Dienstag, 11. Dezember 2018

Toskana Die besten neuen Weine

Weinverkostung: Die besten Tropfen der Toskana
Chianti Classico

Die besten Tropfen der Toskana: mmo-Autor Christian Wenger hat die frisch auf den Markt gebrachten Jahrgänge von Chianti, Chianti Classico, Vernaccia, Vino Nobile und Brunello getestet - und die neue unterirdische Wein-Kathedrale der Marchesi Antinori besucht.

Hamburg - Die Toskana ist immer wieder gut für Überraschungen. Von nichts geringerem als einer "Revolution" sprach das Consorzium des Chianti Classico: Eingeführt werden soll eine neue, dritte Qualitätsstufe über dem Chianti Classico und dem Chianti Classico Riserva. Gran Selezione soll sie heißen. Ihr sollen Weine angehören, die bisher als teure "Supertuscans" auf den Markt kamen, aber als schlichte Tafelweine, als "Indicazione Geografica Tipica" (IGT), deklariert werden mussten, weil sie im System des Chianti Classico nicht unterzubringen waren. (Die aktuellen Empfehlungen aus der diesjährigen Verkostungen finden Sie hier.)

Viele Winzer propagierten die IGTs; sie glaubten, die Weine mit der damals gültigen Chianti-Formel, die einen Anteil von 10 Prozent an örtlichen Weißweinen vorschrieb, könnten mit den schwereren und gehaltvolleren internationalen Weinen in der Gunst der Käufer nicht mithalten. In den Preisen toppten die IGTs fortan locker die Chianti Classico Riservas.

Dann aber wurde die 1841 von Baron Ricasoli erfundene Chianti-Formel wieder geändert. Die zentrale Traubensorte im Chianti, San Giovese, sollte von Rot- statt wie bisher Weißweinen ergänzt werden. Nun sah es mit der Konkurrenzfähigkeit wieder anders aus. Heute gibt es wieder Winzer, die den weißen Sorten nachtrauern, weil die Weine dadurch frischer, leichter und bekömmlicher waren. Der Trend zu den tiefschwarzen, gehaltvoll-üppigen internationalen Weinen flacht deutlich ab zugunsten von gebietstypischen leichteren.

Die neue Qualitätsstufe dient auch der Preissteigerung

Mit einer dritten Qualitätsstufe könnte es gelingen, diese Weine in die Qualitätspyramide des Chianti Classico einzubinden - und den Korridor der Preisgestaltung auch für die beiden anderen Qualitäten im oberen Bereich etwas auszuweiten. Es darf allerdings bezweifelt werden, ob sie auch den Konsumenten weiter hilft.

Die nämlich werden mit Herkunfts- oder Qualitätsbezeichnungen, die am grünen Tisch ersonnen werden und meist nur einen politisch-taktischen Hintergrund haben, ohnehin mehr verwirrt als informiert. Ein Holzofenbrot in drei unterschiedlichen Qualitäten würden wir doch auch nicht akzeptieren, ebenso wenig ein Menü in einem ordentlichen Restaurant oder einen massgeschneiderten Anzug. In allen Fällen erwarten wir beste Zutaten, perfekte Verarbeitung, ausgezeichnete Qualität und dass Bäcker, Koch, Schneider - oder eben Winzer ihre bestmögliche Leistung abliefern.

Die Auswahl der 14 besten in Deutschland erhältlichen Neuzugänge aus der Toskana finden Sie hier.

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