Samstag, 15. Dezember 2018

Trüffelzeit in Alba Tolle Knolle, trübe Geschäfte

Trüffel: Teure Vielfalt
Thomas Ruhl / www.port-culinaire.de

Im Herbst machen sich Genießer auf den Weg ins italienische Alba, der Heimat des weißen Trüffels. Die Nachfrage ist so groß, dass die Region Knollen aus anderen Gegenden importiert. manager-magazin-online-Autor Christian Wenger hat sich dort umgeschaut und mit Trüffelsuchern und Händlern gesprochen.

Alba - Die Trüffeltouristen sind schon fast alle da. Die Hotels sind seit Anfang Oktober ausgebucht, tagsüber wird im Trüffelzelt in der Altstadt von Alba gedrängelt, geschnüffelt und gemampft. Am Abend ist in den namhafteren Restaurants nur mit viel Glück oder einer langfristigen Reservierung ein Tisch zu bekommen.

Nur: Die Weißen Trüffel, die angeboten werden, stammen nicht aus der Umgebung von Alba. In der Langa, so heissen die Hügel südöstlich von Alba gab es im Oktober noch keine Trüffel: Der Sommer war zu schön im Piemont, bisher fiel zu wenig Regen.

Erst wenn sich Ende Oktober nach der Weinlese die herbstlichen Nebel an die Hügel schmiegen und es merklich feuchter wird, könnte die Zeit der Weißen Trüffel kommen. Genau wissen das nicht einmal die Trüffelsucher und Händler. Kann auch sein, dass sich in 2012 die Regel bestätigt, wonach ein gutes Weinjahr ein schlechtes Trüffeljahr ist.

Stephan Burger, der mit seinem Partner Andreas Jokisch in München den Trüffelhandel La Bilancia betreibt, sagte Mitte Oktober, "ich habe dieses Jahr bisher allenfalls zwei erstklassige Weiße Trüffel gesehen - der Rest verdient diesen Namen nicht". Ein Trüffelsucher schimpft: "Hysterie, im Oktober sind die Trüffel, wenn es überhaupt schon welche gibt, noch absolut grün. Das Ganze ist doch nur ein Spektakel für die Touristen". Und diese kommen reichlich und zahlen in den Restaurants pro Gramm derzeit um 6 Euro.

Aber wo kommen die auf der Trüffelmesse in Alba (dieses Jahr vom 6.10.-18.11.) und in den Restaurants reichlich anzutreffenden Knollen her? Es ist ein offenes Geheimnis, dass Mittelitalien, vor allem der Apennin um Bologna sowie Istrien, zu den Hauptlieferanten gehören.

Der Trüffelimport in die Trüffelregion

Selbst in der Zeit von November bis Januar, in der die Trüffel am besten schmecken, stammt nur noch ein kleiner Teil aus der Gegend - die Mengen, die allabendlich über unzählige Teller Eiernudeln und Risotto gehobelt werden, gibt das Piemont gar nicht (mehr) her.

Das war 1947 noch ganz anders. Es gab so viele Trüffel, dass der spätere Trüffelkönig Giacomo Morra auf die Idee kam, die Kunde der Wunderknolle in die Welt hinauszutragen und ihr Glanz und Glamour zu verleihen, indem er jedes Jahr einer illustren Persönlichkeit den schönsten und grössten Trüffel der Saison zum Geschenk machte.

Die Fotos von US-Präsident Truman mit einem 2400 Gramm schweren Trüffel, von Rita Hayworth, Marilyn Monroe und Alfred Hitchcock gingen durch die Weltpresse. Das Image war gesetzt und die Provinzstadt Alba fortan das Zentrum des Weißen Trüffels.

Auf dem in diesem Jahr "82. Mercato del Tarfufo" hört man deutschsprachige Laute, schweizerisch, norddeutsch und österreichisch eingefärbt, dazwischen Franzosen, Turiner und Mailänder. Das Hotel Eden Roc im schweizerischen Ascona organisiert jedes Jahr für seine Gäste eine Trüffeltour nach Alba, die mit einem üppigen Trüffelessen in einem der zurzeit angesagten Lokale, im Ciao del Tornavento in Treiso endet.

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