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28.03.2013
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Achtsames Essen
Ein Stück Schokolaaaade

Von Kristian Ditlev Jensen

Plädoyer für den Genuss: Keine Schokolade ist auch keine Lösung, findet der Ernährungswissenschaftler Per Brændgaard
Corbis

Plädoyer für den Genuss: Keine Schokolade ist auch keine Lösung, findet der Ernährungswissenschaftler Per Brændgaard

Wer "Effilee"-Autor Kristian Ditlev Jensen eine gute Geschichte erzählt, den lädt er gern auf ein Essen ein. Wie Per Brændgaard. Der Ernährungswissenschaftler forscht über unsere Beziehung zu Hunger und Genuss. Essen mit Achtsamkeit, meint er, macht womöglich alle Diäten überflüssig.

Von der etwas verwirrten Kellnerin ist keine Auskunft darüber zu bekommen, warum das Restaurant im Filmhuset in Kopenhagen eigentlich Sult - auf Deutsch ›Hunger‹ - heißt. Sie wirkt insgesamt nicht besonders achtsam.

Ich schlage Per Brændgaard, er selbst hatte sich für das Sult als Rahmen unseres Gesprächs entschieden, vor, dass das Restaurant bestimmt nach Henning Carlsens gleichnamigen Filmklassiker aus dem Jahr 1966 benannt wurde, der wiederum auf den gleichnamigen Roman von Knut Hamsun zurückgeht. Hamsuns Roman hebt mit den schönen Worten an:

"Es war in jener Zeit, als ich in Kristiania umherging und hungerte, in dieser seltsamen Stadt, die keiner verlässt, ehe er von ihr gezeichnet worden ist." Brændgaard gefällt der Name. Er findet es aber eine mutige Entscheidung, ein Restaurant so zu nennen. Denn Hunger löst - auch - viele negative Assoziationen aus.

Brændgaard: Ich bringe Menschen bei, wie man mit Achtsamkeit isst - inspiriert ist das Ganze von der buddhistischen Meditation Vispassana. Wenn ich in meinen Seminaren frage, was den Leuten zum Wort Hunger unmittelbar einfällt, kommt einiges hoch. Hunger wird vor allem mit Hungersnot, Afrika, ausgehungerten Kindern mit aufgeblähten Bäuchen - rein Negativem - assoziiert. Danach Gedanken an Verhungern, Hungerstreiks, Hungerkuren, Diäten. Ebenfalls negative Dinge: Hunger ist etwas, das es zu vermeiden gilt. Erst danach nennen manche auch den phänomenologischen Hunger: Hunger als Lust. Hunger als Begehren. Hunger als Drang.

Frage: Was in der Suchtmedizin "Craving" genannt wird?

Brændgaard: Zum Beispiel. Wir unterteilen in unserem Buch den Hunger in Bauchhunger und Sinneshunger. Viele Menschen sind seit Jahren nicht mehr hungrig gewesen. Doch wir müssen den Hunger spüren. Der Sinneshunger ist die Lust auf etwas. Er ist spezifisch. Ich habe Lust auf eine Scheibe Brot. Der Bauchhunger dagegen ist etwas ganz anderes. Der bleibt ganz allgemein. Der Bauchhunger kennt kein Begehren. Das ist dieses Gefühl, als hätte man ein Loch im Bauch, das sagt: Ich muss jetzt etwas essen.

Während Brændgaard spricht, studiere ich die Speisekarte des Sult. Die ist nicht groß. Aber es ist von allem was dabei. Per Brændgaard ist unschlüssig, entscheidet sich dann aber für ein Thunfischsandwich. Ich nehme ein großes Steak - und grüble ganz verrückt, ob das 1. in Ordnung, 2. gesund, 3. von ausreichend Achtsamkeit zeugt und 4. der Grund dafür ist, dass ich dick bin. Doch laut Per Brændgaard und Uffe Damborg sollte ich mir nicht den Kopf darüber zerbrechen, was die beiden oder sonst jemand über meine Essgewohnheiten denken. Ich sollte meinen Blick auf etwas ganz anderes richten. Vor allem, wenn ich abnehmen möchte.

Brændgaard: Die herkömmlichen Diäten handeln alle von einer Regulierung von außen. Frauenzeitschriften, diverse Diäten und Fastenbücher schreiben alle vor, was und wie viel ich essen darf. Beim Essen mit Achtsamkeit verschiebt sich der Fokus: Essen soll von innen gesteuert werden.

Frage: Warum ist das wichtig?

Brændgaard: Weil Hunger bei Ihnen und bei mir, von Person zu Person, total verschieden sein kann. Da ist zum Beispiel die Verbrennung. Je größer jemand ist, umso mehr verbrennt er bei Bewegung. Doch auch ein verborgener hormoneller Unterschied kann eine Rolle spielen.

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Zur Person

  • Copyright: Kristian Ditlev Jensen / Effilee
    Kristian Ditlev Jensen / Effilee
    Per Brændgaard ist Ernährungswissenschaftler und plädiert für Achtsamkeit beim Essen. Mit dem Meditationsexperten und Psychologen Uffe Damborg hat er ein Buch zum Thema verfasst. Gemeinsam beschreiben sie darin, wie man ohne Diät abnimmt - indem man Hunger zulässt und spürt.

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