist, steckt er eine Hand hinein. "Heizt schön schnell auf", meint Speinle.

Das Huhn wird mit Rosmarin und Salbei ausgekleidet, Salz und Pfeffer kommen hinzu und etwas Öl auf die Haut. "Ich bin kein Freund von Gebrauchsanleitungen", sagt Speinle, "ich schätze mal, 45 Minuten." Danach ist das Huhn noch etwas hell, aber durchaus kross und vor allem schmackhaft. Als Beilage bieten sich heißluftfrittierte Kartoffeln an, die auch schnell gemacht sind: "Sehr wunderbar", lobt Speinle. Ho gefällt auch das Huhn: "Das hat gut funktioniert, eine gesunde Alternative, knusprig und gut."

Allerdings ist auch dieses Gerät nicht ganz billig. Rund 300 Euro werden im Handel dafür fällig. Immerhin passen alternativ zum ganzen Hähnchen auch 1,4 Kilo Pommes Frites hinein - damit kann man schon eine hungrige Familie satt bekommen. Und warmhalten kann das Gerät auch.

Lesen Sie am Freitag: So bewährten sich Hot Dog Maker, Fermentiergerät, Kartoffelpresse und Himalaya-Salzgläser im Spitzenkoch-Test.

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Von wegen nur heiße Luft: Das Huhn wird im Airfryer richtig kross

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