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14. Dezember 2012, 07:29 Uhr

Scharfe Schnitte, sanfter Druck

Küchengeräte im Sternekoch-Test

Von Kirsten Schiekiera

Küchenzubehör gehört zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken für Gourmets und Hobbyköche. Aber was taugen gelochte Küchenmesser, Pfeffermühlen mit Hasenöhrchen und Knoblauch-Wippen? Für manager magazin online hat Sternekoch Stefan Hartmann die Geräte ausprobiert.

Berlin - Zwei Gruppen von Menschen scheinen in den letzten Jahrzehnten in Deutschland rasant gewachsen zu sein: Die Hobbyköche und diejenigen, "die schon alles haben." Die Industrie hat beide Konsumentengruppen fest im Blick. Mittlerweile gibt es in jedem Einkaufszentrum ein Fachgeschäft für hochwertigen Küchenbedarf, das nichts mehr mit dem Eisenwarenladen von früher gemein hat.

In Läden mit Namen wie "Kulinaris" oder "Cook mal" findet man japanische Messer, die so scharf sind, dass sie jeden Samurai in die Flucht zu schlagen vermögen, matt glänzende Schneidebretter aus Fiberglas, Patisseriekellen, Mörser, Kupfertöpfe, ungefähr 79 verschiedene Pfeffermühlen - und immer wieder neue Produkte, deren Sinn und Zwecks sich nicht sofort erschließt.

Einige der Geräte erleichtern das Hantieren in der Küche ungemein, andere sehen vor allem gut aus, auf wenige trifft beides zu. Gemeinsam mit Stefan Hartmann, dessen "Hartmanns Restaurant" in Berlin-Kreuzberg ein Michelin-Stern schmückt, haben wir eine Auswahl neuer Design-Küchenobjekten getestet.

Herzig: Walnussöffner von Alessi

Ein silbernes Herz, verpackt in einer kleinen, samtbeschlagenen Schachtel - der neue Nussknacker der italienischen Firma Alessi kommt wie eine Morgengabe daher. "Ziemlich scharf", urteilt Stefan Hartmann bei der näheren Untersuchung des zierlichen Objektes. Er setzt die geschliffene Spitze des Herzens an dem oberen Ende der Walnuss an, die beiden Hälften lassen sich problemlos öffnen. "Das klappt wirklich!", staunt der Küchenchef. "Allerdings nur bei Walnüssen, bei Haselnüssen kann das Ding nichts ausrichten."

Außerdem halbiert das silberne Herz die Nüsse lediglich, die Kerne werden nicht freigelegt. "Man müsste jetzt noch mühselig nach den Kernen bohren oder noch einen richtigen Knacker holen", mosert Hartmann. "Dieses Herz sollte man nicht unbedingt an jemanden verschenken, den man wirklich mag." (Preis: ca. 14 Euro)

Nebulös: Zitruszerstäuber von Lékué

Der spanische Patisserie-Spezialist Lékué bewirbt seinen Zitruszerstäuber international mit dem Spruch "The freshest mist!". Für deutsche Ohren klingt das nach einem bösen Omen. Doch die Anwendung ist einfach: Man köpft eine Zitrone oder Limette, bohrt eine grüne Vorrichtung in die Zitrusfrucht, klappt eine kleine Silikonschürze um - und fertig ist eine Mischung aus Obst und Parfümflasche, die man auf einem kleinen Teller auf den Tisch stellen kann.

"Der Hammer!" freut sich Stefan Hartmann. "Das Gerät funktioniert super und man bekommt richtig viel Saft aus den Früchten raus."

Anwendungsmöglichkeiten fallen ihm reichlich ein: Salate, Desserts und Fisch könnte man mit dem Zitrusnebel besprühen. Der Saft verteilt sich gleichmäßig, die Kerne bleiben den Speisen fern, die Reinigung klappt problemlos. Der Koch ist begeistert. (Preis: ca. 18,90 Euro)

Verdünnisiert: Scheibenschneider "Tari" von Gefu

"Durch die gezahnten japanischen Spezialmesser ist es eine Leichtigkeit Ihre Zutaten in maßgenaue Scheiben von 5 mm zu schneiden", heißt es auf der Packung des "Tari", einer Art Luxusvariante des guten alten Eierschneiders. Stefan Hartmann schaut das Gerät sehr skeptisch an. Probeobjekt ist ein hartgekochtes Ei, das zunächst aus dem Schneider kullert. Der Koch zieht die Augenbrauen hoch. "Okay, das war meine Schuld, ich habe es falsch herum gehalten", gibt er nach einem Blick auf die Packung zu.

Beim zweiten Versuch gibt das silberne Metallteil nach sanftem Druck sofort einen Haufen Eierscheiben frei, die jedoch sehr dünn sind und leicht auseinander fallen. Zu Dekorationszwecken taugen die Eierscheiben nicht mehr, für "Häckerle" oder "Frankfurter Grüne Soße" wären die Scheiben prima geeignet. "Für die Profiküche wäre das ohnehin nichts", sagt er. "Und Hobbyköche sollten meiner Meinung nach das gleichmäßige Schneiden lieber üben." (Preis: ca. 32,95 Euro)

Scharfe Sache: Pizzarad von Rösle

"Sieht wirklich gut aus, macht einen grundsoliden Eindruck - aber ich habe keine Ahnung, was das sein soll", erklärt Stefan Hartmann beim Anblick des Pizzarads. Nachdem er eine Pizza in schmale Streifchen zerlegt hat, ist er begeistert. "Der Schneider liegt sehr sicher in der Hand und lässt sich hervorragend führen", lobt er. "Vor Kindern sollte man es unbedingt verstecken, da es harmlos aussieht, aber ordentlich scharf ist." Einige Pizzastreifen später steht sein Urteil fest: "Das Gerät könnten sogar einige Restaurants gebrauchen!" (Preis: ca. 29,95 Euro)

Auf Zehen spitze: "Garlic Rocker" von Joseph Joseph

Knoblauchpressen gehören zu den Geräten, die jeder Hobbykoch der Schublade hat, die in der gehobenen Küche eher verpönt sind. "Roher Knoblauch wird bei uns praktisch kaum verarbeitet, wenn doch, zerdrücken wir ihn mit der dicken Seite des Messers. Alter Trick!", erklärt der Koch und zermalmt mit dem umgedrehten Messer sekundenschnell eine Zehe.

Der "Garlic Rocker" gefällt ihm trotzdem. "Es geht schnell, man kommt leicht an den Knoblauch ran, und außerdem lässt sich es sich problemlos reinigen. Finde ich besser als eine Presse", sagt er. Ein weiteres Plus: Auch ungeschälte Zehen lassen sich mit dem Gerät mühelos zerkleinern. (Preis: ca. 12 Euro)

Schnippisch: Kräuterschneider von Microplane

Auf den ersten Blick sieht das neue Produkt des US-Reibenspezialisten aus wie eine Chrom-Babuschka mit grünem Plastikkopf. Stefan Hartmann wiegt die Kräutermühle nachdenklich in der Hand. "Vermutlich muss man die Stiele der Kräuter vorher entfernen, richtig?", fragt er. Richtig. Der Koch holt ein Bund Petersilie aus der Küche, beginnt die Blätter abzuzupfen und in die Mühle zu stopfen. "In der Zeit, in der ich das Gerät hier befülle, hätte ich sie gleich hacken können", stellt er fest.

Nach einigen Umdrehungen beginnen die Kräuterschnipsel aus der Mühle zu fallen. Da nicht allzu viele Blättchen in die Mühle passen, fällt die Ausbeute eher gering aus. "Es ist praktisch, dass man das gefüllte Gerät im Kühlschrank aufbewahren kann", sagt er. "Länger als einen oder zwei Tage sollte das aus Hygienegründen nicht geschehen. Also ich persönlich brauche so etwas nicht ..." (Preis: ca. 39,95 Euro)

Mit Belüftung: "Super Glider"-Messer von Wüsthof

Das Rad lässt sich nicht neu erfinden, das Messer auch nicht. Neu an dem "Super Glider" der Solinger Messerschmiede Wüsthof ist laut Produktbeschreibung, dass "acht Luftlöcher und eine spezielle Abstreifschiene das lästige Ankleben des Schneidguts" verhindern sollen.

"Schön schwer!", sagt Stefan Hartmann während er das Messer in der Hand wiegt. Dann wollen wir mal. Da Kohl der Erfahrung nach besonders hartnäckig an der Klinge haftet, beginnt der Sternekoch einen Rotkohl zu zerlegen. Rechts von ihm bildet sich ein kleiner Haufen schmaler Kohlstreifen, die Klinge bleibt tatsächlich weitgehend frei von Gemüsefitzeln.

"Ein tolles Messer. Nur für Profis gibt es allerdings ein kleines Problem: Wir lassen unsere Messer regelmäßig professionell schärfen, nach einigen Jahren werden die Klingen kleiner und kürzer. Irgendwann könnten die Schnittfläche zu nahe an den Löchern sein", urteilt er. "Aber für Hobbyköche ist es top!" (Preis: ca. 109 Euro)

Einhändig: "Duo PepperBall" von chef'n

"Einhand-Pfeffermühlen sind absolut praktisch!", findet Stefan Hartmann. "Es gibt schließlich viele Momente beim Kochen, bei denen man lediglich eine Hand zum Mahlen frei hat." Da sich klassische Mühlen bekanntlich nur beidhändig in Betrieb setzen lassen, setzt die amerikanische Firma chef'n auf eine ungewöhnliche Kugelform mit Griffen, die Hasenohren ähneln.

Im "Duo Pepperball" steckt ein Zinkmahlwerk für Pfeffer sowie ein Keramikmahlwerk für Salz. Durch eine Drehung am Griff kann man zwischen den Gewürzen wählen. Werden die Ohren zusammengedrückt dann ertönt ein recht lautes Knirschen, Pfeffer oder Salz beginnen zu rieseln. "Geht doch!" meint der Sternekoch und sieht zu, wie sich abwechselnd weiße und schwarze Häufchen auf dem Brett bilden.

Der Mahlgrad der Mühlen lässt sich in jeweils fünf Stufen verstellen. Wer das Salz gerne staubig und den Pfeffer gerne grob mag, kann das so festlegen. Der einzige Kritikpunkt des Kochs: "Das Material sieht mir nicht sonderlich stabil aus. Wenn es in der Küche zur Sache geht, fällt schnell was runter. Das könnte in diesem Fall problematisch sein." (Preis: Pfeffermühlen ca. 19,50 Euro, Duo PepperBall ca. 27,95 Euro)


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