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13.12.2012
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Weinlese im Dezember
Eis begehrt

Eiswein: Weinlese in klirrender Kälte
Fotos
DPA

Eiswein ist eine seltene Gaumenfreude: Temperaturen unter sieben Grad Minus braucht es, damit die gefrorenen Trauben erntereif sind. Ein Risiko für den Winzer, denn bleibt der Frost aus, gehen ganze Jahrgänge verloren. Das treibt den Preis pro Flasche.

Hattenheim - Bis Weihnachten sind es zwar noch ein paar Tage, aber auf dem Weinberg im Rheingau ist bereits Bescherung. "Das ist perfekt, es kommt kein Saft raus, es ist eine homogene Masse", sagt Dirk Würtz und kaut auf einer tiefgefrorenen Traube herum. Mit einem kräftigen Ruck reißt er in der Nacht zum zweiten Advent eine weitere frostbedeckte Folie an einem Weinstock auf und schaut hinein. Überall kleine, funkelnde Weintrauben.

"40 Liter würde ich hier heute gerne ernten", sagt Würtz, Betriebsleiter des Weinguts Balthasar Ress in Hattenheim im Rheingau. Sein Atem steigt dampfend in die sternenklare Nacht hinauf, als er sagt: "Die schaffen wir heute Nacht auf jeden Fall."

Zusammen mit rund 15 Helfern ist Würtz kurz vor Mitternacht in den Schnee gezogen, um Trauben für Eiswein zu lesen. Dafür muss es für eine gewisse Zeit sieben Grad minus oder noch kälter sein. Werden die hart gefrorenen Trauben verarbeitet, entsteht ein besonders süßer Wein, da die wässrigen Anteile als Eis in der Kelter zurückbleiben. Der Wein hat dann einen höheren Anteil an Feststoffen, vor allem Zucker. Der Öchsle-Wert, das Mostgewicht also, ist dann besonders hoch. (Testen Sie Ihr Wein-Wissen in unserem Quiz!)

Risiko für den Winzer

Eiswein ist ein begehrter Tropfen, allerdings den Winzer auch ein Risiko: Er spekuliert auf knackigen Frost. "Es gibt auch Jahrgänge, in denen wir die Trauben einfach abbrechen mussten", sagt Christian Ress, Inhaber des Weinguts.

Anders Anfang Dezember 2012. Bereits gegen 18 Uhr war das Thermometer auf minus sieben Grad gefallen. Kurz nach 20 Uhr war für Ress und seine Mitarbeiter klar: Heute oder nie. Sieben Zeilen hatten sie für den Eiswein stehen gelassen.

Zwei kleine Traktoren geben mit ihren Scheinwerfern im Weinberg Licht, während die Helfer durch den Schnee stapfen und Traube für Traube aufsammeln. "Es wird alles geerntet", ruft Betriebsleiter Würtz durch die hessische Nacht. Seine Betonung liegt nachhaltig auf dem Wort "alles". "Das Zeug kostet ein Vermögen", sagt Würtz. Pro Flasche Eiswein rechnet er mit 300 bis 400 Euro. Die Rarität wird in die ganze Welt geliefert.

Der Eiswein ist auch deshalb so teuer, weil die Winzer auf der gleichen Fläche viel weniger Ertrag einfahren können als bei einer herkömmlichen Ernte. "Wir rechnen hier mit rund 40 Litern, normalerweise hätten es bis zu 400 sein können", erklärt Würtz.

"Der Geschmack ist Weltklasse"

Umso früher die Eisweinlese, desto besser. Dann ist nämlich garantiert, dass die Trauben noch nicht gefault sind. "Als der Anruf mit der Frage kam, ob ich Lust hätte zu helfen, habe ich nur "Na klar" gesagt", berichtet Manuela Bürger. Die 24-Jährige arbeitet üblicherweise im gut geheizten Verkaufsladen des Weinguts. Jetzt lässt sie mit dicken Handschuhen rote Trauben in eine Kiste purzeln. "Das muss man miterlebt haben", sagt Bürger.

Nach knapp einer Stunde ist die Ernte vorbei, die Arbeit aber noch lange nicht. Die Trauben müssen direkt gepresst werden, sonst geht der gesamte Frosteffekt verloren. Betriebsleiter Würtz ist der erste Schluck Most vorbehalten.

"Der Geschmack ist glasklar, einfach Weltklasse", verkündet Würtz. In den Gesichtern der Helfer um ihn herum ist Erleichterung zu sehen. Und die erste Messung ergibt: Etwa 170 Grad Öchsle. Mindestens 125 braucht es für Eiswein. Der Saft ist süß, die härteste Arbeit getan, die Stimmung gerettet. Dirk Würtz dreht über eine Stereoanlage Schlagermusik in der Kelterei auf: "Jetzt trinken wir einen."

Jonas-Erik Schmidt, dpa

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